30.07.2020 - 14:45 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Nachfrage nach Patenschaften lässt nach

"Man muss nur bei Sonnenschein hinein gehen und punktuell schauen, es lohnt sich." Landwirt Manfred Beer freut sich, dass seine Blühflächen voller Insekten sind. Aber das Vorhaben stagniert etwas. Ein Verein ist nun aber groß eingestiegen.

Der Kirwaverein Ettmannsdorf in Person von Tobias Jobst (rechts) hat die jüngste Blühflächenpatenschaft übernommen, die von Manfred Beer (links) mit einer Urkunde bezeugt wurde.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Der Schwarzenfelder Manfred Beer gehört zu jenen Agrariern, die schon seit Jahren in Verbindung mit dem Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm oder als Maßnahme für das „Greening“ Blühflächen anbauen. Bei Beer ist es heuer das zweite Jahr, dass er Blühflächen kultiviert - sie sind bei Ettmannsdorf (Stadt Schwandorf) und bei Pretzabruck. Auf 1,3 Hektar Fläche pausiert der normale Landbau zugunsten bienenfreundlicher Pflanzen.

Wie bei dieser Blühfläche bei Ettmannsdorf (Stadt Schwandorf) ist auf allen Flächen heuer ein üppiger Bestand mit jahreszeitlich entsprechender Blütenpracht und mit dementsprechend starken Besatz an Insekten aller Art.

Natürlich hat das Angebot des Landwirts aus dem Dorf Pretzabruck mit dem Volksbegehren zu tun, das im letzten Jahr bayernweit Rekordergebnisse eingefahren hat. Es zielte darauf ab, durch eine Änderung des Bayerischen Naturschutzgesetzes die Entwicklung der Artenvielfalt in Flora und Fauna dauerhaft zu sichern und die bestehenden Lebensräume zu erhalten und zu verbessern.

Landwirt Manfred Beer: Die Nachfrage nach Blühflächen-Patenschaften ist zurück gegangen, seit die Menschen angefangen haben, das Volksbegehren zur Artenvielfalt zu vergessen.

"Nicht jeder hat die Gelegenheit, seinen Beitrag zu leisten", sagt Beer. Auf der Internetplattform "Ebay" bietet er an, auf einem bisher intensiv genutzten Acker eine spezielle Blühmischung anzusäen. 100 Quadratmeter "Patenschaft" kosten 50 Euro pro Jahr, Laufzeit zwei Jahre. Dazu gibt's eine Bescheinigung mit der Flur- und Flächennummer, samt Foto. Und wenn der Pate es will, nennt Beer ihn auf einer Tafel neben der Blühfläche mit Namen. 46 Namen von Paten sind beispielsweise an dem Feld bei Ettmannsdorf verzeichnet. "Wenn jemand eine größere Fläche will, können wir auch über den Preis reden", gibt sich der Bauer verhandlungsbereit. Die Fläche wird natürlich nicht gespritzt.

Das Artenschutz-Volksbegehren "Rettet die Bienen" bringt 2019 einen Landwirt auf eine Idee

Pretzabruck bei Schwarzenfeld

"Für einen Hektar brauche ich 100 Leute", rechnet er vor, "das ist auch bürokratischer Aufwand." Die Arbeit könne er nicht kostenlos erledigen. Auf mögliche staatliche Zuschüsse aus Förderprogrammen für die Blühflächen würde Beer verzichten. "Das will ich nicht."

Zwei Jahre würde die Blumenwiese sprießen, dann möchte Beer die Äcker wieder für Feldfrüchte nutzen. Besteht länger Interesse, würde er Flächen tauschen. "Ich möchte das schon in meine Fruchtfolge einbauen", sagt der 59-Jährige, der den Hof als sehr junger Mann nach einem Tod eines Verwandten vor gut 40 Jahren übernommen hat.

Seine spezielle Saatgut-Mischung enthält Borretsch, Ringelblume, Koriander, Buchweizen, Fenchel, Sonnenblume, Öllein, Esparsette, Büschelschön (Facelia), Ölrettich, Schweden-, Inkarnat- und Perserklee, Sommerwicke, Schafgarbe, Kornblume und Klatschmohn. "Da muss man reingehen, damit man merkt, wie's brummt", sagt Beer. Das stimmt. Hummeln, (Wild-)Bienen, Schmetterlinge, allerlei Fliegen sind auf den Blüten unterwegs.

Wie bei dieser Blühfläche in der Pretrzabrucker Au ist auf allen Flächen heuer ein üppiger Bestand, mit der jahreszeitlich entsprechenden Blütenpracht und mit dementsprechend starken Besatz an Insekten aller Art.

Drei Flächen sind in der Nähe von Ettmannsdorf: Eine davon schräg gegenüber der alten Kläranlage, die nächste 150 Meter weiter Richtung Ettmannsdorf, und eine am Anfang des Weges von der Dachelhofer Straße in Richtung Behindertenwerkstätten. Ein weiterer Standort ist in der Pretzabrucker Au. "In Pretzabuck wurde die bestehende Fläche erweitert. Sowohl die bestehende als auch die neue Fläche wurden am 5. Mai bearbeitet und mit einen Blühpflanzensaatgut eingesät. Das selbige geschah auch auf den Flächen nähe Ettmannsdorf," berichtet Beer. "Auf allen Flächen ist heuer ein üppiger Bestand, mit der jahreszeitlich entsprechenden Blütenpracht und mit dementsprechend starken Besatz an Insekten aller Art. Man muss nur bei Sonnenschein hinein gehen und punktuell schauen, es lohnt sich."

Allerdings hat der Landwirt bemerkt, dass die Nachfrage nach Blühflächen-Patenschaften zurück gegangen ist, seit die Menschen angefangen haben, das Volksbegehren zur Artenvielfalt zu vergessen. Umso mehr freut es ihn, dass sich heuer der Kirwaverein Ettmannsdorf entschieden hat, als Pate aufzutreten. Er hat die Patenschaft für 500 Quadratmeter übernommen - das ist ein Viertel des Feldes.

In einem Kasten am Feldrand sind die Namen der Paten, die dem zugestimmt haben, ausgehängt.
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