27.05.2021 - 18:10 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Graffiti im Schwarzenfelder Pavillon: Endlich schön

Zehn junge Künstler und ein Graffiti-Profi: Mit diesem Team soll der Fahrradpavillon in Schwarzenfeld endlich ansehnlich werden. Der Bürgermeister hofft, dass geschmacklose Schmierereien ab sofort ausbleiben.

Sechs Stunden lang waren Markus Raab und zehn junge Künstler bei der Arbeit. Das Ergebnis ist ein Pavillon in neuem Gewand.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Der Schwarzenfelder Fahrradpavillon hat ein Problem. Was eigentlich Wanderer und Radler zur Ruhe bringen soll, sah in der Vergangenheit nicht besonders einladend aus. Kahle, einfarbige Wände, dazu geschmacklose Schmierereien an gleich mehreren Stellen - einen Schönheitspreis gewinnt hier niemand. "Der Pavillon fristet ein Dornröschendasein", sagt Bürgermeister Peter Neumeier. Doch das soll sich ändern.

Es ist Donnerstagvormittag. Markus Raab, seit über zwei Jahrzehnten in der Sprayerszene, tigert hin und her, gestikuliert, ruft über das Klackern der Spraydosen hinweg. Der Pavillon ist heute eine Leinwand, doch es ist nicht seine. Der 44-Jährige, im Hauptberuf freischaffender Künstler, soll eine Gruppe von zehn Jugendlichen anleiten, die durch das Ferienprogramm des Kreisjugendrings zu seinem Graffiti-Workshop gekommen sind. Sechs Stunden Arbeit liegen vor der Gruppe, das Ergebnis soll für jeden sichtbar hier in Schwarzenfeld stehen. Eine gute Sache, findet Raab: "Meistens bekommst du so eine Wand einfach nicht zur Verfügung gestellt. Mal sehen, wie das wird. Sowas ist immer eine Wundertüte." Wer ihn buche, bekomme normalerweise ein blitzsauberes Ergebnis, aber das sei heute nicht drin. "Am Ende soll es schön aussehen."

Stolz auf das Ergebnis

Als sich Markus Raab vor 20 Jahren erstmals in Schwandorfer als Sprayer versuchte, waren Sandra-Sophie Weigert, Mona Aumeier (beide 13) und Lea-Sofie Scharf (14) noch nicht geboren. An diesem Donnerstag sitzen sie unter seiner Anleitung vor einer der Außenwände. Der Profi hat einige Minuten zuvor hier das Wort Radpavillon hinterlassen, die Mädchen sollen es jetzt mit Farbe füllen. Erfahrung mit Spraydosen hat nur Lea-Sofie Scharf, die in Schwandorf bereits einen Graffiti-Workshop besucht hat. "Ich zeichne privat viel und hatte damals schon Spaß an dem Kurs. Deshalb wollte ich auch hier mitmachen." Auch Mona Aumeier zeichnet in ihrer Freizeit, Graffiti fotografiert sie dabei zur Inspiration. "Es ist einfach schön anzuschauen. Ich freue mich darauf, wenn das hier fertig ist." Die Schwarzenfelderin Anna-Sophie Weigert stimmt zu: "Ich gehe hier öfter mit dem Hund. Besonders hübsch war es ja bisher nicht. Wenn wir das schön hinkriegen, kann man darauf stolz sein." Für Weigert ist es die erste Erfahrung mit Graffiti. "Ich habe das Angebot im Ferienprogramm gesehen und fand es direkt interessant."

Eine Frage des Respekts

Schwarzenfelds Bürgermeister Peter Neumeier hofft, dass der nach sechs Stunden fertiggestellte Wandschmuck sich als weniger einladend für Vandalismus erweist als die Alternative - eine weiße Wand. Für Sprayer-Profi Raab eine Frage der Ehre, wie er den Jugendlichen vor Beginn der Aktion näherbringt: "Was einmal hier steht, wird nicht mehr übermalt. Da geht es um Respekt voreinander. Ansonsten liegt es ganz bei euch, was ihr daraus macht."

Zum Thema: Die Kunst- und Kulturtage des Kreisjugendrings

Schwandorf

"Was einmal hier steht, wird nicht mehr übermalt. Da geht es um Respekt."

Markus Raab, Profi-Sprayer

Markus Raab, Profi-Sprayer

Die bescheidenen Anfänge: Sandra-Sophie Weigert (links), Lea-Sofie Scharf (Mitte) und Mona Aumeier gestalten die ersten Buchstaben.

 

 

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