03.10.2021 - 16:35 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Zwickl"-Filmfestival: Unter dem Motto "Heimat und Reisen" auf Tour durch die Region

Den Pandemie-Plan B konnten die Zwickl-Dokumentarfilmtage in der Schublade lassen. Die Eröffnung der „Roadshow 2021“ flimmerte trotzdem nur als YouTube-Stream in die Wohnzimmer. Der erste "Zwickl" blieb also erst einmal in der Tasche.

Vom Pop-Up Wohnzimmer in der Schwandorfer Spitalkirche auf die heimischen Sofas : Die Eröffnung der 8. Zwickl Dokumentarfilmtage wurde per Live-Stream übertragen.
von Anke SchäferProfil

Benannt nach dem schönen, aber im Euro-Zeitalter nicht mehr so gebräuchlichen bayerischen Begriff für eine Zwei-Mark-Münze, gehört es eigentlich zum Brauch des Schwandorfer Festivals, pro Veranstaltung zwei Euro Eintritt zu berappen. Als Stream aus dem stilisierten Spitalkirchen-Wohnzimmer blieb die Eröffnung kostenlos. Den unbedingt sehenswerten Eröffnungsfilm "Wem gehört mein Dorf?" von Christoph Eder gab es als Bonus obendrauf.

Dass eine schwierige Zeit hinter der Kulturszene und vor allem der Kinobranche liegt, war zum Auftakt am Freitag immer noch greifbar. Die Freude und das fast ungläubige Staunen über die von der Pandemie fast unbeeinträchtigte achte Auflage konnte die Gesprächsrunde um Festival-Leiterin Anne Schleicher nicht immer verbergen.

Ja, es sei schon ein sehr langer Weg gewesen "bis wir alle heute hier sitzen", bestätigte Nicole Zwicknagel vom Schwandorfer Amt für Kultur und Tourismus im Austausch mit Moderator Simon Hauck. Bereits im Sommer 2020 lag die Programmplanung in der Schublade. Kalt erwischt vom Corona-Winter versuchten sich die Verantwortlichen in der Kunst, sich auszumalen, was überhaupt möglich sein könnte.

Plan B bleibt in der Schublade

Der erste Ausweich-Termin im März 2021 war es noch nicht. Die Strategie, statt Verschiebung in Wochen-Häppchen das Festival ein halbes Jahr später anzusetzen, erwies sich als goldrichtig. Der sicherheitshalber immer mitgelaufene Plan B ist obsolet - zum Glück für Veranstalter, Kinobetreiber und Filmfans.

Es geht jetzt also tatsächlich los, live, in Farbe und auch an kleineren Spielorten wie Bad Kötzting, was nicht nur Leonie Knaus vom Oberpfälzer Kulturbund freut. International wird es zudem mit der Station Pilsen, die allerdings erst im Frühjahr 2022 an der Reihe ist. Eine originalsprachige Kostprobe aus dem Beitrag "Chlupy" gab es schon. Begegnung und Austausch wird groß geschrieben beim "Zwickl" und das geht am einfachsten über die Kultur, befand David Bender vom Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee, das sich als Drehscheibe für grenzüberschreitende Kooperationen einen Namen gemacht hat.

Und wie es bei der Eröffnung eines Filmfestivals sein sollte, würzten zahlreiche Einspieler den Live-Stream, insbesondere die Vorstellung der sieben Spielorte im weiteren und engeren Sinn machte neugierig und weckte die Lust, dem heimischen Sofa den Rücken zu kehren und die sieben Stationen mit ihrer erlebenswerten Kinokultur zu entdecken. Natürlich nur nach Online-Reservierung auf der Zwickl-Homepage, aber so sind die Zeiten eben immer noch.

Die Erlebnisse und Erfahrungen der letzten Monate finden auch im Motto des 8. Zwickls Niederschlag: "Heimat und Reisen". Allerdings nicht in ausgelutschter Interpretation, sondern aus facettenreicher, tiefgründiger Perspektive. So wie der Eröffnungsfilm "Wem gehört mein Dorf?" von Christoph Eder.

Dessen Heimatbegriff lotete Moderator Hauck vorab beim Online-Interview aus. Ersteres sei schwierig zu definieren, so der Filmemacher: "Über die Düne gehen zum Strand, das Meeresrauschen. Ich habe das aber auch woanders am Meer". Die Doku über den Kampf seines Heimatdorfes Göhren auf Rügen gegen Landfraß und Immobilienboom solle sensibilisieren und als Diskussionsgrundlage dienen.

Nur Beobachter

Das tut sie in der Tat. Vor allem auch, weil Eder nie offen Partei ergreift, sondern nur beobachtet wie die Göhrener Bürgerinnen und Bürger um den Erhalt ihres größten Kapitals, der Natur und Landschaft ringen.

Und auch wenn an dieser Stelle selbstredend nicht verraten wird, ob die David-gleiche Bürgerinitiative am Ende dem Goliath zusetzen kann: Man wird nachdenklich, was das eigene Reise- und Urlaubsverhalten und vor allem die damit verbundenen Ansprüche betrifft. Und das ist ja nicht das Schlechteste, wo es doch gerade wieder so richtig losgeht.

Neues Programm in Weiden

Weiden in der Oberpfalz
Moderator Simon Hauck (links) im Vorab-Gespräch mit Filmemacher Christoph Eder, dessen Dokumentation "Wem gehört mein Dorf?" das 8. Zwickl-Filmfestival eröffnete.
Hintergrund:

Die Zwickl Roadshow 2021

  • die "Zwickl Roadshow 2021" macht bis November noch Station in Bad Kötzting, Nittenau, Regensburg, Amberg, Schwandorf und 2022 in Pilsen. Erster Halt nach der Eröffnung am Freitag Abend war Schönsee
  • insgesamt 43 Dokumentarfilme, darunter "I am Greta", die Geschichte der Klimaaktivistin Greta Thunberg, "Wer hat Angst vor Sibylle Berg", eine Doku über Bestsellerautorin Sybille Berg, oder "Where´s the beer and when do we get Paid?", ein Film über den in Bayern lebenden, legendären Frank Zappa Schlagzeuger Jimmy Carl Black
  • Themenblöcke sind "Heimat und Reisen", die kleine Werkschau "Böller und Brot" und das "Tschechische Filmfenster" sowie "Ausreißer"
  • am 30.Oktober, 11 Uhr, Schwandorf Kinderprogramm "Staunen - Kinderfilme von Harun Farocki"
  • am 31.Oktober, 20 Uhr, Schwandorf Verleihung des mit 1000 Euro dotierten "Bayerischen Dokumentarfilmpreis ZETT"
  • Tickets und Programm online unter www.2wickl.de

https:www.2wickl.de

 

 

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