14.07.2020 - 15:38 Uhr
Schwarzenbach bei PressathOberpfalz

Dorfläden sind der zentrale Treffpunkt

Mit der Nahversorgung sieht es am Land meist schlecht aus. In Vorbach und Schwarzenbach haben darum vor Jahren Dorfläden eröffnet. Diese stellen die örtliche Versorgung sicher. Doch ihre Bedeutung geht weit darüber hinaus.

von Stefan NeidlProfil

Viele Dörfer leiden unter fehlenden Einkaufsmöglichkeiten. Einzelhändler geben auf oder wandern in größere Städte aus. Gerade für die ältere Bevölkerung, die meist nicht mehr so mobil ist, kann dies problematisch werden. In den Gemeinden Vorbach und Schwarzenbach haben deshalb vor einigen Jahren Dorfläden eröffnet. Diese stellen die örtliche Lebensmittelversorgung sicher, bieten Geselligkeit und sind ein zentraler Mittelpunkt des Dorflebens.

Für Schwarzenbachs Bürgermeister Torsten Hallmann war die Eröffnung des Bürgerladens im Juni 2018 eine perfekte Möglichkeit, um den Leerstand durch die Aufgabe der Raiffeisenfiliale zu kompensieren. Gestemmt hat die Gemeinde das Projekt mit Fördergelder über Leader und durch die Errichtung einer Unternehmensgesellschaft. „Über 100 Bürger haben Anteile für 200 Euro oder mehr erworben. Hauptgesellschafter bleibt aber Schwarzenbach“, erklärt Hallmann.

Dabei ging es der Dorfgemeinschaft um den ideellen Zweck und nicht um das Einstreichen oder Ausschütten von Gewinnen: „Das Ziel ist nach dem Schaffen einiger Rücklagen eine schwarze Null.“ Dies sei augenblicklich erreicht – Der Dorfladen trägt sich selbst. Dennoch werde in einer Hauptversammlung über Gewinne und weitere Entscheidungen abgestimmt.

Am wichtigsten ist für Hallmann aber die Versorgung und die Schaffung eines sozialen Treffpunkts für Jung und Alt: „Ich möchte unseren Dorfladen schon fast als systemrelevant bezeichnen.“ Es war ein Puzzlestück zur Wiederbelebung des sanierten Dorfkerns. Die soziale Komponente ist auch Betreiber Walter Schäffler wichtig. Regelmäßig veranstalten sie Events um das Dorf zusammenzubringen. Jeden Montag gibt es einen Nachmittagstratsch auf den 15 Sitzplätzen im eigenen Dorfcafé mit Kaffee und selbstgemachten Kuchen. Das Einjährige wurde groß gefeiert, am Rosenmontag gab es Krapfen und zum Oktoberfest gab es Brezen auf der Straße.

Ein Erfolgsprojekt - der Dorfladen in Schwarzenbach

Dafür beschäftigt er sechs Angestellte auf 450-Euro-Basis und in Teilzeit. Hinzu kommen 20 bis 25 ehrenamtliche Helfer ohne die der Laden nicht laufen würde – ein Dorfprojekt eben. 700 bis 800 Kunden besuchen den Laden jede Woche und können unter 1000 verschiedenen Produkten auf 120 Quadratmetern auswählen. Für Feste bietet Schäffler einen Rundum-Service an, der von Privaten wie Vereinen gerne genutzt wird. Schäffler räumt ein, während der Corona-Zeit Umsatzeinbussen gehabt zu haben. Die Veranstaltungen und das Mittagessen fielen weg, das Dorfcafé war geschlossen. Andere Einkäufe gingen aber dafür besser. Auch hatte er mehr Kunden aus dem Dorf. Er vermutet, dass vielen in den größeren Läden zu viele Menschen waren und das Ansteckungsrisiko zu gefährlich war. Er will noch abwarten, wann er sein Angebot wieder normalisieren wird.

Den Laden in Vorbach gibt es seit Oktober 2017, seit November 2018 ist Evi Sloot dort Marktleiterin. Genau wie in Schwarzenbach wird auf den Verkauf regionaler Produkte geachtet. Von Mehl über Kartoffeln, Getränken, Schnaps und bald auch lokale Imkereiprodukte ist alles aus der näheren Umgebung. Besonderer Andrang herrscht um die Mittagszeit: Ohne Voranmeldung gehen täglich 20 selbstgemachte Menüs weg, dazu jede Menge Brotzeiten wie Leberkässemmeln. Trotz der eigenen Novem-Kantine kämen viele Arbeiter um die Mittagszeit in den Dorfladen. Dafür beschäftigt Sloot eine Mitarbeiterin in Vollzeit und sechs weitere in Teilzeit oder auf 450-Euro-Basis, angestellt bei der Gemeinde Vorbach.

Jeden Dienstag gibt es im Laden im dazugehörigen Café für die Männer einen Stammtisch, die Frauen treffen sich mittwochs zum Frauenklatsch. Die Lage des kleinen Ladens ist laut Sloot optimal: Gleich nebenan ist die Feuerwehr, ein Kinderspielplatz ist in Sichtweite. Sie empfindet den Laden durchaus als erfolgreich: Knappe 1000 Kunden besuchen jeden Woche den kleinen Markt. Die Produktpalette umfasst 1500 Artikel auf 150 Quadratmetern. Am Höhepunkt der Corona-Krise hatte Sloot das Mittagsmenü allerdings ganz ausgesetzt und bot nur warme Brotzeiten an. Mittlerweile gibt es das Menü wieder für den Außenbetrieb. Innen bietet sie noch keine Sitzplätze an. Der Umsatz blieb stabil, aber sie stellte fest, dass das Kaufverhalten der Kunden sich änderte. Vor Corona kamen viele zwei Mal am Tag in den Laden. Während der Krise eher nur einmal und kauften dafür mehr. Gerade Hefe und Klopapier waren sehr begehrt.

Anders als in Schwarzenbach ist der Vorbacher Laden in Gemeindebesitz. Bürgermeister Alexander Goller ist stolz auf ihn und das Team, das ihn betreibt. Die Gemeinde unterstützt den Laden, denn er sei eine gute Institution, denn er fördere den Zusammenhalt im Dorf. „Der Laden ist die zentrale Anlaufstelle für einen Plausch und dem Austauschen von Klatsch und Tratsch“, erzählen Goller und Sloot. Auch hier gibt es regelmäßige Veranstaltungen: Über Weiberfasching bis hin zum Geburtstag des Dorfladens gibt es regelmäßige Feiern.

Aufgrund von Corona haben beide Läden ihr Gastronomie-Angebot reduziert und den Zugang beschränkt. So langsam soll es aber wieder aufwärts gehen und Essen, Feiern und Öffnungszeiten sollen sich irgendwann wieder normalisieren.

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