20.04.2021 - 12:31 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Barrierefreiheit für Bahnhof Kirchenlaibach kommt

Gedenken an die Corona-Opfer. Nach jahrelangem Warten ist der nächste Schritt zur Modernisierung und Sanierung des Bahnhofsgeländes gemacht. Die Vorplanung samt eine Zusatzwunsch fand die generelle Zustimmung des Gemeinderates

Primäres Ziel der für 2025 ins Auge gefassten Umbauarbeiten ist, die Bahnsteige und das Einsteigen in die Züge barrierefrei zu gestalten.
von Arnold KochProfil

Erster Hauptpunkt der Aprilsitzung des Gemeinderates war die Vorstellung der Planungen zum barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Kirchenlaibach durch Vertreter der DB-Station und Service der Deutschen Bahn AG und des Planungsbüros Emch + Berger aus Nürnberg. Bürgermeister Christian Porsch erinnerte daran, dass die Kommune seit fast zwei Jahrzehnten nachdrücklich den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs fordere. "Behinderte, Familien mit Kindern und Reisende mit Gepäck haben es derzeit schwer, die Bahnsteige zu erreichen. Der Zugang zu den Gleisen 2 bis 5 ist für sie ohne fremde Hilfe gar unmöglich", beschrieb er die aktuelle Lage.

2017 hatte der Gemeinderat der Nutzung des die Gleisanlage überspannenden Stahlbetonsteges als neuem Bahnsteigzugang durch die Bahn AG zugestimmt. 2020 forderte man zusätzlich zur Aufzugsanlage auf Gleis 1, eine Treppenanlage zu errichten. Dies wurde jedoch bislang aus finanziellen Gründen abgelehnt. Um aber die vorhandenen Park+Ride-Parkplätze besser anzubinden, hält die Gemeinde an der Treppenanlage zum Bahnsteig am Gleis 1 fest. Die Kosten erreichen einen unteren sechsstelligen Bereich. Eine staatliche Förderung aus Städtebau- oder P+R-Mitteln wäre möglich.

Mittelbahnsteige verlängern

Die Gesamtfinanzierung des Bahnhofumbaues steht, der Baubeginn ist für 2025 geplant. Markus Fuchs vom Planungsbüro Emch + Berger aus Nürnberg stellte den Vorplanungsentwurf anhand einer 2-D- und 3-D-Animation vor. "Ziel des Bahnsteigumbaus ist, dass die Bahnsteige für jeden barrierefrei erreicht werden können und man ohne Hindernisse in die Züge einsteigen kann", erklärte der Planer. Hierzu werden die beiden Mittelbahnsteige der Gleise 2 und 3 sowie 4 und 5 umgebaut und auf 170 Meter verlängert. Damit sei man auch für Zugverlängerungen gerüstet. Die Bahnsteighöhe wird für die neuen Zuggattungen auf 76 Zentimeter eingerichtet.

Der Bahnsteig zu Gleis 1 wird auf 120 Meter Länge erweitert und mit einer Höhe von 55 Zentimeter erweitert und verschoben, um den Zugang von außen zu erleichtern. Wie Zweiter Bürgermeister Rudi Heier dazu anmerkte, bedeutet dies eine Erhöhung um 17 Zentimeter - gesehen zur Gleisoberkante. Die bestehende Fußgängerunterführung wird zurückgebaut. Zum Erreichen der Bahnsteige erhalten diese eine dreiläufige Treppenanlage und je eine Liftanlage, die an den bestehenden Bahnsteg angeschlossen werden. Diese werden mit Schrägfundamenten konstruiert, um die bestehenden Stegfundamente nicht angreifen zu müssen. Der Bahnsteig des Gleises 1 erhält eine Liftanlage und kann über eine Rampe barrierefrei erreicht werden. Die Bahnsteigüberdachungen werden zurückgebaut, was Roland Steininger (UBV) und Claudia Fischer (SPD) als Rückschritt erachteten. Als Ersatz sind jeweils zwei neue, 4,5 mal 1,5 Meter große Wetterschutzhäuser auf den beiden Mittelbahnsteigen vorgesehen.

Zugang vom P+R-Parkplatz

Der Wunsch der Gemeinde, auch den Bahnsteig für das Gleis 1 mit einer Treppenanlage zu erreichen, um den Zugang dorthin zu verkürzen, kann auf deren Kosten erfüllt werden. Der Unterhalt obliegt der Gemeinde. Der P+R-Parkplatz erhält einen Zugang zur Anlage. Hierzu ergänzte Porsch, dass die Gemeinde auf dem kürzlich erworbenen Bahngrund weitere Behindertenparkplätze anlegen wird. Zudem wird sie die Zugangsbereiche anpassen.

Der Gemeinderat nahm den vorgestellten Planungsentwurf der Bahn AG zustimmend zur Kenntnis. Er beharrte dabei auf seinem Wunsch, den Bahnsteig zu Gleis 1 zusätzlich zum Aufzug mit einer Treppenanlage erreichbar zu machen. Entsprechende Förderanträge dafür sind durch die Gemeindeverwaltung zu stellen.

"Behinderte, Familien mit Kindern und Reisende mit Gepäck haben es derzeit schwer, die Bahnsteige zu erreichen. Der Zugang zu den Gleisen 2 bis 5 ist für sie ohne fremde Hilfe gar unmöglich."

Bürgermeister Christian Porsch

"Wir möchten uns auch als Gemeinde an der bundesweiten Gedenkaktion des Bundespräsidenten beteiligen. Unsere beiden Kirchen haben gestern durch das gemeinsame Läuten aller Glocken dafür ein akustisches Zeichen gesetzt", hatte Bürgermeister Christian Porsch zuvor noch vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt. Nachdem sich Gremium und Zuhörer zu einer Gedenkminute erhoben hatten, erinnerte das Gemeindeoberhaupt an die 80.000 Deutschen, drei Millionen Weltbürger sowie 20 Speichersdorfer, die der Corona-Pandemie bis jetzt zum Opfer gefallen sind.

Viele Gespräche mit der Bahn AG

Speichersdorf

Er verwies auf die mit Corona einhergehenden täglichen Belastungen für Familien, Pflegekräfte, Wirtschaft, Kultur und Vereine. Porsch rief dazu auf, nicht den Mut und die Zuversicht auf Rückkehr zu einem normalen Leben zu verlieren. "Verhalten wir uns solidarisch, geben wir weiterhin aufeinander Acht und schützen wir uns und unsere Mitmenschen", wünschte er sich.

Einen Entwurf für die geplanten Maßnahmen erläuterte Markus Fuchs anhand einer 2-D- und 3-D-Animation.
Hintergrund:

Keine Förderbänder fürs Gepäck

Eine rege Diskussion mit entsprechenden Anfragen aus dem Gremium ergab sich zur Bahnsteigausstattung:

  • Wie Hans Schmid (FWG) festhielt, erhalten die neuen Treppenanlagen zu den Bahnsteigen keine Überdachung und auch keine Förderbänder für das Reisegepäck. Der Aufzugschacht hat eine Standfläche von 2,70 mal 2,25 Meter, die Kabine reicht für rund sechs Personen.
  • Rudi Kirchberger (UBV) fasste zusammen: Der Zugang zum Aufzug zu Gleis 1 wird verbreitert und führt unter der Treppe mit einer Höhe von 2,5 Metern hindurch. Von den Behindertenparkplätzen führt eine Rampe zum Aufzug. Die Restbreite zwischen Gleisschacht und Aufzug auf den Steigen beträgt 1,2 Meter. Die Zugangsbereiche und Bahnsteige erhalten ein Leitsystem für Blinde an den Zugängen, Treppen und Aufzügen. Dies sollte im Außenbereich fortgesetzt werden. Die Bahnsteige erhalten entlang der Bahnsteigkante ein taktiles Leitsystem. Die Anschlussbereiche der Zugänge werden dem Bestand angepasst.
  • Laut Gernot Hammon (FWG) muss die Gemeinde mit Treppenbaukosten von bis zu 150 000 Euro rechnen. Dafür sei eine Förderung von rund 60 Prozent möglich. Die Treppenzugänge zu den Mittelbahnsteigen werden in Betonfertigteilbauweise erstellt. Außenbahnsteige ohne Fußgängerunterquerung können kostengünstiger auch in Stahlbauweise errichtet werden.
  • Bürgermeister Christian Porsch ergänzte, dass für die Gemeinde auch die Erneuerung des Stegbelages zumindest im südlichen Bereich erforderlich ist.
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