01.12.2020 - 16:14 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Wellenreiten mitten in Schwandorf

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Was am Münchener Eisbach geht, könnte auch in Schwandorf Wirklichkeit werden: Surfen mitten in der Stadt. Das ist aber nicht die einzige Idee des Wasserwirtschaftsamts für die Naab.

Ein Surfer springt mit seinem Brett auf die Eisbachwelle. Die Münchner Attraktion ist weltbekannt. Ein ähnliches Projekt wäre in Schwandorf am Tivoli-Wehr bei den Wasserrädern möglich.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Naab prägt die Stadt - und soll künftig trotz Hochwasserschutz für die Menschen attraktiver werden. Mauern und Deiche werden nach dem Naabtalplan einerseits den Zugang zum Fluss verändern. Andererseits hat das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weiden ein Gesamtkonzept vorgelegt, das vor allem die innere Naab an Schuierermühle, Wasserrädern und Hubmannwöhrl sehr attraktiv machen könnte.

Die Behörde sieht sich laut dem Fachbereichsleiter Wasserbau am WWA, Christian Götz, als "Sachwalter des Allgemeinwohls", wenn es um den Fluss geht. Das Gesamtkonzept, das dem Stadtrat bereits vorgelegt wurde, muss dazu Interessen abwägen, die nicht immer vereinbar sind: So würde eine Wasserkraftanlage am Krondorfer Wehr wohl den Durchfluss der inneren Naab schmälern - der würde aber für die Ideen rund um die Wasserräder gebraucht. "Wir wollen nicht, dass irgendwo vollendete Tatsachen geschaffen werden, die andere Ideen verhindern", sagte der Bauingenieur im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Deshalb wird auch das gesamte Flusssystem im Stadtgebiet im Konzept beleuchtet.

Räumen oder modellieren

Um die innere Naab attraktiver zu machen, muss sie zunächst geräumt werden - oder modelliert. Ob nämlich der Schlick, der seit Jahren zu Verlandungen führt, wirklich raus muss aus dem Flussbett, ist noch nicht ausgemacht. Das Bett könnte mit dem Material auch modelliert werden, um den nötigen, kräftigeren Durchfluss zu erreichen. Das hätte obendrein den Charme, dass das ausgebaggerte Material nicht teuer entsorgt werden müsste. Für die Räumung gibt es eine Zusage zur Kostenübernahme durch den Freistaat. Die Investitionen zum Konzept übernimmt zu 65 Prozent der Freistaat Bayern, 35 Prozent muss die Stadt leisten.

Für das Krondorfer Wehr stehen größere Reparaturen an. Es ist nicht mehr dicht, wird unter- und umspült. Das und die vielen Sedimente sorgen dafür, dass wenig Wasser in die innere Naab läuft. Am prägendsten für das Stadtbild von Westen her ist der Plan, das Schuiererwehr durch eine lange, raue Rampe samt Kanurutsche zu ersetzen. Am westlichen Hubmannwöhrl entlang könnte ein Weg entstehen, an der kleinen Naabbrücke zur Mühle hin eine attraktive, begehbare Plattform, die mitten in der Stadt den Aufenthalt am Fluss ermöglicht.

Schlauchwehr als Lösung

Das Tivoli-Wehr mit den (seit Jahren stehenden) Wasserrädern wäre der Dreh- und Angelpunkt der neuen Naab: Die Planer können sich hier eine Surfwelle vorstellen, wie am Eisbach in München. Dazu würde das bestehende Wehr an der Holzbrücke abgebaut und flussabwärts ein Schlauchwehr eingebaut. "Das kann mit Wasser oder Luft befüllt werden", erklärt Götz. Ist es aufgepumpt, staut es die Naab für die Wasserräder. Abgelassen würde es den Durchfluss bieten, der für eine Welle zum Surfen reicht.

"Für die Idee haben sich schon Interessenten gemeldet", sagte Götz, "aus der Nordoberpfalz und aus dem Nürnberger Raum." Die könnten die Surf-Attraktion betreiben. Überhaupt können private Investoren bei den Ideen des WWA eine wichtige Rolle spielen, auch bei den Wasserrädern. Götz kann sich vorstellen, dass die Stadt den Betrieb der Räder ausschreibt. Mit der Nutzung sind aber auch Verpflichtungen verbunden, wie der Unterhalt eines Teils der Inneren Naab. Der Fluss soll nicht nur attraktiver, sondern auch für Fische und andere Lebewesen durchlässiger werden. Dazu könnte am Tivoli-Wehr ein Bach samt Wasserspielplatz im Stadtpark sorgen.

"Wir wollen alle mitnehmen", sagte Götz, deshalb stehe auch eine Konferenz mit weiteren Betroffenen wie dem Kanu-Club oder dem Bund Naturschutz an. Natürlich werden die Pläne im WWA eng mit den Vorhaben zum Hochwasserschutz abgestimmt. Auch mögliche Synergien, etwa beim Neubau der Naabbrücke nach Krondorf, sollen genutzt werden. Bis zu einer Verwirklichung wird noch einiges Wasser die Naab hinunterfließen. Vorplanung, Entwurfsplanung, Planfeststellung: Da ist noch einiges zu tun. Natürlich wird die Stadt ein gewichtiges Wort mitreden, was von den Ideen umgesetzt werden soll. Einzelne Maßnahmen wie am Hubmannwöhrl könnten laut Götz aber vorgezogen werden, wenn sie anderen Vorhaben nicht im Wege stehen. "Wenn alles gut läuft, könnten wir in zwei Jahren beginnen", sagte Christian Götz.

Der Naabtalplan in Schwandorf

Das Konzept als Thema im Stadtrat

Schwandorf
Hintergrund:

Die Wehre zwischen Fronberg und Ettmannsdorf

Die Naab von Fronberg bis Ettmannsdorf ist eine Abfolge von Stauseen, ein Relikt der Wasserkraftnutzung. Von Norden kommend reihen sich flussabwärts folgende Wehre aneinander.

  • Hollerwehr: Nördlich der Nordumgehung (B 85), trennt den Hollergraben von der Naab. Der Graben fließt durch die Wiesen nördlich Krondorfs; mündet nördlich des Krondorfer Wehrs in den Fluss.
  • Fronberger Wehr: Staut die Naab beim Eisenwerk. Ein Teil des Wassers fließt durch eine Wasserkraftanlage und speist den Hammergraben, der östlich am Eisenwerk vorbei entlang des Unteren Wegs (Schokoladenwegerl) verläuft und südlich des Krondorfer Wehrs auf die innere Naab trifft. Die Hauptnaab fließt westlich am Eisenwerk vorbei.
  • Krondorfer Wehr: Das Bauwerk trennt die innere und die äußere Naab. Die innere Naab fließt östlich an der Wöhrvorstadt vorbei. Die äußere Naab fließt westlich, unter der großen Naabbrücke hindurch.
  • Schuiererwehr: Das prägendste Wasserbauwerk der Stadt spannt sich von der Schuierermühle zum Hubmannwöhrl (Stadtpark). Der Abfluss des Wehrs läuft westlich am Hubmannwöhrl (Kanuclub) vorbei.
  • Tivoli-Wehr: Das Bauwerk staut die innere Naab bei den Wasserrädern. Der Abfluss wird Storchennaab genannt. Südlich des Hubmannwöhrls stößt die Storchennaab wieder auf den Hauptfluss.

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