24.01.2020 - 16:25 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Im Schwarzenfelder Café Central bahnt sich ein Abschied an

"Das ist mein viertes Kind", sagt Angela Prechtl über das Café Central in Schwarzenfeld. Mit Tränen in den Augen nimmt sie Abschied von einem "Teenager", der zwölfeinhalb Jahre lang ihr Leben dominiert hat.

Ob mit frischen Semmeln, Erdbeertorte oder Empathie: Angela Prechtl hat in über zwölf Jahren im Café Central mit ihrem Team so manchem Gast das Wohnzimmer ersetzt. Jetzt überlässt sie dieses Feld einer Nachfolgerin.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Kaum sind die Kronleuchter in dem großen Raum im ersten Stock des Schwarzenfelder Ladenzentrums eingeschaltet, kommen schon die ersten Gäste ins Café Central, nicht selten schon vor der Öffnung um 8.30 Uhr. Die Chefin, Angela Prechtl, ist schon da. Die ersten Torten wandern Richtung Theke, die Frühstückssemmeln und natürlich das wichtigste, der Kaffee, nehmen die Tische in Beschlag. Vor der 56-jährigen Pächterin liegt ein harter Arbeitstag. Und doch denkt sie mit Wehmut an den Abschied, an den 31. Januar, den Tag, an dem ein neuer Lebensabschnitt ihrem "Leben im Café" ein Ende setzt.

Gemütlich ohne Stress

Ein eigenes Café, davon hatte die Schwandorferin schon lange geträumt damals, als sie noch in der elterlichen Bäckerei Scherl arbeitete, zu der ebenfalls ein Café gehörte. "Ich wollte, dass es hier gemütlich ist", schildert sie die nicht unbeträchtlichen Investitionen in den vorher von der Familie Kirner bewirtschafteten Betrieb. "Jeder Supermarkt hat inzwischen ein Stehcafé, aber die Leute möchten doch auch verweilen, ratschen, Zeitung lesen oder ganz einfach ohne Stress für sich sein." Bis vor einem Jahr war das im "Central" an sieben Tagen die Woche möglich, zuletzt gab es einen Ruhetag, und nun bahnt sich eine neue Entwicklung an. "Ich muss aus persönlichen Gründen kürzer treten", sagt die Frau, die hier ihre Arbeitsstunden nie gezählt hat und sich einfach nur glückliche Kunden wünscht.

Ganz schön "zusammenreißen" musste sie sich nun, als sie in den vergangenen Wochen nach und nach Abschied von vertrauten Stammtischen und treuen Gästen nahm, die selbst Tränen in den Augen hatten. Denn Angela Prechtl ist eine, die zuhören kann. "Ich könnte ein Buch schreiben", sagt sie und denkt an so manche ältere Herrschaften, die ihr private Probleme anvertraut haben. "Aber sagen Sie's nicht weiter", hieß es dann. Ein wenig Sprechstunde, ein bisschen Psychologie, vor allem aber ein offenes Ohr und etwas guter Zuspruch, das gehört für die 56-Jährige auch zu dem Job als Köchin, Kellnerin und Managerin. Geschichten, die das Leben schreibt, hat sie dabei mitbekommen, hat verfolgt wie beispielsweise aus dem kleinen Michael in der Babyschale ein Teenager wurde.

Die Stammkunden spricht das Team im Café mit Vornamen an, mit Sigi oder Jackl, aber aus Respekt bleibt es beim "Sie" . "Da vorne, das ist noch immer der Monika-Tisch", erklärt die Chefin. Mancher Stammkunde sei inzwischen verstorben.

Freilich gab es auch Durststrecken, an den Nachmittagen im Sommer, wenn überall Feste gefeiert wurden. "Bei uns gibt es nicht so viel Laufkundschaft wie in Regensburg oder Amberg", meint die Pächterin, die nicht nur mit Süßem, sondern auch mit einem Mittagessen aufwarten wollte. "Dafür sind einige extra von der Autobahn abgefahren", berichtet sie stolz. In Zukunft kocht sie mehr für die Familie, den Mann und die drei Söhne, ihre "Testesser". Sie ersetzen einstweilen die Kundschaft, die bislang an erster Stelle stand. "Ohne Qualität geht gar nichts", stellt sie auch mit Blick auf die Kuchen-Theke fest, die inzwischen nicht mehr der Vater, sondern der Bruder beliefert. "Ein gutes Feedback ist für mich das Höchste", schwärmt die 56-Jährige. "Bei dieser Arbeit ist es wichtig, dass man die Leute gern mag, sonst sollte man lieber in den Keller gehen und Akten sortieren."

Wenn die Deko Beine kriegt

Schnell vergessen sind dann die geklauten Deko-Teile und der übliche Zehn-Stunden-Tag. "Was man mit Leidenschaft macht, schafft manchmal auch Leiden, aber die Freude überwiegt", zieht Angela Prechtl Bilanz. Ganz zur Ruhe setzen will sie sich nicht. "Eine Tür geht zu, die nächste geht auf", lautet ihre Devise nach so vielen Jahren Selbstständigkeit, die tatsächlich auch "selbst und ständig" bedeutet haben.

Tröstlich findet sie es, dass der Betrieb im Café auch ohne sie und mit dem kompletten Personal weitergehen wird: Neue Inhaberin ist ab Februar Carmen Huber. Die Vorgängerin hätte dann eigentlich Zeit, um ein Buch übers "Central" zu schreiben. "Kommt nicht infrage, das, was man mir gesagt hat, bleibt auch hier drin", stellt sie klar.

Ob die frühere Chefin dann mal auf einen Besuch vorbeischaut? Klar, so ein Wiedersehen kann recht aufwühlend sein, "aber ich hab' es den Stammgästen versprochen".

Die Sache mit dem Klo:

"Eine Geste der Anerkennung"

Schnell und heimlich aufs Klo, weil gerade die Blase drückt, und die Gastronomie hier Erlösung verspricht: Das finden Wirte gar nicht schön - wenn es sich nicht um ihre Gäste handelt. Angela Prechtl ging es da während ihrer Zeit im Café Central nicht anders. "Es wäre doch so einfach zu fragen, ob man mal die Toilette benutzen darf", wundert sie sich und hat sich manches Mal geärgert über jene, die sich ohne Bitte und Danke einfach von der Straße aus reinschleichen. Dabei gehe es auch gar nicht so sehr um das Geld für Wasser, Seife oder Klopapier. Was sich Gastronomen da wünschen, sei vielmehr eine "Geste der Anerkennung".

Ein wenig ist dieser Spruch am Eingang auch Lebensmotto der langjährigen Chefin im Café Central.
Das Café Central im Schwarzenfelder Ladenzentrum geht im Februar in neue Hände über. Abgesehen von der Chefin bleibt aber das bewährte Team.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.