16.07.2021 - 10:49 Uhr
Schwarzenbach bei PressathOberpfalz

„Graue“ Haushalte in Schwarzenbach bald superschnell

Auch eine vitale Gemeinde wie Schwarzenbach hat graue Flecken – zumindest auf der Internet-Erschließungskarte. Das soll sich nun zügig ändern.

Datenmengen bis zu einem Gigabit pro Sekunde sollen durch die Glasfaserleitungen strömen, an die 375 Schwarzenbacher Haushalte angeschlossen werden sollen: Diese Perspektive eröffnete Ingenieur Reiner Grasberger in der Gemeinderatssitzung.
von Bernhard PiegsaProfil

375 Privatanschlüsse zählen in Schwarzenbach zur sogenannten „grauen“ Kategorie: Ihnen können lediglich Festnetz-Datenkapazitäten zwischen 30 und 100 Megabit pro Sekunde angeboten werden. Das bayerische „Gigabitprogramm“ soll für sie nun den Datenturbo zünden: Elf neu zu verlegende Kilometer Glasfaserkabel sollen Übertragungsleistungen bis zu 1000 Megabit (1 Gigabit) ermöglichen.

„Diese Datenraten werden in den nächsten Monaten zunächst den Haushalten in den Weilern zur Verfügung stehen, die in das ‚Höfeprogramm‘ einbezogen worden sind und deren Anschlussmodernisierung bald abgeschlossen sein wird“, informierte Ingenieur Reiner Grasberger vom Planungsbüro IK-T in der Julisitzung des Gemeinderats. Die Kosten für den als Nächstes bevorstehenden Anschluss der 375 „grauen“ Haushalte an die „superschnelle Strippe“ schätzte er auf 2.437.500 Euro, was 6.500 Euro je Haushalt entspricht. Hiervon würden voraussichtlich 2.212.203 Euro aus dem „Gigabitprogramm“-Zuschuss gedeckt: „Diese Summe schließt einen Härtefallzuschlag von 18.453 Euro ein.“ Die Gemeinde müsse somit nur noch 225.297 Euro aus eigenen Mitteln tragen.

"Ja" zum Finanzierungskonzept

Diesem Finanzierungskonzept stimmte der Gemeinderat einhellig zu und befürwortete für den Netzbetrieb zudem das „Betreibermodell“, bei dem die Gemeinde das Netz in eigener Regie bauen lässt und mindestens sieben Jahre lang selbst betreibt. Der Vorteil liegt laut Reiner Grasberger darin, dass die Gemeinde Ausbauzeit, Kosten und Bauweise in der Hand behält und den Netzausbau mit anderen Tiefbaumaßnahmen abstimmen kann. Nach sieben Jahren könne das Netz an einen anderen Betreiber verkauft werden, der Verkaufserlös werde nicht auf die Förderung angerechnet. Die Kommune stehe nun vor der Aufgabe, genaue Kostenschätzungen, einen Zeitplan und die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Ausschreibung der Planungs- und Bauarbeiten zu entwickeln, kündigte Bürgermeister Thorsten Hallmann an. Dieser „Masterplan“ werde zügig erstellt und umgehend dem Gemeinderat präsentiert.

Umbau Bahnhofskreuzung

Vor einem guten Ende sehen Architekt Klaus Stiefler und Ingenieur Hannes Oberndorfer auch die Planungen für den Umbau der „Bahnhofskreuzung“. Auf 1,299 Millionen Euro schätzte Oberndorfer dessen Kosten, die zwischen Landkreis und Gemeinde aufgeteilt werden. Der Anteil der Gemeinde betrage etwa 680.000 Euro, von denen sie dank einer 60-prozentigen Förderung aber nur 272.000 Euro selbst aufbringen müsste. Für die beiden Planungsfachleute ist dieses Geld im Sinne der Ortsentwicklung gut angelegt: Schwarzenbach, so Oberndorfer, sei schon „durch das Bürgerhaus ein anderer Ort geworden“ und habe nun die Chance, sich dank des ansprechend gestalteten Straßenknotenpunktes von dem „Charakter einer lästigen Ortsdurchfahrt auf dem Weg nach Weiden“ zu befreien.

Den von Klaus Stiefler vorgestellten Detailplan der künftigen Kreuzungsgestaltung wertete Oberndorfer als „zukunftsweisend“ und als „bestmöglichen Kompromiss“, der die Autofahrer zu vorsichtigem Fahren anhalte, aber dennoch einen zügigen Durchgangsverkehr gestatte, und der insbesondere auch der Sicherheit der Fußgänger beim Überqueren der Kreisstraße diene. Im Übrigen habe sich das von vielen beklagte Anschwellen des Verkehrs vom und zum Industriegebiet Döllnitz förderlich für das Kreuzungsprojekt ausgewirkt: „Es hat dazu beigetragen, dass die beteiligten Behörden dafür bereitwilliger grünes Licht gegeben haben.“

Auch in Schwandorf geht der Internetausbau weiter voran

Schwandorf
Hintergrund:

Ortsplanerische Ziele

  • Je eine Verkehrsinsel beiderseits des Schnittpunkts der Straßenzüge Pressather Straße (Kreisstraße) und Hauptstraße/Bahnhofstraße bewirke eine Verlangsamung des Kraftfahrzeugverkehrs auf der Kreisstraße und erleichtere Fußgängern deren Überquerung, erläuterte Ingenieur Klaus Stiefler eines der Herzstücke des künftigen Bahnhofskreuzungszuschnitts.
  • Beide Bushaltebuchten würden auf die Pressather Kreuzungsseite, nahe beim Bahnhof, verlegt.
  • Die Neugestaltung dient elementaren ortsplanerischen Zielen: So mildert sie die Zweiteilung Schwarzenbachs und verbindet die Ortsteile beiderseits der Kreisstraße, entschärft einen verkehrstechnischen Konfliktbereich und schafft so einen ortsstrukturellen „städtebaulichen Gelenkpunkt“ beim Bahnhof.
  • Weil noch immer Rechtsfragen des Bestandsschutzes für die Signalanlagen am Bahnübergang zu klären sind, verschiebt sich die Bauausführung nach Bürgermeister Hallmanns Worten voraussichtlich auf frühestens 2023.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.