29.01.2019 - 15:50 Uhr
Sorghof bei VilseckOberpfalz

Pfreimder Soldaten auf dem Weg nach Litauen

Rund 600 Soldaten des Pfreimder Panzerbataillons 104 sind für ein halbes Jahr in Litauen eingesetzt. Am Dienstag haben sie in Vilseck ihre Ausrüstung verladen.

Alle aufgereiht zum Verladen: Die Bundeswehr schickt am Dienstag 15 Panzer per Bahn auf die fünftägige Reise nach Litauen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Es dauert eine Weile, bis alle 15 schweren Kettenfahrzeuge auf den Eisenbahnwaggons stehen: Einzeln werden sie am Dienstagvormittag über eine Rampe auf die Transport-Anhänger verladen. Weil die wuchtigen Panzerketten links und rechts ein Stückchen über die Ladeflächen der Waggons hinausragen, müssen die Fahrer besonders vorsichtig rangieren. Sie werden von anderen Soldaten eingewiesen, bis die Panzer mit Keilen zwischen den Ketten auf den Wagen fixiert werden.

Oberstleutnant Christian Märkl, der stellvertretende Kommandeur des Pfreimder Bataillons, beobachtet das Verladen in den Rose Barracks, der amerikanischen Kaserne in Vilseck. Hier ist genug Platz, um die große Zahl der schweren Fahrzeuge geschmeidig aufs Gleis zu bringen. Wenn die Pfreimder Soldaten zu Übungen in Deutschland aufbrechen, verladen sie ihr Material am Nabburger Bahnhof. Dort hätten die vielen Kettenfahrzeuge, die jetzt nach Litauen transportiert werden sollen, aber vermutlich ein ziviles Verkehrschaos verursacht.

Im Blickpunkt:

Im Auftrag der Nato

Das Pfreimder Panzerbataillon 104, das der ehemaligen Amberger (jetzt Chamer) Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“ untersteht, geht laut stellvertretendem Bataillonskommandeur Christian Märkl mit rund 600 Mann für sechs Monate nach Litauen. Dort lösen die Oberpfälzer das Panzerbataillon Bad Frankenhausen ab. Die Soldaten gehören zur „Enhanced Forward Presence (EFP) Battlegroup“. Letztere ist ein multinationaler Gefechtsverband, von dem jeweils einer auf Beschluss der Nato in den drei baltischen Staaten und in Polen mit jeweils bis zu 1000 Soldaten verstärkte Präsenz an der Ostflanke des Militärbündnisses zeigt. Seit 2017 entsenden die 10. Panzerdivision und die ihr unterstellten Brigaden Kräfte für diesen Auftrag. Die Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“ stellt zum zweiten Mal den Großteil des deutschen Beitrags zur Battlegroup. Ein weiterer Einsatz der Pfreimder dort ist im zweiten Halbjahr 2020 geplant.

Am US-Verladebahnhof in der Vilsecker Kaserne ist dagegen genug Platz, um alle Fahrzeuge problemlos hintereinander aufzureihen, und dann einen nach dem anderen auf die bereitstehenden Waggons zu rangieren. Weiterer Vorteil: Die Kettenfahrzeuge wurden schon am Tag zuvor hergebracht und konnten über Nacht einfach im gesicherten Kasernengelände stehen bleiben.

Jetzt wird verladen. Der Brückenlegepanzer Biber macht den Anfang, es folgen elf Kampfpanzer Leopard 2, ein Pionierpanzer Dachs und zwei Bergepanzer Büffel. Sechs Eisenbahnzüge werden insgesamt über 100 Radfahrzeuge, 30 gepanzerte Kettenfahrzeuge und weiteres Spezialgerät nach Litauen bringen. Auch weiteres Material und Ausrüstung der Soldaten in 70 Seecontainern treten die Reise auf der Schiene an.

Biber reist per Bahn

Es wird etwa fünf Tage dauern, bis der Bahntransport sein Ziel, die Stadt Rukla in Litauen, erreicht hat. Ein Teil der Fahrzeuge wird dann noch umgeladen auf Lastwagen: Der Leopard 2 hat in Litauen keine Freigabe für die normalen Straßen, weil diese nicht für sein Gewicht ausgelegt sind. Dieser Panzer bringt rund 61,2 Tonnen auf die Waage.

Die Pfreimder Soldaten werden ihren Fahrzeugen in den nächsten Tagen per Flug ab Nürnberg hinterherreisen. In Rukla sind die Deutschen, die den größten Teil des dortigen multinationalen Gefechtsverbands stellen, mit weiteren Soldaten aus den Niederlanden und aus Tschechien in einer Kaserne untergebracht. Während Bataillonskommandeur Oberstleutnant Peer Papenbroock jetzt schon in Litauen ist, um am 4. Februar offiziell die Führung zu übernehmen, hält sein Stellvertreter Christian Märkl zu Hause in Pfreimd mit den dort verbliebenen rund 300 Soldaten die Stellung.

Kurze Besprechung vor dem Verladen. In der amerikanischen Kaserne in Vilseck werden die Pfreimder Panzer auf die Schiene gebracht.
Im Blickpunkt:

Gut vorbereitet

Am Tag vor der Verladung war „sein“ Leopard 2 noch mit einem Getriebeschaden liegengeblieben. Doch der konnte repariert werden, so dass auch Kraftfahrer Hardy Kreißler seinen Panzer wie geplant am Dienstagvormittag in Vilseck verladen konnte.

Keile vor und hinter den Ketten und die Bremse halten die schweren Fahrzeuge auf den Waggons fest – weitere Fixierungen sind nicht nötig. Die Tauch-Hydraulik, die den Panzer eigentlich bei Fahrten durchs Wasser „dicht“ hält, schützt ihn auch auf der Zugfahrt vor Regen und Schnee. In Litauen hat es derzeit -10 Grad.

Das Verladen erledigen Soldaten und Experten der Bahn gemeinsam. Für Oberstabsgefreiten Hardy Kreißler ist es der dritte Auslandseinsatz. In Litauen sei er zum ersten Mal, erzählt er. Über Land und Leute, und auch über spezielle Verhaltensregeln würden die Soldaten im Vorfeld informiert. „Vorbereitet sind wir gut“, sagt Kreißler. Die Verständigung im multinationalen Verband laufe auf Deutsch, Englisch und Russisch wobei Letzteres in Litauen nicht gerne gehört werde.

Abschiedsappell für Pfreimder Soldaten

Pfreimd

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