14.08.2019 - 14:10 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Sommerkonzert in Speinshart mit Mission "Freude bereiten"

Ein ukrainisches Duo bringt in Speinshart zwei Instrumente zusammen, die selten gemeinsam zu hören sind: Flöte und Akkordeon. Eine Kombination, die unter dem Namen "Duo Allegria" begeistert.

Bozhena Korchynska (Flöte) und Bohdan Kozhushko (Akkordeon) bieten mit einer temperamentvollen Interpretation extravaganter Werke vor den Stufen des Hochaltars der Klosterkirche Speinshart heiteres Musizieren der Meisterklasse.
von Robert DotzauerProfil

Seit Jahren steht die Ukraine wegen ihres Kampfs um Unabhängigkeit im tagespolitischen Blickfeld. Am Dienstag stellte sich in der Klosterkirche in Speinshart ein Duo vor, das mit Musik die Botschaft des Friedens und der Völkerverständigung vermittelt. Das Duo Allegria, bestehend aus der virtuosen Flötenspielerin Boschena Korchynska und dem hochbegabten Akkordeonisten Bohdan Kozhushko, glänzte im Zuge des 69. Festivals junger Künstler Bayreuth und der Speinsharter Sommerkonzerte mit einer temperamentvoll-heiteren Serenade. Das Duo gehört seit Jahren zum Stamm der Bayreuther Probebühne.

Manchmal schafft Musik besondere Momente. Dann, wenn das Zusammenspiel zwischen den Musizierenden eine perfekte Einheit bilden. Dieses Besondere gab das Duo Allegria am Dienstagabend bei der Speinsharter Konzertreihe an die vielen Besucher weiter. Mission der beiden war es, Freude zu bereiten. Das gelang Boschena Korchynska mit einem eher seltenen Konzert-Instrument, wenngleich die Flöte, zumal die Blockflöte, lange Zeit verkannt wurde. Sie galt als typisches Anfänger-Instrument im Schulklassen-Ensemble. Erst Georg Philipp Telemann hat sie kompositorisch in den solistischen Adelsstand gehoben. Im Mittelalter zählte sie zu den wichtigsten Instrumentenfamilien. Nicht ganz so alt ist das Duo Allegria, das sich dem Spiel der „Flauto dolce“, so der italienischen Name der Blockflöte, und dem Spiel auf den vielen Knöpfen und Tasten des Akkordeons widmet.

Das geniale Duo demonstrierte in Speinshart ein delikates Intermezzo. Die vielfach ausgezeichnete internationale Preisträgerin Korchynska, auch Professorin an der Lysenko-Musikhochschule in Lemberg, formte mit famoser Fingerfertigkeit herrliche Affekte und Melodien, während der 25 Jahre junge Akkordeon-Solist Bohdan Kozhushko, der aktuell als Solist in mehreren Orchestern in Polen, Deutschland und Lettland mitwirkt, mit spielerischer Eleganz und rasantem Tempo den Balg bearbeitete und in oft rasender Geschwindigkeit Feinmotorik und eine Spielkunst demonstrierte, die sich in wallenden Klangnebel verwandelte. „Wir spielen musikalische Miniaturen, barocke Schlager und Ethnomusik aus der Ukraine“, kündigte Bozhena Korchynska im Chorraum der Klosterkirche extravagante Werke an. Gesagt, getan.

Schon zu Beginn punktete das Paar mit Bachs „O Mensch, bewein dein Sünde groß“. Ein idealer Auftakt vor circa 100 Besuchern und umgeben von der Pracht der barocken Kulisse. Sogleich tönte es auch vor den Stufen des Hochaltars: „Wer fest an Gott glaub“, einem Stück von Theophan Prokopowitsch. Faszinierend auch die folgenden Solostücke des Akkordeonisten. Die „Sonate d-Moll K 141“ von Domenico Scarlatti und „Les Sauvages“ von Jean Philippe Rameau wirkten künstlerisch anspruchsvoll. Die Faszination der Programmfolge sollte sich weiter steigern. Das Duo glänzte mit der „Triosonate in h-Moll, Op. 2“ von Georg Friedrich Händel.

Mit einer gelungenen Mischung aus hoher Klassik und dem Temperament der ukrainischen Seele setzte sich die Musikreise fort. „Susanne un jour“ erklang Orlando-di-Lasso-verdächtig, und die hohe Schule der beiden Profis war auch in „Diverse bizzarie sopra la vecchia Sarabanda o pur Ciaccona“ allgegenwärtig. Kulturschätze aus Dänemark (unter anderem die „Bulgarische Suite“ von Vyachestlav Semyonov) ergänzten das Programm der Vollblutmusiker. Die bezaubernde Stilvielfalt endete mit „neuer Musik“. Das Duo wandelte ganz im Gegensatz zum Konzertraum auf den Spuren süßlicher Salonmusik. Mit „Souvenir“ des slowakischen Komponisten Ladislav Kupkovic zündeten die Musikprofessorin und der Starsolist ein musikalisches Schlussfeuerwerk voller Schrägheit und Virtuosität. Der stürmische Beifall des Publikums „verführte“ zu einigen Zugaben.

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