02.08.2018 - 17:43 Uhr
Oberpfalz

Nach Siemens könnten weitere Konzerne der Trump-Logik folgen

Teile des Siemens-Konzerns kehren Deutschland den Rücken. Nicht nur eine unternehmerische, sondern auch eine politische Entscheidung. Der Grund heißt Donald Trump.

Ein gelber Schutzhelm mit dem Aufdruck "Siemens" liegt in einer Montagehalle des Siemens-Turbinenwerks in Görlitz.
von Alexander Pausch Kontakt Profil
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Siemens verlegt den Hauptsitz einer seiner neuen Sparten ins texanische Houston. Das könnte eine normale strategische unternehmerische Entscheidung sein, ist es aber nicht. Dies ließ Siemens-Chef Joe Kaeser am Donnerstag im Gespräch mit Analysten und Journalisten erkennen. Der Schritt, die Energie-Tochter des Münchener Elektrokonzerns in die viertgrößte Stadt der USA zu verlegen, folgt auch der Logik Trumpscher Handelspolitik.

Kaeser traf im Januar am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos mit anderen deutschen Konzernbossen US-Präsident Donald Trump. Damals lobte er dessen deutliche Senkung der Unternehmens-Steuersätze und verwies auf die Investitionspläne seines Konzerns in den USA, wo Siemens neue Gasturbinen entwickeln wolle. Eine Bemerkung, die hierzulande für Irritationen sorgte. Schließlich hatte Siemens zuvor angekündigt, das Gasturbinenwerk in Görlitz zu schließen. Davon ist nun zwar keine Rede mehr. Aber in seiner Kraftwerkssparte will Siemens in Deutschland weiterhin 3000 Stellen abbauen.

Viel Lob für Trump ist derzeit vom Siemenschef nicht zu hören. Inzwischen warnt Kaeser vor Zöllen, nationaler Abschottung, Spaltung der Welt und betont die Gefahr einer Rückkehr des Protektionismus und Nationalismus. Reichlich spät. Das, was Kaeser das "ganze Handelszeug" nennt, ist eine Umschreibung für das Infragestellen und Zerstören langjähriger internationaler Regeln und Allianzen.

Kein Zweifel: Unternehmen müssen sich an die veränderte Lage anpassen, wollen sie nicht Geschäftsvolumen einbüßen. Kaeser spricht von "lokal werden". Viele dürften längst begonnen haben, Standorte und internationale Lieferketten zu prüfen. Das Beispiel Siemens könnte Schule machen.

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