02.08.2020 - 09:28 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Wegen Corona: Indischer Pater kommt im Kloster Speinshart unter

Nach zwölf Jahren in Deutschland hätte Pater Soosai nach Indien zurückkehren sollen. Doch die Corona-Pandemie stoppt die Ausreise. Eine vorübergehende Bleibe findet er bei seinen Brüdern im Kloster Speinshart.

Der Prämonstratenser-Pater Soosai ist derzeit in der Pfarreiengemeinschaft Speinshart als "Vikar zur besonderen Verwendung" tätig und wartet auf einen Flug nach Indien, wo er nach einem langjährigen Wirken in Freising/Neustift ein neues Aufgabenfeld im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu bekommt
von Robert DotzauerProfil

Bis zu seinem Tod, so sagte Pater Mariasoosai Arulandu schon im Jahr 2008 bei der Ankunft in Freising, wolle er nicht in Deutschland bleiben. Für den 44-jährigen Seelsorger wurden es im Freisinger Stadtteil Neustift zwölf erfüllende Jahre in der Tradition der Pämonstratenser. Nach der Priesterweihe am 4. Mai 2005 und nach einem dreijährigen Studium des Kirchenrechts, wagte er als Kaplan die ersten seelsorgerischen Schritte in Deutschland. „Der Anfang war schwer, der Abschied von liebgewonnenen Pfarrangehörigen erst recht“, sagt der Pfarrer nach einem gewissen zeitlichen Abstand zur herzlichen Verabschiedung im Freising.

Mariasoosai Arulandu, auch Pater Soosai genannt, blickt in der Hallerdau auf eine erlebnisreiche Zeit zurück. Nach vier Kaplansjahren übertrug ihm das Erzbistum die Leitung der Pfarrei St. Peter und Paul in Neustift und wenig später auch noch die Pfarrstellen St. Martin Marzling, St. Laurentius Haindlfing und St. Michael Tüntenhausen, aus denen 2014 ein Pfarreienverbund entstand.

Zusammen mit weiteren Seelsorgekräften gelang es dem Pfarrer, die ehemalige Klosterkirche in Neustift, eine der schönsten Rokokokirchen Bayerns, aufwändig zu restaurieren. Ein schönes Erlebnis und eine schöne Zeit, wie der Pater bilanzierte, der offiziell im Auftrag der im Nordosten Indiens und nahe der Grenze zu Bangladesch gelegenen Prämonstratenserabtei Jamtara auf altbayerischem Territorium wirkte.

Im Jahr 2008 folgte Pater Soosai dem Ruf des Generalkapitels der Prämonstratenser die Botschaft Gottes zu verkünden. „Der Anfang war nicht leicht“, erinnert sich der Chorherr. Neben der deutschen Sprache warteten weitere Herausforderungen. Seelsorgestrukturen, Brauchtum, Klima, Essen: das alles sei gewöhnungsbedürftig gewesen. Doch die Integration sei rasch gelungen, betonte der Pater und schwärmte im fast perfekten Deutsch vom Verständnis und dem Entgegenkommen seiner liebenswerten Pfarrangehörigen.

Der Pater berichtete von einer angenehmen Zusammenarbeit, die ihn motiviert habe, den Glaubensweg der Menschen mitzugehen, katholische Identität zu bewahren und alte Traditionen zu pflegen. Was ihm, dem Inder, in Altbayern besonders imponierte? Diese Frage beantwortete Pater Soosai voller Bewunderung über die Hilfsbereitschaft der Gläubigen und über das soziale Engagement der Bevölkerung. Besonders aufgefallen seien ihm, dem Vertreter der Kirche, die Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit der Leute. Auch die stets zu beobachtende Perfektion handwerklicher Leistungen, zum Beispiel bei der Kirchenrestaurierung, fand er äußerst bemerkenswert.

Auch die Pünktlichkeit und Sauberkeit der Einheimischen hinterlassen bei Pfarrer Soosai einen nachhaltigen Eindruck. Zurückhaltend äußerte er sich dagegen zur Frage seiner bayerischen Lieblings-Schmankerln. Urbayerisch und spontan kam zwar noch das Ja zu Schweinebraten mit Knödeln und Gulasch mit Spätzle. Bei den Weißwürsten vermisste der Prämonstratenser allerdings die Würze. Deshalb kochte der Pater meist selbst und dann vor allem seine Lieblingsgerichte wie zum Beispiel Chicken-Curry. Sich dann wieder auf bayerische Traditionen einzulassen, dazu gehörte das Schafkopfspiel, wie der Kirchenmann schmunzelnd feststellte.

In Neustift wurde der Pater als großer Glaubensbotschafter verabschiedet. In Speinshart gibt er sich selbstkritisch. „Der Glaube ist nicht verschwunden“. Deshalb sollte sich die Amtskirche weniger mit den eigenen Strukturen beschäftigen, sondern auf die Menschen zugehen. Pater Soosai bedauerte allerdings die Einstellung vieler Christen, im Zeichen des Wohlstandes auf Gott zu verzichten. Der Seelsorger prophezeit: „Es kommt wieder die Zeit, in der die Menschen suchen“. Spätestens dann sei wieder die Kirche gefragt.

In Speinshart ist der Prämonstratenser ein willkommener Gast. Vorerst bis Mitte September ist er unter anderem der Pfarreiengemeinschaft als „Pfarrvikar zur besonderen Verwendung im Bistum“ zugeteilt. Als Aushilfe ist er deshalb auch im Dekanat und in der gesamten Diözese unterwegs.

Die geplante Heimreise mit der neuen Aufgabe als Betreuer von jungen Priesteramtskandidaten im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu im Gepäck verbindet der Pater mit der glücklichen Fügung, wieder näher bei den betagten Eltern zu wohnen. Er verschweigt auch nicht die vielen Probleme, die ein katholischer Priester in Indien vorfindet. Zum Beispiel sei eine wirklich freie Religionsausübung nicht möglich. Indiens politische Agenda orientiere sich am Hinduismus, der eine Gleichberechtigung der Religionen nicht akzeptiere.

Denkmalschutzmedaille für Speinshart

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