22.07.2021 - 11:04 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Die wundersame Welt der Wurzeln

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Für Bernd Donhauser ist seine Begabung schlicht ein Wunder. Mit den Füßen erspürt er im Moor die Wurzeln, die mal einen Ameisenbär, mal einen ausgestorbenen Flugsaurier darstellen.

Der Adler ist Bernd Donhausers wichtigstes Stück in seiner Sammlung, es ist eines seiner ersten Tiere. Ein Lieblingsstück hat der Museumsleiter jedoch nicht.
von Gabi EichlProfil

„Wurzelmuseum“, der Begriff lässt an die komischen Wurzeln denken, die in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in vielen Wohnzimmern hingen. Meist unbeholfen irgendwie in Form geschnitzt, sollten sie dies oder jenes darstellen: Deko, die irgendwann auf dem Sperrmüll gelandet ist.

Aber Bernd Donhauser schnitzt nicht. Hat er noch nie getan, versichert er. Donhauser, das von einem Tremmersdorfer Ehepaar adoptierte Waisenkind, ein gelernter Kunstglaser, geht durchs Moor und steht plötzlich über einem Adler. Seine Füße sagen ihm: Bernd, du stehst wieder auf einer Wurzel. Und dann fängt er zu graben an, nur mit den Händen. Allenfalls mit einem Seil holt er die zum Teil zentnerschweren Wurzeln ganz allein aus dem Schlamm. Und wenn dann ein vor Millionen Jahren ausgestorbener Kurzschwanzflugsaurier vor ihm liegt, weiß er sofort, dass es sich um einen Pterodactylus handelt, auch wenn er bis dahin noch nie von einem solchen Tier gehört hat. Das wisse er in dem Moment einfach, sagt er.

Talent als "Gottesbegabung"

Das Wurzelmuseum im Speinsharter Ortsteil Tremmersdorf könnte auch Bernd-Donhauser-Museum heißen, denn es ist das Lebenswerk eines Mannes, der mit den Jahren zunehmend selbst in den Bann eines außergewöhnlichen Talents geraten zu sein scheint. Donhauser spricht heute von einer „Gottesbegabung“, die ihn befähige, die Wurzeltiere zu finden. 1975, da ist Bernd Donhauser 34 Jahre alt, findet er seine erste Wurzel, zufällig, beim Schwammerlsuchen. Er liebt die Natur, die Pflanzen, die Blumenwelt, ist deshalb viel in der Natur unterwegs. Die erste Wurzel zeigt einen Kiebitz im Nest, das ist ihm von Anfang an klar. Von da an macht er sich jeden Sonntagvormittag auf den Weg, gräbt aus und trägt nach Hause. Es ist ein mühsames Hobby, das Donhauser neben seinem Beruf betreibt. Dabei ist er als Kunstglaser unter der Woche viel unterwegs.

Medien entdecken Museum

Donhauser wird Jahrzehnte nach seinen ersten Funden nicht müde zu betonen, dass er allenfalls störende Wurzelausläufer weghackt, ansonsten aber nicht das Geringste an den ausgegrabenen Wurzeln ändert. Die Wurzeltiere bringt er anfangs seiner Frau Ingrid mit, aber irgendwann ist zu Hause kein Platz mehr für die vielen, teilweise recht großen Exponate. 1982 baut das Ehepaar deshalb den alten Kuhstall aus für die Wurzeltiere. Im selben Jahr wird auch das Bayerische Fernsehen auf das ungewöhnliche Hobby aufmerksam. 170 Figuren hatte Bernd Donhauser da schon zusammengetragen. Bald kommen Besucher auch aus dem Ausland. Und nur wenige Jahre später wird die überregionale Presse aufmerksam.

Bernd Donhauser ist inzwischen längst ein Profi in Sachen Medien. Er weiß, dass er meist nicht direkt in die Kamera schauen soll, gleichzeitig ist der Inhaber und Leiter des Wurzelmuseums ganz und gar er selbst geblieben. Er hat eigenen Angaben zufolge lukrative Angebote aus aller Welt für einige seiner Wurzeltiere, aber die interessierten ihn nicht, sagt er. Das Museum habe er jetzt schon dem Freistaat vermacht, ihm sei wichtig, dass dieses in seiner Gesamtheit erhalten bleibe. Donhausers Wurzeltiere stammen ausschließlich aus der näheren Umgebung des Museums, aus einem Radius von etwa 30 Kilometern um Tremmersdorf. Er sagt: „Da hol´ ich Tiere raus aus Afrika, aus Amerika, aus Indien, aus der ganzen Welt.“

Bescheiden geblieben

Nach dem Ausbau des Kuhstalls 1982 wird bereits 1986 angebaut, weil der Platz wieder nicht reicht. Und ein Jahr später, die Zahl der Wurzeltiere ist inzwischen auf mehrere Hundert gewachsen, entsteht ein Neubau. Heute sind mehr als 900 Exponate zu bewundern. Der fast 80-jährige Museums-Gründer, -Inhaber und -Leiter hat als Kunstglaser das schöne Fenster des gegenüberliegenden Feuerwehrhauses gestaltet, er weigert sich aber, als Künstler bezeichnet zu werden. Er sei kein Künstler, sagt er. Er empfindet den Begriff eigenen Worten zufolge als unangemessene Überhöhung. Er habe eine Begabung, mehr nicht. Ein begabter Autoschlosser sei nicht weniger Künstler als er.

Für Bernd Donhauser ist der „größte Künstler der Welt die Natur“, das sagt er wieder und wieder. Der Baum verschwinde und die Natur forme aus seiner Wurzel die Tierwelt dieser Erde. „Das ist ein Wunder“, sagt er immer wieder. Ein Wunder, das leider vom Menschen nicht anerkannt werde, da dieser damit nichts anfangen könne. Wie viele Menschen mit Donhausers Sicht der Welt indes eine ganze Menge anfangen können, davon zeugen die unzähligen Postkarten und Dankschreiben von Besuchern aus aller Welt, mit denen die Wände des Museums zugepflastert sind.

Faszination pur

Donhausers Wurzeltiere sind schon mehrfach von Wissenschaftlern überprüft worden, er kann entsprechende Expertisen vorweisen. Für den Besucher aber zählt die Faszination: Die Tiere sind tatsächlich real, sobald man vor ihnen steht. Das Krokodil, der Ameisenbär - und, ja, auch der Pterodactylus.

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Service:

Wurzelmuseum in Tremmersdorf

  • Zu finden ist das Museum in der Hauptstraße 9 in Tremmersdorf bei Speinshart.
  • Täglich geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen (außer freitags) von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 18 Uhr, allerdings nur nach vorheriger Vereinbarung unter Telefon 09645/1288 oder 0151/57651390.
  • Eintrittspreise: Erwachsene 2,50 Euro, Jugendliche bis 18 Jahre 1,50 Euro, Kinder bis 15 Jahre 1 Euro, Gruppe ab 16 Personen 2 Euro pro Person.
  • Das Museum ist komplett barrierefrei und geeignet für Kinder wie Erwachsene. Parkplatz direkt gegenüber dem Museum.
  • Anfahrt: Aus Richtung Hof über die A9, Ausfahrt Bayreuth-Süd, Richtung Weiden/Kemnath/Creußen. Aus Richtung Regensburg: Über die A93, Ausfahrt Weiden-West Richtung Eschenbach in der Oberpfalz/Pressath/Grafenwöhr.
  • Tipps in der Region: Es lohnen sich Abstecher zum Rauhen Kulm, Kloster Speinshart oder zum Großen Rußweiher bei Eschenbach.

 

 

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