31.10.2019 - 13:26 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Speinshart und Vorbach im Blickpunkt von OTH-Studenten

Geoinformatik und Landmanagement: So nennt sich ein neuer Studiengang an der OTH Amberg-Weiden. Auf einer Praktikumsfahrt lernen die Studenten in Speinshart und Vorbach Beispiele gelungener Dorferneuerung und Gemeindeentwicklung kennen.

Auf Praktikumsfahrt begeben sich 25 Studierende der OTH Amberg-Weiden im Studiengang Geoinformatik und Landmanagement. Begleitet werden sie von Professor Ulf Kreuziger und Lehrbeauftragtem Willi Perzl. Im Gemeindezentrum Vorbach erläutert Bürgermeister Werner Roder die Instrumente der ländlichen Entwicklung in der Praxis.
von Robert DotzauerProfil
Auf großes Interesse stößt bei den Studenten die Errichtung eines Dorfladens als Instrument zum Erreichen gleichwertiger Lebensverhältnisse.

Im Zuge der „Lehrform Praktikum“ machten sich die Studierenden der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) ein Bild von der Umsetzung der Dorferneuerung in den beiden Kommunen. Die Exkursion widmete sich den Themen "Gemeindeentwicklung" und "Instrumente der Ländlichen Entwicklung". In Begleitung von Professor Ulf Kreuziger und Diplom-Ingenieur Willi Perzl, ehemals Leitender Baudirektor beim Amt für Ländliche Entwicklung und nun Lehrbeauftragter des seit dem Wintersemester 2018/19 existierenden OTH-Studienganges, interessierten sich die 25 jungen Leute besonders für die Ergebnisse der Dorferneuerung im Zusammenwirken mit der Entwicklung der Gemeinden.

In Speinshart informierte Bürgermeister Albert Nickl über den Segen der Dorferneuerung in seiner Kommune. Bei einem Rundgang mit den Studenten zog er an Beispielprojekten von den Flurbereinigungsverfahren bis zum "Haus der Dorfkultur" eine beeindruckende Bilanz der staatlichen Unterstützung. Ein besonderes Augenmerk richteten die Besucher auf die denkmalpflegerischen Aspekte, die Innenentwicklung des Klosterhofes sowie die privaten Maßnahmen dort und in den Ortsteilen.

Interesse weckten auch die Bemühungen Speinsharts zum Ausbau des Kernwegenetzes in Abstimmung mit den Nachbargemeinden. Das Kloster als „innovativen Lernort“ der OTH und als Internationale Begegnungsstätte stellte Provisor Pater Andreas Hamberger vor. In die Exkursion eingebunden war Projektleiter Karsten Hessing vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz in Tirschenreuth.

Nach einer Stärkung im Vorbacher „Dorfwirt“ ging Bürgermeister Werner Roder im Gemeindezentrum mit einem Vortrag auf die zentrale Frage der Studierenden ein: „Was macht eine Gemeinde so attraktiv?" Der Bürgermeister verwies in seiner Antwort unter anderem auf die positiven Auswirkungen der Dorferneuerung in allen Ortsteilen. Nach einer Schilderung der Ausgangslage vor 23 Jahren würdigte er zunächst die Eigeninitiative des Gemeinderats als Signal an die Bevölkerung und erinnerte an den Bau von Gehwegen in Eigenregie sowie an die Eigenleistungen der Oberbibracher zur Sanierung des Friedhofes.

Unter dem Leitgedanken „Neues Denken“ verwies Roder auf die bestandsnahe Sanierung von Ortsstraßen zur Vermeidung hoher Belastungen für die Anlieger, auf das Ausloten neuer Fördermöglichkeiten und auf die Investitionen in Schulgebäude, Kindertagesstätte und Straßenbau. Dazu zählte der Gemeindechef auch die sogenannten einfachen Dorferneuerungsmaßnahmen in Oberbibrach und Vorbach, den Radweg-Lückenschluss und das bewusste Stärken der Innenentwicklung.

Für ein großes „Hallo-Wach-Erlebnis“ sorgten Informationen zur Nachnutzung alter Bausubstanz für öffentliche Zwecke, etwa zur Einrichtung eines Dorfladens und zur kommunalen Wohnungsbauoffensive. Der Bürgermeister verwies zudem auf die Förderung des Vereinslebens als Teil der Wertschätzung von Gemeinsinn und Lebensqualität und erläuterte Zukunftsprojekte, wie zum Beispiel den Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses. Dafür auch die Bürgerschaft als Verbündeten zu gewinnen und das gesellschaftliche Umfeld in die kommunalpolitischen Überlegungen einzubinden, gehöre zu den vorrangigen Aufgaben der Gemeindepolitik, erklärte Roder den wissbegierigen jungen Leuten.

Dankbarkeit erwies er dem Freistaat für die „angemessenen“ Zuschüsse zu den Vorbacher Projekten. „Auch Visionen sind hilfreich“, urteilte er Bürgermeister und empfahl symbolisch das stetige hartnäckige "Bohren von Brettern": Man müsse der Zukunft schon nachhelfen und ihr jenseits schlauer Lehrbücher den Weg bereiten. Als Beispiel nannte er die oft zähen Grundstücksverhandlungen. Baustellenbesichtigungen der drei aktuellen Großprojekte als Demonstration ländlicher Entwicklung vor Ort schlossen sich an.

Professor Ulf Kreuziger und Lehrbeauftragter Willi Perzl kündigten weitere Exkursionen nach Amberg, ins Kloster Plankstetten und zum Amt für Ländliche Entwicklung nach Tirschenreuth an, um weitere Erfahrungen vor Ort zu Digitalisierung, Vermessungstechnik, Geoinformatik sowie Kommunal- und Regionalmanagement zu sammeln. Heimatnahe Fachbehörden warteten bereits auf den Nachwuchs im Bachelor- oder Ingenieurbereich, hieß es.

Auch die Privatwirtschaft sehne sich nach Spitzenkräften der Geodäsie. Der technologische Fortschritt und die Digitalisierung habe das Gesicht dieses traditionsreichen Ingenieurfaches insbesondere an den Schnittstellen zu anderen Disziplinen verändert, merkte zum Abschluss der Exkursion Lehrbeauftragter Willi Perzl an.

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