22.08.2018 - 17:17 Uhr
SchwarzhofenOberpfalz

Pestkreuz mit Denkmal-Status

Das nächste Stück Ortsgeschichte hat es auf die Denkmalliste geschafft: Das zuständige Landesamt räumt dem Pestkreuz am Marktplatz besonderen Schutzstatus ein. Als es vor über 20 Jahren restauriert wird, gibt's eine Überraschung.

Im Ortskern-Ensemble zwischen Rathaus (rechts) und Pfarrkirche befindet sich der Standort des Schwarzhofener Pestkreuzes. Eine Initiative des Denkmalpflegevereins hat es nun auf die Denkmalliste gehievt.
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

(mp) Auf alten Fotos und Zeichnungen ist das Kreuz fester Bestandteil des Marktplatz-Ensembles rund um Rathaus und Kirche - bis in die 1960er Jahre hinein, als das Kreuz abgetragen wurde. Rund 30 Jahre später nahm sich der Denkmalpflegeverein des Relikts an und leitete die Restaurierung in die Wege. Bis dahin waren das schmiedeeiserne Kreuz und die zugehörige Granitstele im Bauhof der Marktgemeinde eingelagert.

Jahreszahl "1747" entdeckt

Zu Beginn der Sanierung gingen die Initiatoren davon aus, dass das Kruzifix etwa 150 Jahre alt ist und daher auch kein Pestkreuz sein konnte, da diese Krankheit letztmals Anfang des 18. Jahrhunderts in der Region auftrat. Es müsste vielmehr eine Art Sühnekreuz sein. Doch während der Arbeiten wurde an dem Kreuz die eingestanzte Jahreszahl 1747 entdeckt. Dies sieht Oberkonservator Dr. Christian Dümler im aktuellen Nachtrag in die Denkmalliste als Erklärung für die Bezeichnung als Pestkreuz.

Zwar sei die letzte große Pestwelle in der Oberpfalz auf das Jahr 1713/14 datiert, doch habe es in den darauffolgenden Jahrzehnten immer wieder lokale Fälle von epidemischen Erkrankungen gegeben, die allgemein mit dem Begriff "Pest" bezeichnet wurden, so Dümler. Als Beispiel nennt der Oberkonservator den Ausbruch der Pest im 40 Kilometer entfernten Sattelpeilnstein im Jahr 1740, dem 25 Menschen, und 1742 weitere 26 Personen erlagen. "Vor diesem Hintergrund (...) hat das Pestkreuz in Schwarzhofen offensichtlich seine konkrete geschichtliche Bedeutung."

Gerätselt wurde über die Herkunft der gusseisernen Figuren des gekreuzigten Jesus und der Gottesmutter, die auf einem barocken Kreuz eigentlich nichts zu suchen haben. Bei der Einweihung des restaurierten Objekts am 20. Juli 1997 vermutete Friedrich Brych, damals wie heute Vorsitzender des Denkmalpflegevereins, dass die ursprünglichen Figuren aus Blech geschnitten waren, diese im 19. Jahrhundert allerdings durch gegossene und vergoldete Darstellungen ersetzt wurden.

Denkmal-Hattrick

Um die Überprüfung des Pestkreuzes auf Denkmaleigenschaft hatte Friedrich Brych Ende Januar in einem Schreiben an das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege gebeten. Nun freut sich der Vorsitzende über den neuen Denkmal-Status für das Pestkreuz, das zusammen mit Marktbrunnen, Rathaus und Kirche ein "schönes Ensemble" bilde. Nach dem Waaghäusl in Krimling und dem Kriegerdenkmal in Schwarzhofen, war damit auch das dritte Gesuch des Denkmalpflegevereins in den vergangenen Monaten von Erfolg gekrönt. Nach dem "Denkmal-Hattrick" ist nun Durchatmen angesagt. "Aktuell haben wir nichts auf der Pfanne, aber es findet sich immer wieder etwas", räumt Friedrich Brych gegenüber Oberpfalz-Medien ein.

Über das Denkmal:

"Altäcker Kruzifix, Gusseisen, Granitpfeiler mit rechteckigem Aufsatz mit Satteldach, 19. Jahrhundeert" - so der Wortlaut des Eintrags in die Denkmalliste. In seiner offiziellen Mitteilung über den Nachtrag bezeichnet Oberkonservator Dr. Christian Dümler das Schwarzhofener Pestkreuz als "Sühne-Denkmal von ortsgeschichtlicher Bedeutung". Es erinnere an den letzten Ausbruch der Seuche in der Oberpfalz der frühen 1740er Jahre. Sein Erhalt sei "erforderlich und damit im Interesse der Allgemeinheit".

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