07.10.2020 - 12:55 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Speichersdorf: Flurdenkmal-Schutz in Buchform

In Flurdenkmälern sieht Werner Veigl "bedrohte Zeugen der Geschichte". Um sie vor dem Vergessen zu bewahren, hat der Heimatforscher 106 in der Gemeinde Speichersdorf dokumentiert. Daraus ist ein Buch entstanden, dass er nun vorgestellt hat.

Knapp 250 Seiten mit 106 Denkmälern umfasst das Buch „Flur- und Kleindenkmäler im Gebiet der Gemeinde Speichersdorf“ des Heimatforschers Werner Veigl (Zweiter von rechts). Er stellte es im Dorfgemeinschaftshaus in Plössen zusammen mit (von links) Pfarrer Sven Grillmeier, Altbürgermeister Manfred Porsch, Simone Walter, Verleger Eckhard Bodner und Bürgermeister Christian Porsch der Öffentlichkeit vor.
von Hubert BrendelProfil

Nach über zehnjähriger, aufwendiger und akribischer Arbeit hat Heimatforscher Werner Veigl im Dorfgemeinschaftshaus in Plössen das Buch "Flur- und Kleindenkmäler im Gebiet der Gemeinde Speichersdorf" präsentiert. Auf knapp 250 Seiten sind 106 Klein- und Flurdenkmäler detailliert beschrieben, bildlich dargestellt und die geschichtlichen Hintergründe präzise dokumentiert.

Bei der Vorstellung erinnerte Bürgermeister Christian Porsch daran, dass der Gemeinderat 2019 unter seinem Amtsvorgänger Manfred Porsch beschlossen hat, die Herausgabe dieses Buches umzusetzen. Mit der ehemaligen Denkmalschutzbeauftragten (2009 bis 2019) und Zweiten Bürgermeisterin Simone Walter hat Veigl 2009 mit der Bestandsaufnahme der Denkmäler begonnen. Für den Autor des Buches sind Flurdenkmäler "echte Zeugnisse des menschlichen Lebens und bleibende Erinnerungen an vergangene und vergehende Generationen. Sie sind mitunter auch Merk-Male erlittener Angst und Not, aber auch glücklicher Erlösung aus hoffnungsvoller Lage".

Pfarrer schreibt Vorwort

Porsch lobt Veigls Arbeit und würdigte sie mit einem kulinarischen Geschenkgutschein. Gleiches galt für Simone Walter. Ihr überreichte der Rathauschef einen Blumenstrauß sowie ein Geschenk aus der heimischen Porzellanfabrik, ehe sie bei einer eindrucksvollen Power-Point-Präsentation in dem heimatgeschichtlichen Buch blätterte. Zu diesem hat Pfarrer Sven Grillmeier, der auch an der Buchpräsentation teilgenommen hat, ein Vorwort verfasst.

Dokumentiert sind darin neben Flur- und Kleindenkmälern, Marterln, Stein- und Wegekreuzen, Grenzsteinen und Ehrenmälern auch Gedenksteine, darunter an den erfolgreichen Motorkunstflugpiloten Manfred Strößenreuther, sowie das päpstliche Kreuz. Enthalten sind zudem Dorfkapellen, wobei die Kapelle in Selbitz wegen ihres einzigartigen Charakters in Deutschland zu erwähnen ist: Sie war vorher eine Trafostation. Auch die Siegeseiche in der Dorfmitte in Windischenlaibach bleibt nicht unerwähnt. Sie gilt als das einzige Baumdenkmal in der Gemeinde, das in der Naturdenkmalliste eingetragen ist.

Auflage von 300 Stück

Wie Bürgermeister Christian Porsch informierte, wurden von dem Heimatbuch 300 Exemplare gedruckt. Die Kosten bezifferte er auf 4770 Euro. Erhältlich sei es beim Verlag Eckhard Bodner in Pressath, in weiteren Buchhandlungen sowie im Speichersdorfer Rathaus. Bodner dankte der Kommune für die tolle Zusammenarbeit und gratulierte ihr zu dem engagierten Heimatforscher. Nach seinen Worten sei es ein Vorbildbuch. Altbürgermeister Manfred Porsch würdigte die intensive Arbeit zur Erfassung und Dokumentation der Klein- und Flurdenkmäler durch Veigl und Walter.

Mit "Bedrohte Zeugen der Geschichte" umschrieb Veigl seine Arbeit und sein Engagement über einen Zeitraum von elf Jahren, die Klein- und Flurdenkmäler in der Gemeinde Speichersdorf zu erforschen. Über deren Historie sei schon sehr viel verlorengegangen, bedauerte er. Oft sei er auf mündliche Überlieferungen angewiesen gewesen. Bevor diese Zusammenhänge in Vergessenheit geraten, habe er mit seiner Nichte Simone Walter zusammengetragen, was noch greifbar war.

Der Brauch, am Wegesrand Zeichen des Glaubens, Andenkens, Mahnens, der Dankbarkeit oder Freude zu setzen, blieb über Generationen seit dem Mittelalter erhalten, verdeutlichte er. "Damals wie heute haben diese Kleindenkmäler für uns Menschen große, persönliche Bedeutung. Sie erzählen von den Schicksalen Einzelner, von Familien, von der Gemeinde oder einer ganzen Region."

Ausdruck des Glaubens

So wurden Wegkreuze, Martern und Bildstöcke nicht nur zur Verschönerung der Landschaft aufgestellt, sie sind Ausdruck eines lebendigen Glaubens. Zwischen 30 000 und 40 000 Flurdenkmäler aller Art gibt es nach Schätzungen des "Arbeitskreises für Flur- und Kleindenkmalforschung" in der Oberpfalz. Diese seien unwiederbringlich sowie einzigartig und sind deshalb besonders schützenswert. Denkmale zu schützen bedeute, die kulturelle Identität zu bewahren, aber auch die Geschichte lebendig zu erhalten.

Ausführlicher über die Arbeit an seinem Buch äußert sich Werner Veigl in einem Interview

Speichersdorf

Der Heimatforscher unterstrich: "Mit der Herausgabe dieses Buches hat die Gemeinde für die Erhaltung dieser sakralen Objekte, die wertvolle Elemente in unserer Kulturlandschaft sind, einen wesentlichen Beitrag geleistet." Es sei keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein Heimatbuch, das dazu beitrage, die Geschichte der Heimat vor dem Vergessen zu bewahren. Für ihn sei die Dokumentation ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der Volksfrömmigkeit und Heimatgeschichte. Es werde für die Erhaltung dieser Denkmäler eine wesentliche Hilfe darstellen. Abschließend dankte er seiner Nichte Simone Walter für die über elfjährige vorbildliche Zusammenarbeit

Zu den Klein- und Flurdenkmäler in der Gemeinde Speichersdorf gehört auch das Wegkreuz nördlich von Haidenaab unter drei Linden.
Einst Trafostation, jetzt ist es die Dorfkapelle in Selbitz.
Das einzige Baumdenkmal in der Gemeinde Speichersdorf, das in der Naturdenkmalliste eingetragen ist, die mächtige Siegeseiche in der Dorfmitte in Windischenlaibach.
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