21.08.2020 - 14:06 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

100-Tage-Bilanz: Bürgermeister Christian Porsch nimmt Fahrt auf

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Seit über 100 Tage ist Christian Porsch Bürgermeister von Speichersdorf. Im Interview mit Oberpfalz-Medien erklärte er, wie sich sein Tagesablauf verändert hat und wie es beim Hausbau läuft.

Seit über 100 Tagen geht es bei Bürgermeister Christian Porsch mit dem Fahrrad zum Rathaus.
von Arnold KochProfil

Seit Anfang Mai ist Christian Porsch (Unabhängige Bürgervertretung) Bürgermeister von Speichersdorf. Er folgte direkt auf seinen Vater Manfred Porsch, der 24 Jahre an der Spitze der Gemeinde stand. Für Christian Porsch hat sich seit seinem Amtsantritt einiges geändert.

ONETZ: Wie war der Umstieg vom Büroleiter des Bezirks Oberfranken und Vorsitzenden des Kreisjugendrings Bayreuth zum Ersten Bürgermeister?

Christian Porsch: Ich hätte mir den Umstieg sogar etwas schwieriger vorgestellt. Mit vielen aktuellen Themen, die uns heute in der Gemeinde beschäftigen, musste ich mich schon in meiner zwölfjährigen Amtszeit als Gemeinderat befassen. Ich sammelte sechs Jahr Erfahrung im Bürodienst und wurde sehr gut im Rathaus aufgenommen. Ich kannte bereits alle Bediensteten und es gibt ein gutes Miteinander. Es ist schon jetzt etwas anderes, wenn man als Bürgermeister und Vorsitzender des Gemeinderates vorangeht. Mein Umstieg ist gut gelungen und mir macht mein neuer Beruf viel Freude.

ONETZ: Noch vor ein paar Monaten waren Sie Dienstanweisungsempfänger, heute sind die Weisungsbefugter. Wie sehen Sie Ihre neuen Befugnisse und den Seitenwechsel?

Christian Porsch: Ich habe jetzt größere Verantwortung, da ich die Leitlinien vorgebe und Entscheidungen treffen muss. Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Ich habe mir Zeit genommen, mit jedem der rund 60 Mitarbeiter ein Gespräch zu führen, um sie besser kennenzulernen. Ich war aber schon immer ein Team-Mensch und setze diese Einstellung auch mit meinen Kollegen im Rathaus und Gemeinderat fort. Ich setze auf Dialog und Erfahrungsaustausch. Es ist immer gut, Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Manchmal muss man auch spontan entscheiden. Dieser Verantwortung bin ich mir bewusst und das klappt bisher ganz gut soweit.

ONETZ: Wie sieht der Start in den Berufsalltag aus?

Christian Porsch: Natürlich hat sich dieser komplett geändert. Ich komme sehr leicht aus dem Bett, denn meine Arbeit macht mir sehr viel Freude. Das Frühstücken mit meiner Frau genieße ich. Damit fängt der Tag gut an. Auch mittags radle ich, wenn es die Termine zulassen, zum gemeinsamen Mittagessen nach Hause. Anstatt täglich mindestens eine Stunde im Auto zur und von der Arbeit nach Hause zu fahren, setze ich mich jetzt auf`s Fahrrad und bin in wenigen Minuten da. Es hat schon Vorteile, am Ort zu arbeiten.

ONETZ: Wie sieht Ihre Arbeitszeit aus?

Christian Porsch: Ich bin stets zu den Öffnungszeiten da und verlasse meistens als Letzter das Rathaus. Natürlich muss ich viele Außentermine wahrnehmen. Traditionell gibt es bei uns keine Bürgermeistersprechstunden. Ich stehe nach vorheriger Terminvereinbarung immer für die Bürger zu einem Gespräch zur Verfügung. Abendtermine bei Vereinen und Gruppierungen gibt es momentan Coronabedingt noch sehr wenige.

ONETZ: Sie bauen sich momentan in Selbitz ein neues Eigenheim. Warum in diesem Ortsteil?

Christian Porsch: Wir haben dort im vergangenen Jahr einen sehr schönen Bauplatz mit dem alten Schuster-Anwesen am Ortsrand mit herrlicher Aussicht gefunden. Die Schusterwerkstatt konnten wir erhalten. Das alte Wohnhaus rissen wir ab und errichten uns dort unser neues Heim. Unsere Nachbarn sind neben netten Leuten auch Schafe, Frösche, Pferde und wir genießen dort die Aussicht.

ONETZ: Was sagt ihre Frau Carolin zu ihrem neuen Amt?

Christian Porsch: Wir haben uns vor meiner Nominierung lange über dieses Thema, die Vor- und Nachteile dieses Berufes unterhalten. Durch meinen Vater (Anm.d.Red.: Altbürgermeister Manfred Porsch) wussten wir beide schon, was an diesem Amt alles dranhängt. Gemeinsam haben wir entschieden, dass es eine gute Geschichte werden kann. Es müssen aber Freiräume für die Familie bleiben. Man muss ja nicht alles so wie mein Vorgänger machen. Ich habe mir vorgenommen, die Balance zwischen Familie und Gemeinde zu halten.

ONETZ: Wie groß ist denn Ihr Engagement beim Eigenheimbau?

Christian Porsch: Hut ab vor meiner Frau, die dabei voll mit anpackt. Sie macht jetzt Vollzeitbauleiterin und will beim Wachsen unseres neuen Nestes mit dabei sein. Natürlich bin ich bei der Eigenleistung, wie beim Dachdecken, mit vor Ort. Aber es geht nicht, in den ersten drei Monaten als Rathauschef bereits mehrere Wochen Urlaub zu machen. Auch mein Sommerurlaub fällt dieses Jahr aus. Zeitlich haben wir keinen Druck, da wir derzeit zusammen mit den Familien meiner Schwester und Schwägerin in einem Haus der Familie wohnen. Grobes Ziel für den Umzug ins neue Heim ist das Jahresende.

ONETZ: Was ist aktuell Ihre größte Herausforderung?

Christian Porsch: Neben dem privaten Hausbau ist das ganz klar die Sanierung und Erweiterung der Kläranlage. Es ist schon eine Herausforderung für mich, mit dem größten Projekt in der Gemeindegeschichte zu starten. Bei einem Besuch beim Umweltminister Thorsten Glauber wurde nun die Förderung klar gemacht und grünes Licht für den Baubeginn im Herbst eingeholt. Die Erweiterung der beiden Kindergärten, der Wasserleitungsbau und die Breitband-Erschließung sind weitere große Themen.

ONETZ: Die kommunalen Bauplätze sind ausverkauft. Wie sieht`s mit neuen aus?

Christian Porsch: Im Herbst wird für das Baugebiet Plössen mit dem Großprojekt des Privatinvestors Küfner Baurecht geschaffen. Wir haben in den Ortsteilen Grundstücke im Blick, um Bauland auszuweisen. Dies gilt auch für Speichersdorf. Die Gespräche laufen.

ONETZ: Wie gestaltet sich der Kontakt zum Vater und Amtsvorgänger Manfred Porsch? Wie oft haben Sie ihn schon um Rat gefragt?

Christian Porsch: Ich rufe ihn schon an, wenn ich Infos zu Vorentscheidungen und -geschichten brauche. Die erhalte ich auch. Einmischen von seiner Seite aus gibt es nicht.

ONETZ: Wie sieht Ihr ehrenamtliches Engagement bei Vereinen künftig aus?

Christian Porsch: Ich bin schon ein Vereinsmeier. Jedoch kollidieren sehr oft die beruflichen, privaten und ehrenamtlichen Termine. Den Vorsitz beim Kreisjungendring werde ich im Herbst bei der Vollversammlung übergeben. Die INKAS-Geschäftsführung habe ich bereits weit vor Amtsantritt abgegeben. Als Abteilungsleiter Wintersport beim TSV Kirchenlaibach/Speichersdorf und Kassenprüfer bei der Landjugend Plössen werde ich weitermachen, da der Zeitaufwand tragbar ist.

ONETZ: Gibt es selbst aufgestellte Regeln im Umgang mit Bürgern und deren Problemen?

Christian Porsch: Ich habe schon immer folgende Regel befolgt, die auch weiter gilt: Wenn etwas vernünftig ist, alle Vor- und Nachteile abgewogen wurden, kann man auch mal spontan Ja sagen. Aber vieles ist komplexer. Man muss die Verbindungen ermitteln, rückfragen und sich auch mit anderen beraten. Es braucht auch Zeit, sich auf ein Gespräch vorzubereiten und Mitarbeiter beizuziehen, um eine Lösung zu finden.

Interview dem ehemaligen Bürgermeister Manfred Porsch und seinem Nachfolger und Sohn Christian Porsch

Speichersdorf

ONETZ: Waren Sie schon in den ersten 100 Tagen in einem Streitgespräch mit einem Bürger?

Christian Porsch: Mehrfach. Das gehört zum Bürgermeisteramt dazu. Auch das Nein-Sagen und Sühnegespräche sind keine Seltenheit. Ein klares Nein ist sehr oft besser, als Hoffnungen zu erwecken, die später nicht erfüllt werden können. Man kann nicht allen Wünschen nachkommen. Die Gemeinde ist auch nicht für alles zuständig und hat nur begrenzte Haushaltsmittel zur Verfügung. Dazu kommen der Gleichbehandlungsgrundsatz und die Eigenverantwortung des Einzelnen.

ONETZ: Wie ist ihr Kontakt zu den Bürgern?

Christian Porsch: Nach meiner Wahrnehmung sehr gut. Wenn man mit dem Fahrrad durch die Gemeinde fährt oder spazieren geht, wird man von Bürgern angesprochen und nimmt viel mit. Handynotizen sind deshalb unabdingbar, um nichts zu vergessen. Ich versuche, mehr Infos über den Gemeindebrief, Homepage und Facebook an die Bürger und Öffentlichkeit zu geben.
Ich habe im Wahlkampf versprochen, das Bürgermeisteramt mit großem Engagement und Herzblut zu machen. Das war in diesen ersten 100 Tagen so. Ich hoffe, dass auch die Bürger es so sehen. Ein erstes großes Lob erhielt ich beim Besuch im Umweltministerium: Als Bürgermeister, der erst 100 Tage im Amt ist, ist es schon außergewöhnlich, bereits einen Ministertermin zu bekommen. Mir macht das Amt sehr viel Spaß. Ich mache natürlich manches anders als mein Vorgänger, und freue mich auf weitere Herausforderungen.

Zur Person:

Christian Porsch ist 37 Jahre alt, wohnt in Speichersdorf und ist verheiratet. Nach dem Abitur studierte er Geschichte sowie Kommunikations- und Politikwissenschaft (M.A.). Er war Pressesprecher des Bezirks Oberfranken und Büroleiter des Bezirkstagspräsidenten Henry Schramm.

Seine Ehrenämter: Gemeinderat (seit 2008), Jugendbeauftragter der Gemeinde Speichersdorf (seit 2008), Kommunaler Klimaschutzbeauftragter (seit 2015), Vorsitzender des Kreisjugendrings Bayreuth (seit 2012), stellvertretender Vorsitzender des Bezirksjugendrings Oberfranken (seit 2018), Mitglied des Vorstands des TSV Kirchenlaibach/Speichersdorf.

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