27.09.2021 - 00:08 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Wahl im Wahlkreis Schwandorf: Das sagen die Parteien nach einem langen Abend

Wir sammelten Reaktionen auf den Wahlausgang im Wahlkreis Schwandorf. Freude und Enttäuschung liegen nahe beieinander.

Von der Möglichkeit der Bundestagswahl wurde verstärkt Gebrauch gemacht, so dass sich die Wahlbriefe stapelten in den Wahlämtern.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Wie die kommende Regierung aussehen wird, ist noch unklar und wird es wohl auch vorerst bleiben. Für den Wahlkreis Schwandorf sind allerdings bereits Entscheidungen gefallen. So reagieren die Parteien auf die Entwicklungen des Abends.

CSU

„Das erste Ziel haben wir erreicht: Wir haben das Direktmandat für die CSU gehalten“, so der Kreisvorsitzende Alexander Flierl. Das sei dem fleißigen, nimmermüden und couragierten Wahlkampf von Martina Englhardt-Kopf zu verdanken. „Es hat sich ausgezahlt, dass sie vor Ort war, bei den Menschen war,“ das sei honoriert worden. Angesichts dessen, dass sich Englhardt-Kopf im Kreis Cham erst bekanntmachen musste, sei der Erfolg noch höher einzuschätzen, sagte Flierl. Und: Immerhin habe Englhardt-Kopf gegen die Landesgruppenvorsitzende der SPD im Bundestag gewonnen. Das Zweitstimmenergebnis allerdings gibt dem Kreisvorsitzenden zu denken. „Das ist natürlich unbefriedigend. Damit kann die CSU nicht zufrieden sein.“ Die Ursachen müssten schnell erforscht werden. Die Partei dürfe das nicht auf die lange Bank schieben. „Wir müssen das offen diskutieren, ohne uns zu zerfleischen“, sagte Flierl.

SPD

Der Kreisvorsitzende der Sozialdemokraten, Peter Wein aus Burglengenfeld, zeigte sich zufrieden: „Dieses Ergebnis hätte vor zwei Monaten niemand für möglich gehalten“, sagte Wein bei der Wahlparty von Marianne Schieder in Wernberg-Köblitz. „Die SPD ist wieder da, die Aufholjagd ist gelungen.“ Er freute sich über das Ergebnis für Marianne Schieder – obwohl es für das Direktmandat nicht reicht, wird Schieder über die Landesliste erneut in den Bundestag einziehen. „Ich habe das bei den Terminen im ganzen Landkreis gespürt, dass es da eine positive Stimmung gibt. Wir haben die Leute mobilisiert.“

Grüne

Benjamin Quaas, einer der beiden Kreisvorsitzenden der Grünen im Landkreis Schwandorf, spricht den Wahlkämpfern sein Kompliment aus: „Das ist ein super Team. Und wir haben auch sehr stark zugelegt.“ Zum Daumendrücken waren auch Parteifreunde aus dem Raum Cham nach Schwandorf gekommen – etwa Michael Doblinger vom dortigen Kreisvorstand der Grünen. Moralische Schützenhilfe gab es überdies von Marion Juniec-Möller, der Dritten Bürgermeisterin der Großen Kreisstadt Schwandorf. Sie erinnerte sich an den zurückliegenden Wahlkampf als „sehr offen und mit vielen guten Gesprächen“.

Freie Wähler

„Ausgesprochen gut gelaunt“ gibt sich Hans Kraus, der Chamer Kreisvorsitzende der Freien Wähler. Seine Partei, die im Landkreis Cham sogar den zweiten Platz vor der SPD belegt, habe gute Arbeit geleistet. Einziger Wermutstropfen sei, dass die Partei im Bund an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und deshalb nicht in den Bundestag einziehen wird. „Das ist schade. Wären wir drin gewesen, dann wären sicher einige aus Bayern nach Berlin gekommen.“ Voll des Lobes ist Kraus für seinen Direktkandidaten Christian Schindler, diesen „jungen Kandidaten, der erstmals zu einer Wahl angetreten ist“. Besonders freut er sich über die zwei orangenen Flecken auf der Karte – in Schorndorf und Zandt sind die Freien Wähler stärkste Kraft.

FDP

Auch bei der FDP ist die Stimmung gut. „Wir haben unser Ergebnis verbessert und es ist keine Regierung ohne uns möglich“, sagt der Schwandorfer Kreisvorsitzende Josef Fries. Nun komme auf die FDP die Aufgabe zu, zusammen mit den Grünen den nächsten Kanzler zu bestimmen. „Da müssen alle drei miteinander und auch etwas einstecken können.“

AfD

Weniger glücklich ist Wolfgang Pöschl. „Wir haben die Wahl nicht gewonnen, das ist nicht die Überraschung“, sagt der AfD-Kandidat. Doch ihn verwundern die konkreten Zahlen: Er habe sich selbst eher bei 25 bis 30 Prozent gesehen, tatsächlich gereicht hat es für rund 13. „Emotional will ich das gar nicht bewerten, aber logisch macht das nach meinen Eindrücken aus dem Wahlkampf einfach überhaupt keinen Sinn.“ Erklären kann er sich das nicht, doch er stellt einen Verdacht an, der er nicht belegt: „Das Thema Wahlbetrug ist für mich ein ganz großes. Ich möchte das ausdrücklich nicht ausschließen.“

ÖDP

Auch Alfred Damm ist unzufrieden mit dem Wahlausgang. Seine ÖDP spielt im Wahlergebnis praktisch keine Rolle. „Wir sind als kleine Partei einfach zerrieben worden, auch in Konkurrenz mit den Grünen“, fasst der Kreisvorsitzende zusammen. Kommunalwahlen lägen seiner Partei eher, im Landkreis habe sie dort zuletzt fünf Prozent geholt. „Wir müssen versuchen, regional in Erscheinung zu treten, weil wir überregional nicht vorkommen.“

Linke

Einen schlimmen Abend erlebte auch die Linkspartei, sagt der Kreisvorsitzende Marius Brey. „An so etwas muss man wachsen“, seufzt er. Verantwortlich seien Störfeuer, die es seit Jahren gebe, personell wie inhaltlich. Diese würden vom Markenkern ablenken, nämlich der sozialen Gerechtigkeit. Diesen herauszustellen sei der Partei nicht gelungen. Am Kandidaten vor Ort habe es nicht gelegen: „Manfred Preischl hat das sehr gut gemacht und uns zum Teil noch gerettet“.

Kommentar zum Wahlausgang im Wahlkreis Schwandorf

Schwandorf
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.