Der erste Tag auf Sizilien, er hätte besser starten können. Die Dreiergruppe um Michael Thumfart aus Schwarzenbach ist kurz nach Mitternacht Mitte Juni auf der italienischen Insel angekommen. Die Fähre hat sie samt ihrer Vespen (offizielle Mehrzahl der Vespa) deutlich zu früh an Land gespuckt. Eine Unterkunft hatten die drei Männer nicht, und in tiefschwarzer süditalienischer Nacht eine Rollertour starten, war auch keine gute Idee.
So begann die große Vespa-Tour von Sizilien nach Rom für Thumfart (59), Dieter Baller (69) und Siegfried Walberer (59) ungemütlich, mit einem Schlafplatz auf Parkbänken. "Wir haben eher schlecht geschlafen, Frühstück gab es um halb fünf an einem Kiosk. Und mit dem Sonnenaufgang sind wir losgefahren", berichtet Thumfart, der Spengler aus Schwarzenbach.
Er ist Chef des Schwarzenbacher Vespa-Clubs "Rio Nero" – italienisch für "Schwarzer Bach oder Fluss" und natürlich eine Anspielung auf den Heimatort. Der Vespa-Verein ist der einzige im Landkreis Neustadt/WN oder in Weiden und hat 110 Mitglieder aus der weiteren Umgebung. Die Tour in Süditalien hatten die Drei eigentlich schon für das vorige Jahr geplant. Weil aber 2026 die Vespa 80. Geburtstag feiert, und in Rom das Riesenfest der "Vespa World Days" stattfinden sollte, verschob die Gruppe die Fahrt auf dieses Jahr.
"Der Fahrtwind kühlt"
Zunächst aber: das karge Sizilien. Bei um die 40 Grad. Drei Tage lang. Es waren jene Tage, in denen auch Deutschland täglich Hitzerekorde knackte. "Wir sind ja keine Italiener", erzählt Thumfart. "Wir hatten eine lange Motorradhose und -jacke an. Und keine Sandalen." Wie hält man solche Temperaturen mit dieser Kleidung auf dem Motorrad aus? "Du musst schnell fahren, im Schatten, viel trinken. Der Fahrtwind kühlt."
Gleichzeitig kämpfte die Gruppe mit den schlechten Straßen auf der Insel. "Es gab Schlaglöcher, ungesicherte Stellen, oder die Straße hörte auf." Eine Brücke etwa war einfach abgebrochen. Das Trio durchquerte also mit den Rollern die Furt eines Bachlaufs. Weiter erkundete die Gruppe Burgen, Berge und natürlich den Vulkan Ätna. "Das Lavagestein ist beeindruckend", erinnert sich Michael Thumfart. "Wir haben zwar auch den Parkstein oder den Rauhen Kulm. Aber der Ätna, der spuckt immer noch."
Das Tempo hielt die Gruppe niedrig, auch um beisammen zu bleiben. "Wir fahren normalerweise höchstens 80 Stundenkilometer." Etwas Zeitdruck war aber trotzdem. Schließlich galt es jeden Tag, die Unterkunft für die Nacht zu erreichen. Meistens waren es Privatzimmer mit drei Betten und Frühstück.
Vespa-Liebe wiederentdeckt
Der Schwarzenbacher Spengler Michael Thumfart entdeckte seine Liebe zur Vespa erst spät. Zwar bekam er mit 16 Jahren sein erstes Modell, dann aber fuhr er eher Auto und Motorrad. Vor zehn Jahren sei er zufällig bei einem Vespa-Treffen in Weiden gewesen. Die alte Begeisterung aus der Jugend war wieder entflammt. Mit zehn Schwarzenbachern gründete er "Rio Nero" – und ist seitdem Sammler und auf Touren. Drei Vespen hat er zuhause. Für Kenner: zwei Oldtimer (PX 80 und 200) und ein neues Modell (GTS 300). Seine allererste Vespa fährt heute sein Neffe.
Thumfart mag an den Rollern aus Italien das "gemütliche" Fahrgefühl. "Man sieht so viel mehr von der Landschaft. Ich entdecke auf der Vespa oft Sachen, die ich vorher nie gesehen habe." Zudem tragen ihn seine Roller durch Europa, etwa durch die Schweizer und französischen Alpen, an die Côte d'Azur und durch Slowenien. Nun war Süditalien an der Reihe. Die Gruppe kenne sich "schon ewig". Thumfart und Walberer sind Schulfreunde. Dieter Baller habe die Tour geplant und organisiert.
Nach drei Tagen auf Sizilien setzte das Trio wieder mit einer Fähre nach Kalabrien über. Dort fuhren die Drei an der Küste entlang nach Norden. Die Hitze hielt an. Und die Touristenbusse nahmen zu. "Wir haben uns dann auf den Rollern durchgeschlängelt." Nach einer Woche in Italien erreichte Thumfart sein persönliches Ziel: die Amalfiküste. "Ich habe davon schon so viele Videos gesehen. Diese bunten Häuser, in die Felsen gebaut. Traumhaft."
Massenstart an der Ampel
Durch Neapel und über den Vesuv preschte die Gruppe nach Norden voran. Wenn es schnell gehen musste, wechselten die Drei auf die Autobahn. Die Großstadt Neapel sei nervenaufreibend gewesen. "In Italien fahren die Roller und Motorräder einfach an den Autos vorbei bis zur roten Ampel. Dort gibt es dann einen Massenstart. Aber: Die Autofahrer nehmen Rücksicht. In Deutschland gäb's das nicht."
Nun nahmen zum Glück die Regenschauer zu. Die Temperaturen kühlten etwas ab. Ende Juni erreichten die Drei Rom. Mit einem Sightseeing-Bus entdeckten sie die Klassiker. Das Kolosseum, die Spanische Treppe, den Trevi-Brunnen. Am Folgetag fand der Haupttag der "Vespa World Days" statt. Früh morgens starteten 15.000 Vespa-Freunde vom Festgelände am Olympiastadion aus ihre Ausfahrt durch die Ewige Stadt. "Du siehst 200 Vespen vor dir, 200 hinter dir, ständig kommen dir welche entgegen. Das war ein irres Erlebnis."
1800 Kilometer
Am Abend fuhr das Trio aus Schwarzenbach noch einmal in die Innenstadt mit den Rollern und bewunderte das nun beleuchtete Kolosseum. "Das war der Hammer", schwärmt Thumfart. Am Abreisetag ging es zum geparkten Transporter am Flughafen, mit dem die Oberpfälzer samt ihrer Vespen zurück nach Deutschland fuhren. Mit Sprit und Maut bezahlte Thumfart rund 1000 Euro für den Trip. "Im Grunde war das spottbillig. Auch die Unterkünfte waren günstig." Auf den Rollern war die Gruppe rund 1800 Kilometer unterwegs, zwischen 200 und 300 Kilometer pro Tag.
Der nächste Höhepunkt für den Fanclub-Chef steht am Wochenende des 18. und 19. Juli an. Dann feiert "Rio Nero" 10. Geburtstag auf dem Schwarzenbacher Dorfplatz. Bei freiem Eintritt spielen dort am Samstagabend "Soul Station No. 10". Der Sonntag steht nach einem Mittagessen im Zeichen des Vespa-Treffens samt Fahrzeugsegnung.
























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