04.06.2021 - 16:56 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Imker im Landkreis Schwandorf vor miserabler Ernte: Totalausfall bei Blütenhonig

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Kein Tropfen Honig fließt aus den Waben, die Imker Karl-Heinz Dausch aus dem Bienenkasten zieht. Dabei wäre jetzt die Zeit zum Schleudern. Die Diagnose: Totalausfall beim Blütenhonig.

Imker Karl-Heinz Dausch kann es kaum fassen: Trotz üppiger Blüten auf dem Rapsfeld bei Grafenricht sind die Waben im Bienenhaus ein paar Meter weiter komplett leer. Der Grund: Für die Bienen war es heuer über Wochen zu kalt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Katastrophal, alles leer": Imker Karl-Heinz Dausch schüttelt den Kopf und deutet auf die Waben, die vor Honig nur so triefen sollten. Nicht einmal an seinem besten Standort in Grafenricht direkt neben dem Rapsfeld haben die sonst so fleißigen Bienen in dieser Saison produziert. Eine Saison, die dem Ende entgegengeht, und zwar mit so gut wie keinem Ertrag. "In der ganzen mittleren Oberpfalz wird das wohl ein Totalausfall bei Blütenhonig", schätzt der Schwarzenfelder, der sich bei seinen Imker-Kollegen umgehört hat. Das bisschen Honig, das an den wenigen warmen Tagen eingetragen wurde, hätten die Bienen inzwischen selbst aufgefressen.

Dabei gab es in diesem Frühjahr reichlich Apfel- und Kirschblüten, das Futterangebot war da. Aber es war einfach zu kalt. Auch an Dauschs zweitem Standort, im Bienenstock an der Nabburger Straße, summt es sehr verhalten. Die wenigen Bienen, die sich nach draußen wagen, sind Wächterbienen oder solche, die vom Volk dringend zum Wasserholen abkommandiert wurden. Die Tiere wirken träge, da braucht es nicht viel Rauch aus dem Smoker, um sie zu beruhigen, wenn der Imker die Kästen kontrolliert.

Werden die Bienen verhungern, wenn das Wetter sich nicht bessert? "Die Haupttracht ist vorbei", stellt der Bienenzüchter klar, "aber so weit, dass Bienen verhungern, ist es noch nicht." Das Thema einer so frühen Fütterung werde in der Fachliteratur allerdings bereits diskutiert. "Aber ich überlege, ob ich heuer überhaupt die Schleuder auspacke." Normalerweise hätte er zu diesem Zeitpunkt die Bienenkästen längst sanft erweitert, also aufgestockt, jetzt setzt er seine Hoffnung auf einen Endspurt. Der Raps sei heuer auch später dran, außerdem würden Linden, Kastanien und Akazien erst noch blühen. Danach, ab Mitte Juni, bleibt nur noch die Hoffnung auf Waldhonig. Den gibt es, wenn die Lauspopulation im Wald hoch ist. "Aber da kann ein großer Gewitterregen auch alles zunichte machen." Einmal in seinen 22 Jahren als Imker sei es ihm passiert, dass schon eine Woche nach dem ersten Schleudergang dank der Läuse enorm viel Honig da war für eine zweite Runde. "Tatsächlich ist jedes Jahr ein bisserl anders", sinniert der 60-Jährige, "aber so etwas wie heuer, dass nicht einmal ein Kübel Blütenhonig rausspringt, ist mir auch noch nicht passiert".

Und das ausgerechnet jetzt, wo die Imkerei gerade wieder populär geworden ist. "Früher ging es da vor allem um den Ertrag, inzwischen fällt es unter Liebhaberei", beschreibt Dausch das Hobby, das überraschenderweise seit ein paar Jahren auch bei jungen Leuten gut ankommt. Allein im Schwarzenfelder Imkerverein gibt es inzwischen etwa 30 Nachwuchs-Imker. Auch das Volksbegehren "Rettet die Bienen!" hat für Zulauf gesorgt, obwohl die Honigbiene anders als die Wildbiene nicht zu den bedrohten Arten zählt. "Es ist ein Riesen-Hype, und es interessieren sich inzwischen auch sehr viele Frauen fürs Imkern", weiß Dausch, der diese guten Nachrichten nach den schlechten über Varroamilben, Überalterung und Diebstahl von Bienenstöcken als wohltuend empfindet.

Vor 22 Jahren, als der damals 38-Jährige selbst Kontakt zum Imkerverein aufnahm, war er einer der jüngsten. Sein Motiv lässt ihn heute noch schmunzeln. Denn eigentlich war es ein kritischer Kommentar seines Chefs, der im Hause Dausch später für viel Honig sorgte. Weil der Elektroingenieur eine Karriere-Chance in Paris ausgeschlagen hatte, empfahl ihm der Vorgesetzte damals etwas bissig "ein zweites Standbein in der Landwirtschaft". Und da dem Imker-Neuling auch das Vereinswesen liegt, ist er seit 20 Jahren stellvertretender Vorsitzender des Schwarzenfelder Imkervereins.

Wer nun glaubt, dass er mangels Honig mit seinen 20 Völkern (pro Volk etwa 50.000 Bienen) heuer keine Arbeit hat, der irrt. "Die Schwarmneigung ist in diesem Jahr groß, gerade weil die Völker eigentlich stark sind und es mit dem Honig nicht klappt." Also sind regelmäßige Kontrollen angesagt. Spätestens im August wird normalerweise gefüttert. Gut dosiert lassen Zuckerwasser oder Sirup die Bienen in die Winterruhe starten, dann hat auch das neue Bienenjahr begonnen. Zu diesem Zeitpunkt wird sich auch zeigen, ob die wetterbedingte Ausflugsscheu der Bienen sich auch auf die Obsternte auswirkt. "Sieht nicht einmal schlecht aus", gesteht Imker Dausch mit einem Blick auf seinen Kirschbaum. Zu dessen Zweigen sind es vom Bienenhaus aus allerdings auch nur ein paar Meter.

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"Tatsächlich ist jedes Jahr ein bisserl anders. Aber so etwas wie heuer, dass nicht einmal ein Kübel Blütenhonig rausspringt, ist mir auch noch nicht passiert."

Imker Karl-Heinz Dausch

Imker Karl-Heinz Dausch

Hintergrund :

Rat und Tat beim Imkerpaten

  • Ausbildung: Wer sich fürs Imkern interessiert wendet sich am besten an einen der vielen Imkervereine und sucht sich einen Imkerpaten. In Schwarzenfeld steht letzterer den Neulingen sogar zwei Jahre zur Seite.
  • Investition: Schutzkleidung, Smoker (Imkereigerät zur Raucherzeugung) und Stockmeißel sollten zur Ausrüstung gehören. Ein Bienenstock kostet laut Karl-Heinz Dausch etwa 100 bis 150 Euro, kann aber auch gebraucht erworben oder selbst gebaut werden. In vielen Fällen stellt ihn auch ein Verein.
  • Zeitaufwand: "Man darf das nicht als Arbeit sehen", sagt Imker Dausch. Neben aufwendigeren Phasen gebe es auch solche, wo nicht viel zu tun ist.
  • Standort: Idealerweise hat jeder Imker mindestens einen zweiten Standort, der mindestens drei Kilometer entfernt ist. Nötig wird dies, damit Völker geteilt werden können.
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