22.07.2019 - 09:38 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Bezauberndes "Classic Open Air"

Eine Zaubermischung "leichter Musi" wird in Speinshart angekündigt. Wiener Glückseligkeiten und musikalische Ohrwürmer. Und das an einem lauschigen Sommerabend. Da heißt es nur noch: Augen zu und genießen.

Erneut beeindruckt in Speinshart das mächtige Ensemble des Neustädter Salonorchesters mit Maestro Nico Dick mit musikalischen Spezialitäten aus der Wiener Doppelmonarchie.
von Robert DotzauerProfil
Mit Sopranistin Eva Danzl unternimmt eine echte Kosmopolitin emotionale Höhenflüge in die Welt an der schönen blauen Donau. Rechts im Bild Dirigent Nico Dick.
Für über 500 Besucher wird das "Classic Open Air" im Innenhof der Prämonstratenser-Abtei Speinshart zu einem musikalischen Wohlfühlabend.

Einen unbeschwerten Abend mit viel Wiener Schmäh und feurigen ungarischen Tänzen genossen am Samstag die über 500 Besucher beim „Classic Open Air“ mit dem Salonorchester Neustadt/WN. Klingende Grüße aus der Welt einer ehemals schillernden Doppel-Monarchie und aus einer unwiederbringlichen musikalischen Epoche mit Komponisten von Weltruf bescherten der riesigen Hörerschaft im Innenhof der Abtei Musik zum Träumen. All diese Komponenten verhalfen zu einer ungeahnten Gelöstheit, die das Publikum für die Darbietungen der über 40 Streicher, Bläser und Perkussionisten noch hörbereiter machte.

Der Weg zu Herzenslust und Seelenmassage war am Samstag in der Prämonstratenser-Abtei bestens präpariert. Die charmante und kundige Moderatorin Maria Hirsch beschrieb ihn mit einer Überlieferung des antiken griechischen Philosophen Platon: „Musik und Rhythmus finden ihren Weg in die geheimsten Winkel und Plätze der Seele.“ Diese aufzuspüren begann das Ensemble um den souveränen Maestro Nico Dick mit dem schneidigen US-Marine-Marsch „Semper Fidelis“ von John Philip Sousa. Dann hieß es Singen, Lachen, Tanzen. Das gut aufgelegte Salonorchester bot in der Folge Walzer und schnelle Polkas. Immer im Blick: Der Frauenschwarm Johann Strauß (Sohn). Der typische Wiener Klang hielt Einzug mit dem „Krapfenwaldl“. Vogelstimmen und der Kuckuck vertrieben die kreisenden Klosterschwalben und bei der „Pizzicato Polka“, von Strauß in der Zarenhauptstadt Sankt Petersburg komponiert, verwandelten sich die Geigen in Zupfinstrumente.

Urwüchsige Freude am Musizieren wurde erkennbar bei all den „Dorfkindern“ in Emmerich Kálmáns Lieblingsmelodien. Doch der Ungar musste auch Heimatlosigkeit erfahren. Schwermut bestimmte zunächst in den „Dorfkindern“ die Musik. Schließlich demonstrierte das Ensemble mit einem lebensbejahenden Dur-Charakter Zukunftshoffnung. Es folgte der feurige Auftritt von Solistin Eva Danzl. Mit außergewöhnlicher Ausstrahlung betonte die Sopranistin die Wiener Gefühlswelt mit „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“, der Komposition eines mutigen Mannes. Robert Stolz war fünf Mal verheiratet. Es war nicht nur der Schwung der Melodie, sondern auch die temperamentvolle Note von Eva Danzl, die das Publikum begeisterte. Im „Bitte schön, Polka francaise“ von Johann Strauß (Sohn) setzte das Orchester weitere Akzente auf hohem Niveau.

„Leise, ganz Leise“ klang es dann durch den Innenhof des Klosters. Eva Danzl mit einer Arie von Oscar Straus, dem Namensvetter von Johann Strauß nur mit einfachem „s“ geschrieben, einer der bedeutendsten Vertreter der "silbernen Operette", galt das innige Lauschen der Hörerschaft. Es folgten musikalische Gassenhauer mit großer Phrasierungskunst und beachtlicher Feinabstimmung. Urwüchsige Freude am Musizieren, bereichert von Maria Hirsch mit humorvollen Geschichten und Anekdoten, die das Leben schrieb, wurde beim weiteren bunten Reigen vertrauter Melodien erkennbar.

Glanzpunkte setzten die „Faschingskinder“ von Carl Michael Ziehrer und Karl Komáks „Bad’ner Madeln“. Musikalisch verwandelte sich schließlich der riesige Innenhof des Klosters in eine Zirkusarena. Strahlende Fanfarenklänge verkündeten den „Einzug der Gladiatoren“, dem weltberühmten Marsch von Julius Fucik, Militärkapellmeister der österreichisch-ungarischen Armee. Ein effektvoller Abschluss eines bezaubernden "Classic Open Air".

Zu den vom Publikum stürmisch geforderten Zugaben gehörte der Charme von Peter Kreuders langsamem Walzer „Sag beim Abschied leise Servus“ mit Eva Danzl als Solistin. Augenzwinkernd kündigte Maria Hirsch zudem einen Hit aus dem Musical „Mamma mia“ an. Zur Verneigung vor allen Müttern, wie sie sagte. Auf ein "Servus" in Speinshart hofft die treue Hörerschaft auch im nächsten Jahr. Die Musiker verzichteten wieder auf jegliche Gage zugunsten des Klosters. In der anschließenden Begegnung setzte sich bei Klosterbier und Frankenwein die beschwingt heitere Stimmung fort.

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