Der Konzernsitz der Deutsche Steinzeug Cremer und Breuer AG, kurz DSCB, befindet sich in Alfter-Witterschlick unweit von Bonn. Dort fiel am 22. Februar die Entscheidung, einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung für die Tochter „Agrob Buchtal GmbH“ zu stellen.
Die Auswirkungen davon betreffen auch die für die Region wichtige Produktionsstätte bei Schwarzenfeld, einem von vier Standorten des nordrhein-westfälischen Unternehmens. Die Geschäftsbetriebe und die Produktionen sollen aber dort, genau wie an den drei weiteren Standorten, „in vollem Umfang weiter laufen“, versicherte Vorstandvorsitzender Dieter Schäfer in einer Stellungnahme.
Unterstützung vermisst
Wie es vonseiten des Konzerns hieß, hätten hohe Energiepreise, sinkende Nachfrage und eine veränderte Kreditsituation die Deutsche Steinzeug Cremer und Breuer AG und mit ihr die Tochter Agrob Buchtal in finanzielle Schieflage gebracht. Überdies war die DSCB an zwei Standorten auch durch die Flut im Ahrtal betroffen.
Das Argument „veränderte Kreditsituation“ hat nun eine neue Brisanz gewonnen. Das haben Recherchen des „Bonner Generalanzeigers“ ergeben, in dessen Verbreitungsgebiet die Konzernzentrale liegt. Die Zahlungsschwierigkeiten entstanden offenbar, nachdem die für einen Corona-Kredit bürgenden Länder, unter ihnen Bayern, überraschend Sondertilgungen gefordert hätten. Das bestätigte auf Nachfrage der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der Deutschen Steinzeug AG, Holger Pallotta-Kahlhofer. Er zeigte sich persönlich enttäuscht über die „mangelnde Unterstützung der Länder für das Unternehmen“.
„Vorfristige“ Rückzahlung
Wie der Betriebsratsvorsitzende erklärte, betrifft diese Veränderung den Corona-Kredit bei der Nord LB in Höhe von 14 Millionen Euro, den das Unternehmen in der Pandemie 2020 aufgenommen hatte. Als Bürgen traten die Regierungen von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern auf, weil in diesen Ländern die Werke der Deutschen Steinzeug liegen.
Seitens der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) hat man laut eigenen Aussagen versucht, Einfluss zu nehmen, um die Länder auf die gültige Einhaltung des Kreditvertrages zurückzuführen. Ab 2025 sollte der Kredit wieder bedient werden. Doch nachdem der Konzern eine Zwischenfinanzierung ausgehandelt hatte und ihm neues Geld zufließen sollte, kam es zur Krise.
Denn die Länder wollten über ihre Bank bei Zufluss neuer Liquidität partiell vorfristig beteiligt werden. Die Lösung mit der Zwischenfinanzierung wurde also laut dem Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates „durch die Meinungsänderung der Länder zunichtegemacht, und so waren wir gezwungen, die Insolvenzanträge zu stellen“.
Das Bayerische Finanzministerium hielt sich bei einer Nachfrage eher bedeckt. „Wir bitten um Verständnis, dass wir zu Einzelfällen wie dem angefragten Sachverhalt im Unternehmensinteresse grundsätzlich keine Auskünfte erteilen können,“ hieß es in einem Mail. Beim Finanzministerium sei das Unternehmen „in der dargestellten Angelegenheit jedenfalls nicht vorstellig geworden“.
Insolvenz in Eigenverwaltung
- Herkömmliches Insolvenzverfahren: Die Unternehmensführung gibt die Kontrolle an den Insolvenzverwalter ab.
- Insolvenz in Eigenverwaltung: Der Geschäftsführer übernimmt unter der Aufsicht eines Sachwalters die Aufgaben eines Insolvenzverwalters und bestimmt damit selbst den Sanierungskurs unter Berücksichtigung der Gläubigerinteressen. Verfügungsgewalt und Finanzhoheit bleiben also bei der Geschäftsführung, in diesem Fall der Konzernmutter "Deutsche Steinzeug Cremer und Breuer".
- Löhne und Gehälter: Das Einkommen der rund 390 Mitarbeiter des Werks Agrob Buchtal bei Schwarzenfeld sind wie die ihrer rund 600 Kollegen an weiteren drei Standorten der Konzernmutter "Deutsche Steinzeug Cremer und Breuer" ist für die kommenden drei Monate gesichert.
Auch Keramikhersteller "Agrob Buchtal" im Landkreis Schwandorf betroffen


















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