26.04.2020 - 14:36 Uhr
Sinnleithen bei EdelsfeldOberpfalz

Corona legt Sinnleithener Hühnerzucht lahm

Im Hühnerstall des Geflügelhofes Engel wird es langsam eng. Wegen des Coronavirus hat der Betrieb kaum noch Kundschaft. Die Hühner bleiben auf den Stangen, die Betreiberin auf den Kosten sitzen. Im Notfall droht der Suppentopf.

Die Hennen auf Susanne Engelhardts Hof müssen derzeit mit etwas weniger Freiraum vorlieb nehmen.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Der Geflügelhof Engel hat ein Problem: zu wenig Platz, zu viele Hühner. Und laufende Kosten. Susanne Engelhardt, der Betreiberin des Hofes, geht es wie vielen Kleinunternehmen in den Tagen des Coronavirus. Die 25-Jährige ist seit zwölf Jahren auf Hühnerzucht spezialisiert. Was zuerst, da war sie gerade einmal 13 Jahre alt, als Hobby begann, ist mittlerweile zu einem Nebengewerbe geworden. Knapp hundert Hühner tummeln sich im Stall in Sinnleithen, einem Örtchen bei Edelsfeld. "Wir verkaufen, neben den Hühnern natürlich, auch Futter und notwendiges Zubehör, Tränken für die Tiere zum Beispiel", erklärt Engelhardt.

Bürde zur Unzeit

Ursprünglich stammt der Betrieb aus Poppenricht. Der Umzug vor zwei Jahren hat einiges verändert. Der Hof ist noch recht unbekannt, ein fester Kreis aus Stammkunden musste sich erst zusammenfinden. Da ist die Corona-Pandemie eine Bürde zur Unzeit. "Jetzt kommt kaum noch jemand zu uns", berichtet die Betreiberin. Warum ist das so? Tierbedarf wäre doch eigentlich von der Ausgangssperre ausgenommen. "Die meisten Kunden wissen einfach nicht, dass wir noch geöffnet haben. Die meinen: Ausgangssperre, da darf ich nur noch zum Edeka fahren und wieder heim", glaubt sie. "Aber wir sind nach wie vor da." An Schutzmaßnahmen mangelt es nicht, Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel sind vorhanden. "Wir versuchen schon alles, schalten Anzeigen und mailen unseren Stammkunden." Die Kundschaft, sie bleibt trotzdem weitestgehend aus.

Notdürftig ausgebaut

Zur Einnahmenflaute kommt noch ein tierisches Problem hinzu. "Wir geben die Hennen im Normalfall im Alter von etwa sechs Monaten ab." Das heißt: Die Tiere, die jetzt auf einen Hühnerfreund warten würden, sind längst aus dem Ei geschlüpft, der nächste Schwung wächst schon heran. Dem Betrieb geht schlicht und einfach der Platz aus. "Die Jüngeren wachsen und die Älteren bekommen wir nicht los", beschreibt Engelhardt das Hühner-Dilemma. Abbestellungen schmerzen da doppelt. Alles stockt. Stall und Auslauf reichen nicht mehr.

"Wir haben unser Gelände jetzt notdürftig ausgebaut, sodass es für ein paar Wochen reichen dürfte", sagt sie. Wenn sich aber selbst nach dem Ende der Ausgangsbeschränkung die Kundschaft nur zögerlich auf den Hof traut? Gibt es einen Notfallplan? "Im Moment kommen wir noch ganz gut klar. Zur Not lassen wir die Tiere bei uns weiter laufen und schwenken auf Eierproduktion um." Aber, im schlimmsten Fall, "gibt es auch noch den Suppentopf".

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