29.06.2020 - 11:23 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Rebell und Räuber aus Traditon

Eine zweifelhafte Persönlichkeit aus Mantel steht in Speinshart im Mittelpunkt eines spannenden Vortrages. Bernhard Weigl erzählt über einen berüchtigten Räuberhauptmann aus Tradition, der schließlich am Galgen endet.

"Hobby-Historiker" und Buchautor Bernhard Weigl erzählt in Speinshart von einem Manteler, der unrühmlich Geschichte geschrieben hat: Franz Troglauer.
von Robert DotzauerProfil

Bei Räubergeschichten denkt man unwillkürlich an Räuber Hotzenplotz. Dafür hat Kinderbuchautor Otfried Preußler mit seiner Geschichte gesorgt. Auch die Heldengestalt des Robin Hood und der Schinderhannes kommen einem in den Sinn. Nur wenig bekannt ist, dass im zu Ende gehenden 18. Jahrhundert eine Räuberbande in Wohnortnähe Kirche, Obrigkeit und Volk in Atem hielt: die Troglauer-Bande, die als die „Große Fränkische Diebes- und Räuberbande“ in die Geschichte einging. Kopf dieser Bande mit einem Verbrecher-Netzwerk von bis zu 180 Mitgliedern war Franz Troglauer aus Mantel. Troglauer, 1754 geboren, endete mit 47 Jahren am Galgen.

Das Leben des Franz Troglauer hätte bestimmt Stoff für einen Fernseh-Krimi geliefert. Denn noch heute spalten seine unrühmlichen Taten die Gemüter. Ausgerechnet ein Manteler, dem Geburtsort Troglauers, beschäftigt die Geschichte vom Räuberleben des Oberpfälzers. Bernhard Weigls spannendes Buch vom berüchtigten Räuberhauptmann Troglauer lädt geradezu zur Verfilmung ein. Über viele Jahre hat der Heimatforscher in den Staatsarchiven in Amberg, Landshut und München und im Stadtarchiv Nürnberg recherchiert, um den Spuren des Oberpfälzers nachzugehen. Entstanden ist ein fesselndes Buch mit den Titel „Der Galgen ist mein Grab“, aus dem Weigl bei einem Vortragsabend in der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart rezitierte.

Diebereien, Einbrüche, Überfalle

„Euer Mundschutz passt zu dieser großen Räuberversammlung“, scherzte der Buchautor zu Beginn seines Vortrages, als er nicht „verkitschte“ Räubergeschichten, sondern Schicksalsmomente mit bitterer Realität ankündigte. Weigl zeigte sich in Speinshart als leidenschaftlicher Hobby-Historiker. Detailgenau erforscht, war sein 90-Minuten-Debüt im Musiksaal des Klosters voller spannender Geschichten über die Schandtaten des Franz Troglauer.

Begonnen hatte das Räuberleben Troglauers schon in jungen Jahren. In seinem Geburtsort eilte ihm bald der Ruf eines Diebes und Räubers voraus. Bereits im Alter von 19 Jahren musste er sich vor Gericht verantworten. In der Anklage stand „versuchter Totschlag“. Schuldig sprechen konnte man ihn aber wegen mangelnder Beweise nicht. Troglauer wollte eine „Rechnung“ begleichen und hatte sein Gegenüber vor dem Manteler Wirtshaus „zur Post“ fast erschlagen, wenn da nicht einige Einheimische dazwischen gegangen wären. Es war der Auftakt für ein Verbrecherleben, das mit einem frühen Tod enden sollte.

1786 wurde Troglauer das erste Mal zu einem Zuchthaus-Aufenthalt in Amberg verdonnert. Weitere Verurteilungen wegen Gaunereien folgten. Ihren Zweck erfüllten sie nicht. Denn nachdem Troglauer seine dritte Haftstrafe verbüßt hatte, bildete er mit seinen Geschwistern eine berüchtigte Räuberbande, ehe er sich mit weiteren Familienangehörigen der sogenannten „Großen Fränkischen Diebes- und Räuberbande“ anschloss. In der Folge sei die Bande für eine außerordentlich große Zahl an Diebereien, Einbrüchen und Überfällen verantwortlich gewesen, berichtete Weigl. Als spektakulärstes Beispiel nannte er den Einbruch in das Palais des Bamberger Weihbischofs Johann Adam Behr mit der Erbeutung von wertvollem Diebesgut und einem Gesamtschaden von 12.000 Gulden. Auch der Bischofsstab sei damals „mitgegangen“, wusste der Autor. Auch Morddrohungen gegen Landrichter Georg von Grafenstein aus Parkstein und den Landpfleger aus Eschenbach gehörten zu Troglauers Einschüchterungsstrategie.

Gesuchter Mann

Nach jahrelanger Verfolgungsjagd war schließlich Verrat der Anfang vom Ende der Bande Troglauer. Der „Hobbyhistoriker“ berichtete von einem Zufallstreffer bei der Befragung eines inhaftierten Bandenmitglieds. Um der Todesstrafe zu entgehen, habe ein Kumpane des Räuberhauptmannes „geplaudert“. Viele Bandenmitglieder seien daraufhin verhaftet und in der mittelfränkischen Festung Wülzburg bei Weißenburg inhaftiert worden. Es fehlte allerdings immer noch der Kopf der Bande. Troglauers Flucht habe dann in Regensburg mit seiner Verhaftung geendet. Doch noch einmal sei es dem Rebellen gelungen, während eines Gefangenentransportes auf der steineren Brücke in Regensburg zu entkommen, erzählte Weigl. Auch nach der nächsten Verhaftung in Straubing konnte Troglauer entwischen.

Nach einer landesweiten Suche und Verfolgung sei es dann im Dezember 1800 einem Gerichtsdiener in Freysadt bei Neumarkt gelungen, Franz Troglauer festzunehmen. Der Prozess in Amberg endete mit einem Todesurteil. Am 6. Mai 1801 schlug Troglauers letztes Stündlein. In den Morgenstunden des Tages hatte er den „Armesünderweg“ zu gehen und endete vor den Toren der Stadt Amberg am Galgen.

Weiterer Vortrag von Bernhard Weigl

Mit Morddrohungen auch gegen einheimische Autoritäten hat Franz Troglauer Angst und Schrecken verbreitet.
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