17.06.2019 - 12:09 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Gipfeltreffen für Volkslieder

Sanges- und Spielkunst vom Feinsten genießen am Sonntag die Besucher des Liedernachmittags in Speinshart. Zwei junge Künstler zeigen, was in ihnen steckt. Immerhin kommen sie mit der Empfehlung als Bundessieger nach Speinshart

Eine Kostprobe ihres Könnens bieten zwei aufstrebende junge Musiker, die ihr musikalisches Rüstzeug in der Talentschmiede der Regensburger Domspatzen erhielten. In Speinshart beeindrucken Tenor Leon Dreher und Alexander Feih am Klavier mit Liedern der deutschen Romantik
von Robert DotzauerProfil

Was wäre die deutsche Romantik ohne Wandern, Wald und Lindenbaum, wilde Jagd und Hörnerklang, verschmähte Liebe, Eifersucht, Enttäuschung, Mädels mit Rosenmund und Männersang? Hand aufs Herz. Nur halb so schön. Das dachten sich auch Leon Dreher und Alexander Feih. Und so haben sich die zwei zusammengetan, um einige der charakteristischten romantischen Kompositionen für Klavier und Männerstimme mit Spielfreude, Leidenschaft und viel Charme vorzutragen.

Die Begegnung mit den ehemaligen Mitgliedern der Regensburger Domspatzen wurde in Speinshart zu einem Gipfeltreffen für Volkslieder. Das rundum grandiose Klangerlebnis geriet im wiederum vollbesetzten Musiksaal der Internationalen Begegnungsstätte zu einer Lustbarkeit für Herz und Ohren. Natürlich kann man sich von manchem Text, von großen deutschen Dichtern und Denkern geschrieben, aus heutiger Sicht distanzieren. Doch die romantische Verklärtheit, die in den Liederzyklen eines Franz Schubert, Robert Schumann, Hugo Wolf oder Johannes Brahms zum Tragen kommt, verzückt viele Zeitgenossen stets aufs Neue.

In Speinshart wurden Dom-Tenor Leon Dreher und Alexander Feih am Klavier in diesem unerschöpflichen Bestand an Gedichten und Liedern, die seit der Renaissance in Deutschland getextet und komponiert wurden, schnell fündig. Aus diesem gewaltigen poetischen Universum, das Gedanken und Gefühle der Dichter und Komponisten als Wort und Ton fortklingen lässt, lag in Speinshart vor den Interpreten und dem Publikum ein romantischer Liedernachmittag per Excellence. Im Zusammenklang mit der faszinierenden Lyrik brillierten die Liedvorträge mit zum Teil tiefer Melancholie. Die „jungen Sterne“ am Musikhimmel verstanden es, mit packender Gestaltungskraft auf eine Reise durch das Liedgut der deutschen Romantik zu gehen.

Schon bei Franz Schuberts großem Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ mit dem von Schubert vertonten Schmerz des Müllerburschen und seinem Trost in der Musik nahm Tenor Leon Dreher die 200 Jahre alte Geschichte in den Blick. Schon jetzt waren die Klasse und die hohe Güte des Tenors und seines Begleiters am Piano in jeder Faser zu spüren. Am Klavier erlebten die Besucher dann den jungen Künstler Alexander Feh, der gekonnte das Intermezzo der insgesamt 5 Fantasiebilder des „Faschingsschwank aus Wien“ von Robert Schumann nachzeichnete. Als junger Schumann hatte der Komponist offenbar ein besonderes Verhältnis zu Karneval und Spaß. Vergnügen bereitete der Vortrag jedenfalls dem Pianisten mit zündenden musikalischen Fantasien.

„Wie viele Zeit verlor ich, dich zu lieben“, hieß es dann. Die Sieger im Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ in der Kategorie „Duo Kunstlied“ wandelten im „Italienischen Liederbuch“ des Komponisten Hugo Wolf. Dem Liebesleben des Zyklus dramaturgisch angepasst, erklangen Verse voll sinnlicher Wärme. Dem Wolf’schen Liedkosmos entsprach auch die „Verschwiegene Liebe“, der Leon Dreher mit hinreißenden Tongebungen, mal kokett mal verführerisch begegnete.

Der spannende Melodienbogen setzte sich auch nach dem Pausen-Secco fort. Mit großem Atem in Verbindung mit schmeichelnden Timbres erklangen hinterfragend und vokal fein nuanciert, manchmal mit schelmischer Zweideutigkeit, „Deutsche Volkslieder“ von Johannes Brahms. „Mein Mädel hat einen Rosenmund“, „Es steht ein Lind“ oder „Da unter im Tale“ berührten fortan die Besucher. Die Leidenschaft der Romantik spiegelte sich schließlich in Brahms „Rhapsodie, Op. 79“ wieder, die Pianist Feih mit mitreißender Feinzeichnung und schwingender Leichtigkeit vortrug. Sahnehäubchen kamen obendrauf. Zärtlich setzte sich noch einmal Dreher mit Brahms „Feldeinsamkeit“ oder „Wie bist du, meine Königin“ in Szene und ließ diesem romantischen Konzertnachmittag freien Lauf. Die Hörerschaft war hin und weg. Zwei Zugaben mussten sein.

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