29.05.2020 - 12:46 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zehn Jahre neue Erlöserkirche

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In ihrer heutigen Form ist die evangelische Erlöserkirche im Herzen Schwandorfs das Ergebnis eines kompletten Umbaus. Nach einer einjährigen Bauzeit kann die „neue“ Erlöserkirche am Pfingstsonntag des Jahres 2010 eingeweiht werden.

Die Schwandorfer Erlöserkirche ist Teil des evangelischen Gemeindezentrums. Es besteht aus einem Kirchturm (rechts), an den das Verwaltungsgebäude „Martin-Luther-Haus“ angebaut wurde, der eigentlichen Kirche (Mitte) mit einem Glasfoyer als Vorbau und dem Gemeindehaus (links).
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Schwandorf gehören rund 4000 Christinnen und Christen an, die sich zu den Gottesdiensten in der Erlöserkirche in Schwandorf oder in der Friedenskirche in Wackersdorf versammeln. Der Einzugsbereich der Pfarrei erstreckt sich von Schwandorf, Wackersdorf und Steinberg bis in das Fensterbachtal. Gelegen ist sie im Osten des Dekanats Sulzbach-Rosenberg mitten im Diasporagebiet, in dem nur knapp zehn Prozent Evangelische leben. Das Zentrum der Gläubigen befindet sich in Schwandorf an der Bahnhofstraße, wo die Erlöserkirche steht, die Gemeinderäume untergebracht sind und das Pfarramtsbüro seinen Sitz hat. Seit 1872 ist die Kirche das Wahrzeichen der evangelischen Gemeinde in der Kreisstadt Schwandorf.

Visitenkarte der Kirche hat sich verändert

Schwandorf

In ihrer heutigen Form ist die Erlöserkirche das Ergebnis eines lange geplanten und in den Jahren 2009 und 2010 durchgeführten, kompletten Umbaus. Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf 1,58 Millionen Euro. Im Zuge der Maßnahmen wurden unter anderem der Kirchraum verkleinert und künstlerisch neu gestaltet sowie ein großer Gemeindesaal geschaffen. Damit reagierte die Pfarrei auf den Wunsch der Gläubigen nach einer modernen und hellen Raumgestaltung der Kirche sowie einem zentralen Versammlungssaal mittlerer Größe. Insgesamt folgte man der Notwendigkeit, die verschiedenen kirchlichen Immobilien an einem Ort in Form eines Gemeindezentrums zusammenzufassen. Eine „Außenstelle“, das langjährige Weinberg-Zentrum der Protestanten an der Paul-Keller-Straße, war vorher abgerissen und verkauft worden. Auf dem dortigen Areal entstanden danach moderne Einfamilienhäuser.

Ein Blick in den neu gestalteten Innenraum der evangelischen Erlöserkirche, der vergleichsweise schmucklos ist. Herausstechend ist vor allem das ungewöhnliche Altarkreuz mit einem Christuskorpus ohne Arme und Beine. Er wurde 1945 aus dem Schutt der zerstörten Vorgängerkirche geborgen, beim Umbau 2010 wieder in die Kirche gebracht und an einem Stahlträger befestigt.

Die letzte Andacht in der evangelischen Kirche, vor dem Generalumbau, war im Frühjahr 2009 eine Passionsmusik unter dem Motto „Hinter den Dingen“. Zuvor war ein „besonderer Gottesdienst“ unter dem Leitmotiv „Erinnern“ gefeiert worden, in dem es um das Gotteshaus selbst und seine wechselvolle Geschichte ging. Nach einer einjährigen Bauzeit konnte die „neue“ Erlöserkirche am Pfingstsonntag des Jahres 2010 eingeweiht werden. Das Kircheninnere war nach dem Umbau, wie erwähnt, deutlich kleiner geworden. Altar und Ambo rückten in die Mitte, und seither gruppieren sich die Kirchenbesucher in Form eines Hufeisens um sie herum. Die Empore, die weitere Plätze entstehen lässt, nimmt diese Hufeisenform ebenfalls auf. Insgesamt finden nun 140 Besucher im Gotteshaus Platz.

Vor zehn Jahren: Einweihung nach Umbau

Durch den Umbau erhielt die Kirche ein neues, verglastes Eingangsfoyer, das die drei Gebäudeteile des Gemeindezentrums miteinander verbindet. Wichtiger noch: Das gläserne Foyer signalisiert Offenheit und Transparenz und lädt den Vorübergehenden ein, einzutreten. Durch die Verkleinerung des Kirchenraums ist außerdem Platz für einen 94 Quadratmeter großen Gemeindesaal an der Stelle entstanden, wo vorher der Altarraum war. Kirche, Gemeindesaal, Gemeindehaus und das „Martin-Luther-Haus“ mit Büros und Sakristei bilden nun eine Einheit, zugänglich über einen vorgelagerten Platz. Er ist das Bindeglied zwischen dem öffentlichen Raum der Bahnhofstraße und dem Gemeindezentrum. Den Mittelpunkt dieser urbanen Fläche bildet ein „grünes Dach“ mit vier Platanen.

Die Evangelischen haben eine lange Geschichte in Schwandorf: Schon seit dem Jahr 1865 gibt es die Gemeinde in der protestantischen Diaspora. Und doch reichen die Wurzeln noch viel weiter zurück, nämlich bis ins 16. Jahrhundert. Am 22. Juni 1542 führte der damalige Landesfürst, Pfalzgraf Ottheinrich von Neuburg, per Edikt den evangelischen Glauben in seinem Herrschaftsbereich ein. Zumindest bis zum Jahr 1617: Mit dem Edikt von Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm wurde der katholische Glaube restituiert.

Erst 246 Jahre nach dem Edikt Wolfgang Wilhelms wurde wieder ein evangelischer Gottesdienst in Schwandorf gehalten. Dieser fand am 6. Januar 1863 im Haus des Apothekers Heinrich Schmid am Marktplatz Nr. 22 mit dem Amberger Pfarrvikar Christian Lotzbeck statt. 1870 erfolgte der Erwerb eines Grundstücks an der Bahnhofstraße, die Grundsteinlegung des evangelischen Bethauses am 16. April 1872. Acht Monate später, am 15. Dezember 1872, weihte Dekan Thomas von Sulzbach das evangelische Bethaus ein. August Schramm, von 1903 bis 1912 Reiseprediger, wurde ab 1912 erster Pfarrer in der Schwandorfer Gemeinde, die zu dieser Zeit 290 Gläubige umfasste.

Die historische Aufnahme zeigt die Vorgängerkirche, die 1872 errichtet wurde und am 17. April 1945 bei einem Luftangriff auf die Stadt komplett vernichtet wurde.

1945 zählte die Pfarrei schon 8620 Mitglieder. Die Nacht des 17. April 1945 war nicht nur für die gesamte Stadt Schwandorf, sondern auch für die evangelische Kirchengemeinde der schwärzeste Tag ihrer Geschichte. Als ein Großteil der Bevölkerung schon hoffte, vom schrecklichen Kriegstreiben verschont zu bleiben, suchte der Krieg die Schwandorfer mit all seiner Grausamkeit heim. Ein Bomberkommando aus Südengland, das sich aus 175 Flugzeugen der englischen und kanadischen Luftwaffe zusammensetzte, flog um 23 Uhr in Richtung der Stadt. Aus einer Höhe von 1500 bis 5400 m wurden in der Zeit von 3.52 bis 4.07 Uhr das Bahnhofsgelände und die angrenzenden Viertel der Stadt mit einer Bombenlast von 633 Tonnen getroffen. Auch die evangelische Kirche von 1872 fiel damals komplett den Bomben zum Opfer.

1949 wurde das zerstörte Gotteshaus als „Notkirche“ aufgebaut, ein Jahr später vom damaligen Landesbischof Hans Meiser geweiht. Erst 1963 erfolgte die Wiedereinweihung der Erlöserkirche mit einem neuen, markanten Glockenturm, entworfen von Gustav Gsaenger. Doch war das Gebäude schlecht isoliert und erwies sich im Verlauf von 61 Jahren als zu groß und zu unflexibel für unterschiedliche Veranstaltungen und Gruppenangebote.

Der Christustorso, der in der neuen Kirche an markanter Stelle hängt, vereint die Geschichte des Gebäudes in sich: Als Teil des Kreuzes ursprünglich im Bethaus des Jahres 1872 aufgehängt, wurde die Figur beim Fliegerangriff 1945 zerstört, aber über die Jahrzehnte aufbewahrt. Als Erinnerung an die Historie und als Symbol für das Sterben Jesu ist der Torso nun ein zentraler Bestandteil des Kircheninnenraums.

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