29.06.2018 - 16:59 Uhr

Selbst aktiv im Kampf gegen Krebs

Viele Patienten haben Angst, nichts selbst dafür tun zu können, um wieder gesund zu werden. Mit Bewegung, Entspannung, Ernährung und Naturheilkunde entwickeln Ärzte ein ganzheitliches Konzept.

In der Onkologischen Trainings- und Bewegungstherapie OTT kümmern sich speziell ausgebildete Physiotherapeuten wie Martin Weinfurter um die Patienten. Adele Schütz
In der Onkologischen Trainings- und Bewegungstherapie OTT kümmern sich speziell ausgebildete Physiotherapeuten wie Martin Weinfurter um die Patienten.

„Gemeinsam. Ganzheitlich. Gegen Krebs.“ Dieser Leitspruch steht für das Mammutprojekt „Integrative Onkologie“, das am Klinikum St. Marien derzeit realisiert wird. Ziel der „Integrativen Onkologie“ ist es, den Patienten zu ermöglichen, selbst aktiv im Kampf gegen Krebs zu werden. Das vielfältige Angebot der „Integrativen Onkologie“ basiert auf den vier Säulen „Bewegung“, „Ernährung“, „Entspannung“ und in einem weiteren Schritt auf „Naturheilkundlichen Verfahren“. Wie weit der Patient das Angebot nutzen möchte, entscheidet er in Absprache mit seinem behandelnden Arzt am Klinikum selbst.

Die Diagnose „Krebs“ trifft die Betroffenen wie ein Schock. Damit die Patienten in dieser Ausnahmesituation auch psychologisch aufgefangen werden, gibt es bereits seit Jahren die Psychoonkologie am Klinikum St. Marien. Johanna Stöcklmeier und Carla-Maria Tealdi-Breitwieser sind speziell für die Beratung und Betreuung von onkologischen Patienten ausgebildet.

Sie wissen aus ihrer langjährigen Erfahrung, dass zur Angst vor der Krankheit und vor den Nebenwirkungen der Therapie bei vielen auch die Furcht existiert, hilflos zu sein, selbst nichts dafür tun zu können, wieder gesund zu werden.

„Dabei können Patienten sehr viel tun: Ernährung, Bewegung und Entspannung spielen – ergänzend zur Schulmedizin – eine große Rolle bei der Genesung“, erklärt Dr. Ludwig Fischer von Weikersthal, der Klinische Leiter des zertifizierten Onkologischen Zentrums am Klinikum. Zusätzlich zur Schulmedizin sind solche sogenannten komplementären Maßnahmen eine wichtige Ergänzung zur konventionellen Krebstherapie. „Deshalb ist uns das Projekt der ‚Integrativen Onkologie‘ auch so wichtig. Sie vereint die komplementäre Medizin mit den modernsten Verfahren der Schulmedizin. So können wir unsere Patienten ganzheitlich therapieren.“ Hier setzt die „Integrative Onkologie“ am Klinikum St. Marien Amberg an: modernste schulmedizinische Verfahren werden mit verschiedenen komplementären Methoden kombiniert.

Modul „Ernährung“

Appetitlosigkeit, Schluckbeschwerden oder Übelkeit können Begleiterscheinungen einer Krebstherapie sein. Deshalb fällt es vielen Patienten schwer, sich ausgewogen zu ernähren – obwohl gerade das während einer Krebstherapie wichtig ist. Hilfestellung bieten Peter Fischer, der Chef der Gastronomie am Klinikum St. Marien Amberg, und die staatlich geprüfte Diätassistentin und Fachberaterin für ganzheitliche Ernährung und Gesundheit, Elisabeth Gaulard-Hirth: Gemeinsam haben sie ein Verpflegungskonzept für Krebspatienten entwickelt, mit Vorträgen und kleinen Kochworkshops. Dafür gab es 2017 sogar den „Förderpreis für Innovatives Verpflegungsmanagement“.

Modul „Bewegung“

Sport wirkt sich in jeder Phase der Krebstherapie positiv aus – darüber sind sich die Fachleute einig. Diesen Aspekt greift die Onkologische Trainings- und Bewegungstherapie, kurz OTT, auf. Wichtig ist, dass das Trainingsprogramm die Patienten nicht überfordert. Deshalb kümmern sich in der OTT zwei speziell ausgebildete Physiotherapeuten um die Patienten. Sie schneiden die Trainingspläne individuell auf jeden einzelnen Patienten zu. Trainiert wird zwölf Wochen lang im Sportpark Amberg in je zwei Therapieeinheiten pro Woche, immer unter Anleitung der Therapeuten. Die Übungen werden dabei so gewählt, dass die Patienten nach der OTT auch zu Hause alleine weitertrainieren können.

Modul „Entspannung“

Innere Ruhe und Entspannung sind für eine schnellere Genesung sehr wichtig. Deshalb bietet die „Integrative Onkologie“ am Klinikum St. Marien Amberg auch ein Modul „Entspannung“ an. Doris Kastner, Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie ausgebildete Entspannungspädagogin, zeigt den Patienten in ihren Therapieeinheiten verschiedene Entspannungstechniken wie die Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training. Sie leitet die Kursteilnehmer so an, dass sie mühelos auch selbst zu Hause trainieren können.

Ärztlich unterstützt wird das komplementärmedizinische Versorgungskonzept von Manuela Schaber, Oberärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Von den Kassen wurden all diese Kurse bisher nicht finanziert. Ein wichtiger Schritt für die „Integrative Onkologie“ war deshalb der Kooperationsvertrag mit der DAK: Durch ihn wird ein Teil des Leistungsangebotes gegenfinanziert. „Wir hoffen, dass auch andere Krankenkassen diesem Beispiel zeitnah folgen“, wünscht sich Dr. Harald Hollnberger, der Ärztliche Direktor des Amberger Klinikums. „Außerdem sind wir natürlich für jede Spende für die Integrative Onkologie dankbar.“

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann an den Förderverein Familiengesundheit Oberpfalz FFGO e.V. spenden (IBAN: DE56 7525 0000 0200 3709 30; BIC: BYLADEM1ABG, Sparkasse Amberg-Sulzbach). (ads)

Info:

Patientin Konstanze E. im Interview

Amberg. (ads) Das Projekt „Integrative Onkologie“ ermöglicht Krebspatienten, selbst aktiv im Kampf gegen ihre Krankheit zu werden. Das Klinikum Amberg hat ein vielfältiges Angebot in Sachen Bewegung, Ernährung und Entspannung, ergänzend zur Schulmedizin. Der Zuspruch ist groß. Konstanze E. (Name der Redaktion bekannt) nahm an dem Projekt teil.

Wie wurden Sie auf das Projekt „Integrative Onkologie“ am Klinikum St. Marien aufmerksam?

Konstanze E.: In einer Besprechung mit Dr. Ludwig Fischer von Weikersthal wurde mir die Teilnahme am Projekt ‚Integrative Onkologie‘ angeboten. Dieses Angebot habe ich mit Begeisterung angenommen.

Was hat Sie an diesem Projekt so überzeugt?

Die Überzeugung, selbst aktiv an meiner Heilung mitarbeiten zu können und mich nicht nur auf die Hilfe der Schulmedizin verlassen zu müssen, hat mein Interesse geweckt. Außerdem spielen Bewegung, Ernährung und Entspannung für mich eine wichtige Rolle bei der Genesung.

Wie gestaltete sich für Sie die Teilnahme an den Bewegungskursen?

Durch die Betreuung von zwei engagierten und fürsorglichen Physiotherapeuten aus dem Klinikum St. Marien Amberg wurden die weiteren Teilnehmerinnen und ich mit Kraft- und Ausdauerübungen durch den Kurs geführt, wobei ich besonders den sehr guten Zusammenhalt der kleinen Gruppe betonen muss.

Welche Vorteile bringt für Sie die Teilnahme?

Die zusätzlichen Behandlungen steigerten meine Selbsthilfekräfte. Ich fühlte mich nach jedem Kurs körperlich und seelisch ausgeglichen und entspannt. Weiterhin konnte ich noch feststellen, dass sich die Nebenwirkungen der Medikamente reduziert haben.

Werden die Erfahrungen als Projektteilnehmerin Sie nachhaltig beeinflussen?

Die Erfahrungen meiner Teilnahme an diesem Projekt werde ich auf jeden Fall auch außerhalb des Kurses definitiv umsetzen, das heißt weiterhin regelmäßig Sport betreiben sowie auf eine gesunde Ernährung achten. (ads)

Appetitlosigkeit, Schluckbeschwerden oder Übelkeit können Begleiterscheinungen einer Krebstherapie sein. Deshalb fällt es vielen Patienten schwer, sich ausgewogen zu ernähren. Adele Schütz
Appetitlosigkeit, Schluckbeschwerden oder Übelkeit können Begleiterscheinungen einer Krebstherapie sein. Deshalb fällt es vielen Patienten schwer, sich ausgewogen zu ernähren.
 
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