Menschen besitzen etwa fünf Millionen Riechzellen in der Nase, Hunde je nach Rasse und Länge der Schnauze bis zu 220 Millionen. Forscher haben herausgefunden, dass sich Hunde das, was sie riechen, sogar vorstellen können. Da ist es kein Wunder, dass sich Rettungskräfte diese Fähigkeit zunutze machen. In der Oberpfalz gibt es genau eine Feuerwehr-Rettungshundestaffel. Seit 2016 hat die Feuerwehr Schwarzhofen die Vierbeiner im Team. Ina Hutzler leitet die Einheit und erzählt, was eine Rettungshundestaffel eigentlich so macht. Die Gruppe hat derzeit fünf geprüfte Flächenhunde, vier davon sind zudem geprüfte Trümmerhunde. Hinzukommen drei Mantrailer in Ausbildung, also Hunde, die Individualgeruch aufspüren, und vier Flächenhunde in Ausbildung.
Große Verantwortung
Beim Gespräch mit Hutzler wird schnell klar, dass die Arbeit mit Rettungshunden mehr als nur ein gewöhnliches Hobby ist. Denn im Ernstfall geht es darum, Menschenleben zu retten. Auf den Schultern der Hundeführer und deren Tieren lastet eine enorme Verantwortung. Flächensuchhunde wie bei der Feuerwehr Schwarzhofen kommen bei der Suche nach verirrten oder verunfallten Wanderern, Pilzesammlern, Demenzkranken, Kindern und Suizid-Gefährdeten zum Einsatz.
Hutzler zufolge können Rettungshunde innerhalb einer Stunde eine Fläche von rund 60 0000 Quadratmetern absuchen. "Der Hund kann auch im Dunklen Menschen wahrnehmen, selbst wenn sie sehr versteck sein sollten, weil sich die Person unter einem Busch verkrochen hat", sagt Hutzler. Die Einsätze sind zudem nicht immer ungefährlich. Bei der Trümmerarbeit zum Beispiel besteht Verletzungsgefahr für den Hund. Hutzler: Das ist so ein Knackpunkt, bei dem viele sagen, dass sie das nicht machen wollen. Das Problem dabei ist halt auch, dass einem das keiner zahlt, wenn sich der Hund verletzt. Auf den Kosten beim Tierarzt bleibt man selbst sitzen." Hutzler ist froh, dass solche Verletzungen in ihrer Hundestaffel bislang ausgeblieben sind.
Belastung für Hundeführer
Die Hunde sind nicht nur Lebensretter, sondern auch Familienmitglieder. Hutzler sagt: "Ich habe das Gefühl, dass die Hunde merken, wenn es ernst wird." Ihrer Hündin (9) sei der Nachtschalf absolut heilig. "Wenn aber ein Einsatz ist, dann steht sie da und weiß, dass es gleich losgeht", erklärt Hutzler. Die Tiere spürten, dass ihre Führer selbst unter Adrenalin bei einem Einsatz stehen. Hutzler: "Man bekommt beim Einsatz ein Gebiet zugewiesen, das man nach bestem Wissen und Gewissen absucht. Wenn der Hund nichts anzeigt, dann geht man davon aus, dass die gesuchte Person dort auch nicht ist." Wird die vermisste Person dann gefunden, ist das erste, was ein Hundeführer fragt: "Wo wurde sie gefunden?" Das Horroszenario für jeden Hundeführer: Im Nachhinein stellt sich heraus, dass der Hund die vermisste Person übersehen hat. Hutzler: Was das angeht, sagen auch viele, wenn mir das einmal passiert, schmeiß ich hin." Die Hunde der Staffel können nur lebende Menschen aufspüren. Bei einer toten Person würden die Tiere nicht anschlagen.
Suche im Wald und in der Stadt
Wie läuft so eine Suche ab? Die Flächenhunde "revieren" durch den Wald und drehen dort ihre Schleifen. Sie suchen nach allen lebenden Menschen. Wenn es in der Stadt einen Einsatz gibt, dann sind die "Mantrailer" gefragt. Hutzler: "Das sind die Hunde, die man in den Krimis so gerne sieht. Die "Mantrailer" suchen nach einem Individualgeruch und können einen bestimmten Menschen unter vielen anderen aufspüren."
Auf die Frage, wie oft die Staffel im Einsatz ist, kann Hutzler keine pauschale Antwort geben, weil das von Jahr zu Jahr verschieden ist und es darauf ankommt, zu welchen Einsätzen die ILS Amberg oder die Einsatzzentrale in Regensburg die Hundestaffel hinzuziehen. Hutzler: "Es gibt Jahre, da ist es sehr ruhig. In anderen ist viel los." So habe die Staffel im vergangenen Jahr innerhalb kürzester Zeit dreimal zu Einsätzen ausrücken müssen.
Normalerweise trainiert die Gruppe zwei mal pro Woche. Die Coronapandemie hat dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Zur Zeit können wir nicht trainieren. Das ist schlecht, denn das wäre eigentlich nötig, um die Einsatzfähigkeit der Gruppe zu gewährleisten", sagt Hutzler. Privat trainieren die Hundeführer trotzdem weiter, allerdings nicht so intensiv wie gewöhnlich. Hutzler: "Für die Hunde, die das schon jahrelang machen, ist die Pause kein Problem. Die bekommen ihre Kenndecke an und dann wissen sie, was zu tun ist. Die Hunde in Ausbildung aber werden ausgebremst und weit zurückgeschmissen."
Derzeit hat die Schwarzhofener Rettungshundestaffel ohnehin mehr Hunde in Ausbildung als einsatzbereit. Was Neuzugänge angeht, sagt Hutzler, dass es schon sehr gut passen müsste, damit ein neues Gespann aufgenommen wird.
„Wenn aber ein Einsatz ist, dann steht sie da und weiß, dass es gleich losgeht.“
Training im Normalzustand
Gewöhnlich versucht die Staffel im Umkreis von Schwarzhofen zu üben. Hutzler: "Da sind wir allerdings auf Gebiete angewiesen, in die wir rein dürfen." Mit den Flächenhunden trainiert die Staffel hauptsächlich in Waldgebieten. "Zu den Geländen kommen wir hauptsächlich übers Klinkeputzen", erklärt Hutzler. Dabei ist es enorm wichtig, dass die Tiere die Übungsumgebung regelmäßig wechseln. Daher trainieren die Hunde auch nicht nur in Schwarzhofen. Hutzler: "Die Locations müssen sich immer wieder ändern, sonst wissen die Hunde bald, dass hinter dem einen Stein oder in dem Loch im Boden jemand liegen könnte. Die Hunde brauchen immer wieder eine neue Herausforderung, damit sie im Ernstfall auf neue Situationen reagieren können." Mit den Trümmerhunden arbeiten die Hundeführer auch in Steinbrüchen oder in Abrisshäusern. Normalerweise trainiert die Staffel einmal in der Woche am Hundeplatz und einmal auf der freien Fläche. Wind und Wetter spielen keine Rolle.
Hutzler: "Wir waren schon bei Minus zwölf Grad draußen und auch bei Schnee. Im Sommer ist es fast noch schwieriger, wenn es so heiß ist. Dann versuchen wir, das Training in die Morgenstunden zu verlagern." Die Rettungshunde-Staffel arbeitet ehrenamtlich und finanziert sich über Spenden. Wer spenden möchte, findet die Infos auf der Homepage der Feuerwehr Schwarzhofen. Wenn es um Sachspenden geht, können sich Interessenten direkt an die Staffel wenden.















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