23.08.2020 - 11:17 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Mobilfunkmast im Wald umstritten

Die Telekom plant einen Mobilfunkmast im Wald. Damit soll der Handyempfang in Speinshart besser werden. Für einige Gemeinderäte dennoch eine beunruhigende Vorstellung. Sie argumentieren mit der Strahlenbelastung.

Auf einem Waldgrundstück der Gemeinde (im Hintergrund) plant die Telekom etwa 250 Meter westlich von Haselhof einen Mobilfunkmast. Dagegen regt sich im Gemeinderat Widerstand.
von Robert DotzauerProfil

Zwischen Haselhof und Münchsreuth will die Telekom einen Mobilfunkmast aufstellen. Im Speinsharter Gemeinderat sind die Meinungen dazu gespalten, wie in der Sitzung am Donnerstag deutlich geworden ist.

Für Bürgermeister Albert Nickl war die Situation klar. „ Die Qualität des Telefonierens über Funk ist in Speinshart ganz unterschiedlich“, sagte der Gemeindechef. Teilweise sei die Handynutzung in Teilen des Ortes gar nicht möglich. Albert Nickl sprach in der Gemeinderatssitzung von „weißen Flecken“, die es zu beseitigen gebe. Dieser Auftrag sei den Funknetzbetreibern auch vom Bund vorgegeben, um einen flächendeckenden Empfang zu garantieren. In diesem Sinne seien auch die Planungen der Telekom zu verstehen, das LTE-Netz zügig auszubauen, um die Versorgung zu verdichten und Funklöcher zu schließen.

Für neuen Standard rüsten

Nickl informierte den Rat über einen Vorschlag der Telekom, die Versorgungsqualität für Speinshart mit einem Mobilfunk-Standort im Gemeindewald bei Haselhof zu verbessern. Geplant sei zudem im Rahmen der Telekom-Funkplanung eine Antenne am Aussichtsturm des Rauhen Kulms. „Wenn beides kommt, wird sich auch die Handynutzung im Gemeindegebiet stark verbessern“, urteilte der Bürgermeister. Dieser Entwicklung könne man sich nicht entziehen. Zudem steige die übertragene Datenmenge von Jahr zu Jahr, wie auch in der Coronakrise zu beobachten sei. Auch mit Blick auf das 5G-Netz als künftigen Kommunikationsstandard sei der geplante Mobilfunk-Mast zukunftsweisend.

Nickl berichtete über erste Erkundungen des Kommunikationsriesen mit einer vorläufigen Standortauswahl etwa 250 Meter westlich von Haselhof in einem Waldgrundstück der Gemeinde. Nickl sprach von einer geplanten Masthöhe von etwa 40 Metern. Bei einer durchschnittlichen Baumlänge von 25 Metern sei der Funkmast wenig auffallend und weit genug von der Ortschaft Haselhof entfernt. „Ein guter Vorschlag der Telekom“, wie der Sitzungsleiter ergänzend anmerkte. Der Vertragsentwurf zur Nutzung des Waldgrundstücks sehe eine Laufzeit von 15 Jahren mit drei Verlängerungsmöglichkeiten um jeweils 5 Jahre vor.

Telekom zahlt Pacht

Als Zeitrahmen für Planung, Genehmigungsverfahren und Abstimmungen mit den Anliegern nannte Nickl eine Inbetriebnahme bis spätestens 2022. Als Pachtgebühr sollen in die Gemeindekasse jährlich 2400 Euro fließen. Dynamisierungen sind eingeplant. Damit werde aus dem Grundstück eine wirtschaftlich werthaltige Fläche, stellte der Bürgermeister fest und empfahl dem Gremium, dem Bau des Funkmastes grundsätzlich zuzustimmen und ihn, Nickl, zum Vertragsabschluss zu ermächtigen.

Für den Bürgermeister unerwartet kamen aus dem Gremium Zweifel an der Umweltverträglichkeit des Projekts. Besonders der Gesundheitsschutz stand im Fokus der folgenden Diskussion. Gabriele Scherl sorgte sich um die Gefahren durch elektromagnetische Felder. „Da bin ich nicht voll dabei“, erklärte die CSU-Gemeinderätin und verwies wegen der Nähe zur Wohnbebauung und der Tierhaltung auf die Gefahren für Mensch und Tier. Auch Josef Rupprecht empfahl, einen Standort weiter weg von Ortsteilen zu suchen, um Strahlenbündelungen abzuschwächen. „Die Funkwellen beeinträchtigen sogar Melkroboter“, sagte der Ratsherr.

Unternehmen soll aufklären

Hingegen stellte Christian Höllerl fest: „Zweifel äußern und die Vorteile nutzen, geht nicht“. Als Gemeinderat könne man nicht schlauer sein als die Experten der Telekom. Deshalb empfahl Höllerl eine Abwägung zugunsten des geplanten Standortes, der weit genug von der Bebauung entfernt sei und damit zu keiner direkten Belastung der Anlieger führe. Holger Götz verwies auf die Verpflichtung der Telekom, eine flächendeckende Mobilfunkversorgung sicherzustellen. Für den Versorger sei das Projekt kein Gewinn, aber ein absolutes Muss, gleiche Lebensverhältnisse auf dem Land herzustellen.

Noch einmal betonte Bürgermeister Albert Nickl: „Für die Nutzer ist der ausgewählte Standort der Beste“. Da vier Gemeinderäte fehlten und sich die Wünsche nach mehr Transparenz und einer Einbindung der Anlieger durch die Telekom verstärkten, stellte der Bürgermeister den beabsichtigten Beschluss zurück. Einige Gemeinderäte erwarteten eine Stellungnahme des Unternehmens.

Protest gegen Funkmast in Fuchsmühl

Fuchsmühl
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