22.10.2019 - 16:57 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Weg von der Großstadt München

Wie zwei Münchner im Himmel fühlen sich Bernd und Christina Schwarzelbach in Schwandorf. Sie machen den Schritt vom pulsierenden Ballungsraum aufs gemächlichere Land. Bereut haben sie ihre Entscheidung keine Sekunde.

Bernd und Christina Schwarzelbach haben dem Ballungsraum München den Rücken gekehrt. In Schwandorf sind sie binnen kurzer Zeit "angekommen“, haben Freunde gefunden und ein soziales Umfeld, dass sie sich immer gewünscht haben.
von Irma Held Kontakt Profil

Seit dem 28. April 2018 wohnt das Ehepaar in Schwandorf. Es fühlt sich für die Beiden "wie angekommen" an. Von einer Mietwohnung sind sie gerade in eine Doppelhaushälfte im Stadtsüden gezogen, noch so nah, dass das Zentrum schnell mit dem Rad zu erreichen ist. Da sind sie vom Großraum München nicht unbedingt längere Fahrwege, aber ganz generell längere Fahrzeiten gewöhnt. Im Doppelhaus mit Garten richten sie sich gerade ein, können sie sich jetzt ausweiten und -breiten. "Auf dem Land will ich einen Garten haben", sagt Christina Schwarzelbach. "Wenn ich zur Haustür raus geh', ist da schon eine ganz andere Luft." Zwei Überlegungen spielen für das Ehepaar (57 und 64 Jahre alt) eine Rolle, den Ballungsraum zu verlassen. Man werde älter und irgendwann würden zwei oder drei Stockwerke zum echten Problem. Und zweitens: "Unsere Wunschwohnung werden wir uns nicht leisten können." Regensburg kennen sie von vielen Besuchen, doch auch die Boomstadt der Oberpfalz ist nicht die Richtige.

Keine Nesthocker

Als Christina Schwarzelbach, Angestellte einer Krankenkasse, eine Stellenanzeige für Schwandorf liest, fragt sie Bernd: "Was hältst'n von Schwandorf?" Und schon geht alles schnell. Sie sagt zu und sechs Wochen später ziehen sie um. Dabei ist der gelernte Koch Bernd Schwarzelbach, der zuletzt am Landeskriminalamt arbeitete, eine Großstadtpflanze. Er ist in Unterschleißheim aufgewachsen, aber der 30 000 Einwohnerort, der mit München mehr oder weniger zusammen gewachsen ist, hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Es ist nicht mehr sein Unterschleißheim.

Die Anonymität und soziale Kälte einer Großstadt ist nicht die Kragenweite des leutseligen und offenen Ehepaars, "das hat uns den Abschied leicht gemacht". Beide sind keine Nesthocker und brauchen ein gesellschaftliches Umfeld. Nachbarn zum Beispiel, die man grüßt und mit denen man mal redet. "Und endlich auch mal Kinderlärm", freut sich Christina Schwarzelbach.

"Da kennt ihr niemanden"

"Hier", und damit meint er seine neue Heimat, "trifft man immer die gleichen Leute. Wenn ich durch Schwandorf gehe, kenne ich schon mehr Leute vom Sehen als in Unterschleißheim". Dabei hätten Bekannte oft gegen die Umsiedlung mit den Worten argumentiert: "Aber dort kennt ihr doch niemanden."

Stimmt. Oder besser gesagt stimmte. Die Bezüge in den Landkreis Schwandorf sind bis zum 27. April 2018 eine Kusine von Christina Schwarzelbach in Altfalter. Christinas Mutter stammt aus Hofenstetten und sie hat es 1957 nach München verschlagen. "Die Ferien bei der Oma in Hofenstetten waren immer die schönsten", erinnert sich die 57-Jährige Neu-Schwandorferin.

Jetzt ist Christina Schwarzelbach Hofenstetten und der Natur wieder ein ganzes Stück näher gerückt. Den Nebel, der über der Naab aufsteigt, wenn sie zur Arbeit fährt, möchte sie nicht mehr missen. Und ein Vorurteil der Münchner Freunde - "die Oberpfälzer sind so komisch, so verschlossen" - hat sich überhaupt nicht bewahrheitet. "Die meisten sind erstaunlich zugänglich. Wir haben in so kurzer Zeit viele Freunde gefunden", denen Bernd Schwarzelbach hilft und die sich jetzt beim Umzug revanchieren. "Das war früher in Unterschleißheim auch so."

Wenn ich zur Haustür raus geh', ist da schon eine ganz andere Luft.

Christina Schwarzelbach

Christina Schwarzelbach

Wenn ich durch Schwandorf gehe, kenne ich schon mehr Leute vom Sehen als in Unterschleißheim.

Bernd Schwarzelbach

Bernd Schwarzelbach

Der Garten ist den Schwarzelbachs wichtig. Das Fundament für eine Gartenhäuschen ist schon ausgehoben.
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