Nein, es war kein harmloser Ausflug. Das weiß die Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts unterdessen. Mehr schon eine Art Strafexpedition, bei der offene finanzielle Verbindlichkeiten geregelt werden sollten. Mit Methoden, die nun von der Staatsanwaltschaft als erpresserischer Menschenraub bezeichnet werden.
Was spielte sich ab, als heuer am 13. Januar drei junge Männer in Bodenwöhr ein Auto bestiegen und als Fahrgast einen 21-Jährigen mitbrachten, der nicht freiwillig zu der für ihn völlig unkalkulierbaren Tour mit unbekanntem Ziel aufbrach? Im Dunkel der Winternacht führte die Fahrt zu einem Wochenendhaus am Stadtrand von Neunburg vorm Wald.
Angeblich ahnungslos
Neben den beiden Hauptverdächtigen, 21 und 22 Jahre alt, sitzen nun ein männlicher Begleiter (22), der wohl eher passiv blieb, und eine Frau auf der Anklagebank. Anfangs schwieg die 26-Jährige, am zweiten Prozesstag hörte die Strafkammer auch von ihr Schilderungen. In einem Satz zusammengefasst: "Ich habe nicht gewusst, was abgeht". Das erstaunte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber. Fünf Leute in einem Auto, Gespräche auf engstem Raum. Und dann wirklich keine Ahnung? "Ich saß am Steuer und habe mich auf die Straße konzentriert."
Die damalige Freundin von einem der zwei Hauptverdächtigen will auch nichts von dem mitbekommen haben, was sich nach der Ankunft im Wochenendhaus zutrug. "Ich war in einem Nebenraum." Also nichts davon mitbekommen, wie man das zahlungsunfähige Opfer mit Schnürsenkeln fesselte? Auch das wurde bejaht.
Die Frau chauffierte den Pkw auch dann noch, als zu später Stunde von Neunburg aus in einen Ort bei Roding aufgebrochen wurde. Nach dem Eintreffen sollte per Computer das Konto des 21-Jährigen überprüft und geklärt werden, ob der junge Mann tatsächlich 64 000 Euro bei einem Internet-Wettspiel gewonnen hatte. Vorher aber flüchtete das Opfer aus dem Auto und wurde zusammengeschlagen. Auch das, erfuhren die Richter von der 26-Jährigen, habe sie leider nicht gesehen.
Verfestigt hat sich zwischenzeitlich der Eindruck, dass der zur Zahlung von 2800 Euro gedrängte 21-Jährige zwar Angst hatte, als man ihn nach Neunburg brachte, andererseits die ganze Sache im Nachhinein nicht allzu tragisch nahm. Ob er jemals im Online-Casino 64 000 Euro gewann, erscheint fraglich.
Auch noch Rauschgift
Zur Kenntnis genommen haben die Richter im Prozessverlauf auch die Tatsache, dass bei dem 22-Jährigen, der die zwei Hauptverdächtigen mit in das Wochenendhaus begleitete und dort allem Anschein nach passiv blieb, fünf Gramm Marihuana und ein Brocken Haschisch beschlagnahmt wurden. Ein reiner Zufallsfund war es, den Polizeibeamte im Rahmen ihrer Ermittlungsmaßnahmen bei einer Hausdurchsuchung machten.












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