24.09.2021 - 14:11 Uhr
Schwarzenbach bei BärnauOberpfalz

Etwas Rennrad, etwas Mountainbike: Ein Oberpfälzer baut Crossräder nach Kundenwunsch

Intensive Beratung, Rahmenfarbe und Wunschanbauteile aussuchen: Wer ein individuelles Gravel- oder Cycolocrossfahrrad sucht, landet bei Georg Preisinger. Mit seiner Radfirma Gunsha war er einer der Vorreiter in Deutschland.

Der Chef legt selbst mit Hand an. Georg Preisinger fertigt in seiner Radfirma Gunhsa in Schwarzenbach bei Bärnau Cycloscrossräder für den Rennsport und Gravlebikes für den alltäglichen Einsatz.
von Armin Eger Kontakt Profil

Es ist zwar Freitagmittag, aber für Georg Preisinger ist die Woche noch nicht vorbei. Kunden rufen an, wollen beraten werden, fragen nach Lieferzeiten. In seinem Lager warten Dutzende Räder darauf, zusammengeschraubt zu werden. "60 Stunden sind normal, oft werden es auch 80 in der Woche", sagt der 57-Jährige. Vor vier Jahren hat er in Schwarzenbach bei Bärnau das alte Schulhaus gekauft. Platz genug für seine Radfirma Gunsha-Bikes. Zusammen mit drei Mitarbeitern fertigt er dort Gravel- und Cyclocrossräder.

Preisinger ist Radler mit Leib und Seele. Etwa 600 Rennen in der Straßen-MTB und im Cycolcross hat er hinter sich, baute das Ghost-MTB-Team mit auf, arbeitete als Coach mit B-Trainer-Schein und leitet seit Jahren das Gunsha-Gravelteam, das schon zahlreiche Titel national und international eingefahren hat.

Der Oberpfälzer war seit Ende der 90er Jahre weltweit Tausende Kilometer auf seinen Graveltouren unterwegs. Argentinien, Australien, Südostasien oder Äthiopien waren unter anderem seine Ziele. Der Gunsha-Pass in Indien hatte sich bei ihm so eingeprägt, dass er so seine Radfirma nannte. "Alternative wäre Preisinger gewesen", sagt er lachend. "Fand ich aber nicht so toll."

Ein Fahrrad für alles

Bei seinen Reisen merkte er, dass weder Mountainbike noch Rennrad dafür ideal sind. "Ich wollte eine Fahrrad bauen, das Offroad-tauglich ist, ein Rad für alles", erzählt er. 2003 bis 2007 arbeitete er in einem Fahrradgeschäft, 2007 machte er sich mit Gunsha-Bikes selbstständig, mit jeder Menge Ideen im Kopf. Neben Cube und Ghost hatte die nördliche Oberpfalz damit eine weitere Radmarke.

Preisinger tüftelte, wollte ein sportliches Rad für lange Strecken, geeignet für Offroad mit Rennradcharakter. "Ich war den ganzen Winter gesessen, hatte zwar schon viel gewusst, musste mich aber noch in vielen Bereichen einlesen", sagt er. 2008 kam sein erstes Rad für den Schottereinsatz auf den Markt. "Es war ein schwieriges Geschäft, ich musste die Leute überzeugen", erinnert sich der 57-Jährige. "Ich musste erklären, warum man nicht zwei oder drei Räder mitnehmen muss, wenn man die Tour auch mit einem bewältigen kann."

Pionier der Gravelbike-Szene

Von Gravelbikes sprach damals noch niemand. "Ich hatte zu der Zeit schon Ideen, die jetzt erst umgesetzt werden", sagt Preisinger. Aber ihm hätte das Geld gefehlt, um die Produktion aufzunehmen. Dennoch kann man den Oberpfälzer als einen der Vorreiter und Pionier der Szene bezeichnen. Canyon, einer der großen Fahrradhersteller aus Koblenz hat bei Preisinger die ersten Gabeln für die Gravelbikes gekauft. "Die hatten bis 2014 gar keine Gravelbikes im Programm." Auch Shimano sei erst seit zwei Jahren auf diesen Zug aufgesprungen. Inzwischen sind Gravelbikes neben Rennrädern und Mountainbikes für viele ein Muss. "Die Leute fahren total drauf ab", sagt Preisinger.

Seine Kunden kommen aus ganz Deutschland, auch aus Großstädten im Norden aber auch aus Österreich, der Schweiz. 300 bis 400 alltagstaugliche Gravelbikes und für den Rennsport vorgesehene Cyclocrossräder pro Jahr baut er. "Ich bin von der Nachfrage überrannt worden", gesteht der 57-Jährige. "Ich könnte viel mehr verkaufen, aber da müsste ich expandieren, neue Leute einstellen."

Räder müssen ästhetisch sein

Aber das will er nicht. Der Umsatz reiche aus. Zudem sei ihm die Nähe zu den Kunden und die individuelle Beratung wichtiger. "Bei mir bekommt jeder sein Rad, das er will. Die Räder müssen ästhetisch sein, darauf lege ich Wert." Körpergröße, Sitzposition, Lenker, Übersetzung, Laufräder, Sattelstütze, alles wird speziell auf den Käufer zugeschnitten. Bei den Rahmen aus Alu, Carbon oder Titan, die für Gunsha in Taiwan gefertigt werden, kann man sich die Farbe aussuchen. "Vieles läuft am Telefon, aber es kommen auch Leute direkt vorbei." Bis zu eineinhalb Stunden nimmt sich Preisinger für die Beratung Zeit.

Auch bei ihm sind die Lieferzeiten seit der Pandemie länger geworden. "Früher waren es sechs Wochen, jetzt zwei bis drei Monate", sagt Preisinger. Sein Lager ist zwar immer noch gut gefüllt mit Rahmen und Anbauteilen, aber trotzdem gibt es bei manchen Teilen Lieferengpässe. "Sonst habe ich zwei bis drei Mal im Jahr bestellt, jetzt muss ich das auf einmal zusammenfassen. Lieferzeiten von über einem Vierteljahr sind nichts besonderes." Er arbeite seit Jahren zum Beispiel bei den Rahmen immer mit den gleichen Herstellern in Taiwan zusammen. "Die Treue zahlt sich aus. Die liefern dann auch, wenn man nicht Tausende davon abnimmt, so wie die ganz Großen der Branche."

Tests in Fachmagazinen

Dass aus dem kleinen Ort an der Grenze zu Tschechien gute Räder kommen, belegen immer wieder Tests in den verschiedenen Bikemagazinen. Da taucht ein Gunsha-Cyclocrosser zum Beispiel als Race-Tipp oder als Preis-Leistungssieger auf.

Preisinger verkauft auch Laufräder, die in der Szene gefragt sind. Elektromotoren, inzwischen auch an Gravelbikes erhältlich, sind für Preisinger kein Thema. "Ich kann nur was machen, wo ich auch dahinter stehe." E-Bikes seien das nicht.

Preisinger ist ständig voller neuer Ideen. "Hier könnte ich mir ein kleines Fahrradmuseum mit Gaststätte vorstellen", erzählt er beim Rundgang durch das 1964 erbaute Gebäude in Schwarzenbach. Im hinteren Teil hätte er Platz für Ferienwohnungen und auf dem Grundstück schwebt ihm ein Gravelpark vor. "Unsere Gegend ist ideal für Mountainbiker, Rennradfahrer aber vor allem für Gravelbiker. Wir hätten das Zeug, Deutschlands Gravelbike-Region Nummer eins zu werden. Man müsste das nur richtig bewerben und vermarkten."

Räderhochburg Landkreis Tirschenreuth

Waldsassen

"Wir hätten das Zeug, Deutschlands Gravelbike-Region Nummer eins zu werden. Man müsste das nur richtig bewerben und vermarkten.“

Georg Preisinger, Chef von Gunsha-Bikes

Georg Preisinger, Chef von Gunsha-Bikes

Hintergrund:

Der Unterschied zwischen Cyclocrossrädern und Gravelbikes

  • Cyclocrossräder ...
    ... sind einfach gesagt stabilere Rennräder mit klassischem gebogenen Rennlenker und ohne Federung. Die Reifen haben unterschiedliche Profilierung und Breite, sind aber durchgängig stärker profiliert und breiter als herkömmliche Rennradreifen. Cyclocross ist eine Disziplin des Radsports. Die Sportart wird fast ausschließlich im Herbst und Winter auf meist unbefestigten Wegen ausgetragen und hieß und heißen auch noch Querfeldeinrennen. Die ersten Querfeldein-Weltmeisterschaften fanden 1950 in Paris statt. Einige deutsche Straßenradrennfahrer wie Klaus-Peter Thaler oder Rolf Wolfshohl holten Weltmeistertitel.
  • Gravelbikes ...
    ... deutsch etwa „Schotter-Rad“, sind geländegängige Fahrräder, die auch Querfeldeinrad beziehungsweise Crossroad genannt werden. Ein Vorreiter war Georg Preisinger mit seiner Fahrradfirma Gunsha, er verkaufte bereits 2008 das von ihm entwickelte ATR 3.0. Ab etwa 2015 brachten verschiedene Hersteller Räder unter der Bezeichnung „Gravel-Bike“ heraus. Zunächst im US-Markt eingeführt, findet dieser Name auch in Europa zunehmend Verbreitung. Inzwischen hat jeder Fahrradhersteller Gravelbikes im Angebot, die Nachfrage nach den Allroundrädern steigt.

 

 

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