13.07.2021 - 14:12 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Mehrgenerationenhaus in Speichersdorf: Jung und Alt unter einem Dach

Es war erst die zweite Sitzung des nach der Kommunalwahl 2020 gegründeten Sozialausschusses. Auf der Tagesordnung stand ein Zukunftsprojekt für das Wohnen und Leben in Speichersdorf.

Der Isek-Bereich umfasst hauptsächlich das unbebaute Areal in der Ortsmitte zwischen Bahnhof und Sportarena. Dort könnte auch das Mehrgenerationenhaus entstehen
von Arnold KochProfil

Durch die Alterung der Gesellschaft rücken die Themen barrierefreies Wohnen und Betreuungsplätze für Senioren immer mehr in den Mittelpunkt. Diesem sozialen Betätigungsfeld will sich das Konzept "Mehrgenerationenhaus Speichersdorf" annehmen.

Hierzu begrüßte am Montagabend Bürgermeister Christian Porsch Architekt und Ideengeber Daniel Brehm, der auch dem Bahnhofsgebäude neues Leben einhauchen will. "Der große Sozialraum Gemeinde umfasst ein großes Betätigungsfeld von der Kinder- bis zur Seniorenbetreuung", erklärte der Rathauschef eingangs. Er erinnerte an die Ratsentscheidung, ein integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (Isek) für den zentralen Ort unter Einbindung der Bürger, Vereine und Verbände zu erstellen und darin Projekte zu kreieren und zu verwirklichen. Insbesondere der Bereich zwischen Bahnhof und Sportarena rückt dabei in den Fokus.

Neue Wohnformen entwickeln

Daniel Brehm berichtete von eigenen familiären Erfahrungen mit dem Alter und die daraus erwachsenden Bedürfnisse der Senioren. Daraus versuchte er, Ideen für neue Wohnformen zu entwickeln. Mit dem Mehrgenerationenhaus sollte eine Mittelstation zwischen Pflege zu Hause in der Familie und Pflegeheim das gemeinsame Älterwerden erleichtern. "Mein erklärtes Ziel ist es, bezahlbares Wohnen zu ermöglichen und daraus einen Bonus für unsere Gesellschaft zu gewinnen", meinte Brehm. Im Mehrgenerationenhaus (MGH) sollen überwiegend kleine Wohneinheiten mit 35 bis 55 Quadratmetern Wohnfläche, aber auch große Familienwohnungen mit rund 130 Quadratmetern entstehen. Als Standort wünschte er sich eine Fläche im Bereich des geplanten Mehrgenerationenparks im Isek-Bereich nördlich des Spielplatzes. Damit würde ein Treffpunkt in ruhiger, zentraler Lage entstehen.

Die Wohneinheiten in vier Geschossen mit Keller/Tiefgarage sind kompakt, deren Größe von außen nicht sichtbar, mit Gemeinschaftsbereich und Lift geplant. Die Fassade des 20 mal 40 Meter großen Gebäudes ist gegliedert und begrünt und umfasst insgesamt 28 Wohneinheiten. Es sind Einzel-, Doppel-, Familien- und Wohngemeinschaftsbelegungen möglich. Die Miete soll unter dem Durchschnitt und die Erstellkosten sollen unter 3000 Euro pro Quadratmeter liegen.

Seine Firma Jadem aus Weidenberg würde als Hauptinvestor mit einem Volumen von zwei bis drei Millionen Euro auftreten und für Realisierung, Kostenmanagement und Gebäudeer- und -unterhalt sorgen, führte Brehm aus. Ein neuer Bewohnerverein besichtige funktionierende Projekte, verwalte und gestalte mit. Er spreche bei der Wohnungsbelegung mit und sorge für die Programmplanung und soziale Integrationsarbeit. Das Projekt solle auch von Förderern durch Wohnungskauf oder Darlehen mit Zusage zur späteren Eigennutzung bei einer geplanten Rendite von rund sechs Prozent mitfinanziert werden.

Positive Gespräche

Im MGH sollen sich Jung und Alt gegenseitig unterstützen, ein soziales Miteinander unter Einbringen eigener Fähigkeiten schaffen und mit gemeinsamen Veranstaltungen über das MGH hinaus auf die Bürgerschaft wirken. „Die bisher geführten Gespräche mit Kirchen, Pflegeeinrichtungen und Verbänden waren sehr positiv. Das Projekt muss Erfahrungen sammeln, wachsen. Konzept und Konstellation in der Gemeinde passen. Es braucht auch Offenheit für andere Wertvorstellungen. Menschen sind auf Gemeinschaft angewiesen“, so Brehm.

Auf Anfrage von Rudi Kirchberger (UBV) erklärte Brehm, dass im MGH sechs Familienwohnungen mit mehreren Kinderzimmern mit rund 130 Quadratmetern geplant und die Standardwohneinheiten mit einer Einbauküche möbliert sind. Die abschließbaren Garagen können auch als Hobbykeller genutzt werden. Zum Einwand von Zweitem Bürgermeister Rudi Heier (SPD), einen anderen Standort zu wählen, ergänzte das Gemeindeoberhaupt, dass zunächst alle Ideen im Isek gesammelt und deren Standorte dort näher beleuchtet werden. Eine erste Auftaktveranstaltung findet dazu im Herbst statt. Matthias Busch (CSU) stellte die Tiefgarage aus Kostengründen infrage. Die Anfrage von Ursula Hörath (UBV) zum Eigentumserwerb bejahte Brehm, wies jedoch darauf hin, dass es Leerstand für spätere Eigennutzung zu verhindern gelte. Eine hohe Wohndichte fördere soziale Kontakte. Annke Gräbner (SPD) wollte die erwartete Miethöhe wissen. Diese soll rund neun Euro/Quadratmeter Wohnfläche, demnach rund 250 Euro (Wohnung) warm betragen. Insgesamt stellte der Ausschuss abschließend fest, dass eine weitere öffentliche Diskussion erwünscht ist und die Interessierten Kontakt mit der Gemeinde aufnehmen sollten.

Impfkampagne

Beim Thema Bekanntgaben berichtete Porsch von der Impfkampagne des Landkreises, die seit einiger Zeit auch von den Hausärzten unterstützt wird. "Ich bin mittlerweile geimpft und hab's gut vertragen", ergänzte er. Die Gemeinde wird dafür werben.

Corona-Beschränkungen

Zu den Pandemie-Beschränkungen erklärte Porsch, dass diese insbesondere im Hinblick auf Aktionen der Vereine und Verbände mit Gruppen stark gelockert wurden. Genaueres erfahren die Verantwortlichen bei der Zusammenkunft zur Gestaltung des Ferienprogrammes.

Der Gemeinderat hat sich bereits Anregungen für ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept geholt

Speichersdorf

"Mein erklärtes Ziel ist es, bezahlbares Wohnen zu ermöglichen und daraus einen Bonus für unsere Gesellschaft zu gewinnen."

Architekt Daniel Brehm

Architekt Daniel Brehm stellte dem Sozialausschuss sein Konzept vor.

 

 

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