Speinshart
03.08.2026 - 12:18 Uhr

Festival junger Künstler Bayreuth beeindruckt in Speinshart mit "barocken Affekten"

Ein emotionaler Abend eröffnete das 76. Festival junger Künstler Bayreuth in der Klosterkirche Speinshart: Radoslava Vorgic und Rafael Arjona Ruz entführten in die Klangwelten des Barocks, mit Liedern voller Sehnsucht und Leidenschaft.

Zum Auftakt des 76. Festivals junger Künstler Bayreuth ist es längst Tradition, die Konzertreihe an vorderster Stelle auch in Speinshart zu starten. Die Verantwortlichen der Internationalen Begegnungsstätte als Gastgeber freuten sich über einen Liederabend mit der serbischen Künstlerin und dem spanischen Gitarristen Rafael Arjona Ruz (Laute und Barockgitarre).

„Ich sehne mich nach einer sanften Zurückweisung. Und wenn es hier Engel gibt, so befindet sich der Engel, den ich liebe, jenseits des Unmöglichen“: Engel gab es genug in der Klosterkirche Speinshart, die die Sehnsüchte von Sopranistin Radoslava Vorgic (Serbien) hätten stillen können. Engel-Heerscharen aus der üppigen Barockausstattung des Kirchenraumes beobachteten die Szenerie unten im sakralen Umfeld. Vielleicht gab es ja auch Engel in den gut besetzten Kirchenbänken.

Leidenschaftlicher Auftakt

Es war ein leidenschaftlicher Auftakt der Festivals im Klosterdorf. Radoslava Vorgic weckte die Träume vieler Komponisten mit exquisitem Gesang, facettenreich vom Gitarrenvirtuosen begleitet, zu neuem Leben. Inspiriert vom Festivalthema „RE:SONANZ" verstand es das Duo, in feinfühliger Harmonie die Klangwelten der Liebe aus dem frühen italienischen und spanischen Barock in den Kirchenraum zu zaubern.

Oft klang diese Zweisamkeit geheimnisvoll. Die Liedbeiträge handelten von Sehnsucht, Verlust, Erinnerung, Tränen des Schmerzes und Glücksmomenten des Wiedersehens. Jedes Stück dieses „Liebesgeflüsters“ hatte emotionale Tiefe und eröffnete neue Perspektiven auf universelle menschliche Empfindungen: Ja, wenn die Liebe blüht, blühen auch die Phantasien der Zuhörer.

Spanischer Saitenzauberer

Die Übersetzung auf dem von der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart veteilten Begleittext vor Augen lauschte auch die Hörerschaft andächtig und genussvoll den ausdrucksstarken Liederzyklen, beginnend mit dem „liebenden Heraklit“ aus L'Eraclito amoroso von Barbara Strozzi (1619-1677) bis zur berührenden und hoffnungsvollen Botschaft „Liebe, Schicksal, Welt, Verhängnis und Glück erhoben meine Hoffnung hoch auf den Flügeln meiner Gedanken“ aus Ay fortuna cruel von Esteban Daza (1537-1591). Eine berührende Lied-Folge, sentimental, offen und erfrischend mit Liebe als unendlich Ding. Wirkungsvoll fügte sich der kongeniale und perlende Saitenzauber des spanischen Perfektionisten Rafael Arjona Ruz in das Gesamtbild des Konzerts ein.

Gefesselt von dieser geheimnisvollen musikalischen Zweisamkeit honorierte die Hörerschaft die „barocken Affekte“, so der Konzerttitel, mit viel Beifall. Voraus ging dem Eröffnungskonzert eine Einladung von Elisabeth Fichtner, Geschäftsführerin der Internationalen Begegnungsstätte, zu den vier weiteren Konzerten des Festivals und eine Vorstellung internationaler Mitwirkender des Festivaltreffens aus dem Iran, aus Slowenien, China und Australien durch Intendantin Sissy Thammer. Verbunden war dies mit dem Credo, die Plattform des Festivals junger Künstler als Brücke für eine offene und freie Gesellschaft zu nutzen.

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