15.07.2021 - 15:18 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Turmmuseum Schwarzenfeld: Bibel-Sammlung, Devotionalien und sakrale Gegenstände

Mit liebevollem Blick fürs Detail haben Luise und Franz Schieder im Turm der alten Pfarrkirche in Schwarzenfeld ein Museum eingerichtet. Ein prominenter Besucher zeigt sich ganz besonders begeistert von der Sammlung des Ehepaars.

Luise und Franz Schieder beginnen die Führung durch das Turmmuseum Schwarzenfeld. an der orientalischen Krippe und am Regal mit alten Messbüchern.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Seit 20 Jahren leiten Luise und Franz Schieder das Turmmuseum in Schwarzenfeld. Wenn sie nach ihrer Lieblingsecke gefragt werden, treten sie vor die orientalische Krippe von Sebastian Osterrieder. Der Münchner Bildhauer reiste 1910 ins Heilige Land und entwarf nach seiner Rückkehr Figuren mit dunklen Gesichtern und Glasaugen.

Der 81-jährige Franz Schieder hat den Beruf des Schlossers erlernt und kann sich „handwerklich helfen“, wie er sagt. So war es für ihn kein Problem, für die orientalischen Krippenfiguren eine Höhle zu bauen. Als der frühere Mesner sein Ehrenamt aufgab, suchte er nach einer neuen Beschäftigung. Gemeinsam mit seiner Frau säuberte er den Turm der alten Pfarrkirche in Schwarzenfeld vom Taubendreck und richtete in vier Räumen ein Museum ein. Der Weg dorthin führt über den Altarraum der Kirche, die den Schutzpatronen Dionysius und Ägidius gewidmet ist. Die sakralen Gegenstände lassen die tiefe Volksfrömmigkeit und häusliche Verehrung erahnen. „Wir wollen die Erinnerung daran wachhalten“, sagt Franz Schieder.

Prominentester Besucher des kleinen, aber feinen Museums in der Schwarzenfelder Schlossstraße war vor drei Jahren Diözesanbischof Rudolf Voderholzer. Nach dem Rundgang schrieb er ins Gästebuch und bedankte sich bei den Museumsleitern „für die liebevolle Sorge um die Volkskunst und die Zeugnisse der Volksfrömmigkeit“. Besonders beeindruckt war der Oberhirte von der Andachtsecke zu Ehren des „Bruder Konrad“, der vier Jahrzehnte lang die Pforte des Kapuzinerklosters in Altötting“ hütete. Die fast lebensgroße Skulptur mit dem Rosenkranz um die Hüfte und dem Kreuz im Arm stand einst in der alten Pfarrkirche und hat jetzt ihren Platz im Turmmuseum gefunden. Umgeben von Bildern, Andenken und Devotionalien, die an den Heiligen aus dem niederbayerischen Parzham erinnern.

Stolz auf große Bibelsammlung

Stolz sind die Museumsleiter auch auf ihre Bibel-Sammlung. Die älteste stammt aus dem Jahre 1699, hat 872 Seiten und ist in Holz und Leder gefasst. Vorsichtig nimmt Franz Schieder das Werk aus der Glasvitrine. Vor einigen Jahren habe ein Nachbar der Ägidius-Kirche sein Wohnhaus entrümpelt und auf dem Speicher diesen Schatz gefunden. Wie er dort hinkam? Ein Rätsel. Der Besitzer stellte das Exponat als Dauerleihgabe zur Verfügung. Die kleinste Ausgabe der „Heiligen Schrift“ hat das Format „sieben mal fünf Millimeter“, umfasst nur 37 Seiten und muss mit einer Lupe gelesen werden. Zum Fundus gehören Bibeln in hebräischer, griechischer, türkischer und indischer Sprache sowie kindgerechte Ausgaben. Mittlerweile haben sich 100 Bibel-Ausfertigungen angesammelt.

Im Laufe der Jahre kamen unzählige sakrale Gegenstände und bäuerliche Hinterglasbilder aus dem 19. und 20. Jahrhundert dazu. Sie stammen meist von Privatpersonen, denen an der Aufbewahrung der Ausstellungsstücke gelegen ist. Dazu zählt auch eine Banner-Dokumentation über christliche und marianische Bruderschaften und die Darstellung „Schwarzenfeld und seine Kooperatoren“. Die Hilfsgeistlichen des Ortes sind wie Orgelpfeifen neben den Marienfiguren aufgestellt.

Totenbretter aus dem Bayerwald

Seit der Öffnung bieten Luise und Franz Schieder regelmäßig zum Kirchenpatrozinium Sonderausstellungen an. Unter dem Titel „Am Anfang war das Wort – eine Ausstellung über das Buch der Bücher“ standen die Bibel-Exemplare im Mittelpunkt. In einer weiteren Sonderschau widmet sich das Museum religiösen und schützenwerten Gegenständen häuslicher Verehrung. Es handelt sich um kostbare Wachsarbeiten, alte Messbücher, Weihwasserkessel und Hausaltäre. Zu den Zeugen der Volksfrömmigkeit gehören auch die Totenbretter aus dem Bayerischen Wald, die an eine längst vergangene Bestattungskultur erinnern. Zur Krankensalbung, im Volksmund auch „Letzte Ölung“ genannt, bringt der Pfarrer ein Kreuz, Kerzen und Öle mit. Eine solche „Verseh-Garnitur“ gehört ebenfalls zum Fundus.

Kreuze und Rosenkränze in verschiedenen Größen und Formen zieren die Wände. Der Oberammergauer Kreuzweg erinnert an die berühmten Passionsspiele. Ein Blick lohnt sich auf den „Klosterladen im Miniformat“ und den Herrgottswinkel, wie er in katholischen Haushalten zu finden war.

Hinauf in die Grafenloge

Luise Schieder steigt mit den Besuchern die Treppe des Turmes hinauf und führt sie zur Grafenloge. Dort nahmen die Schlossherren während der Gottesdienste Platz. Joseph Ratzinger war zwar nicht persönlich zu Besuch im Museum, trotzdem erinnert ein Bild an den emeritierten Papst Benedikt XVI. Es zeigt ihn mit Pater Martin Bialas von der Passionisten-Kongregation des Miesberg-Klosters in Schwarzenfeld, der einst an der Universität Regensburg bei Professor Ratzinger promovierte und bis heute ein freundschaftliches Verhältnis zu ihm pflegt.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Museums sind die „Monstranz-Bohnen“. Luise Schieder fertigt Rosenkränze aus getrockneten Bohnen und bietet sie zum Verkauf an. Dieser Brauch geht auf eine Legende zurück, die an Ort und Stelle nachzulesen ist.

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Service:

Turmmuseum Schwarzenfeld

  • Das Turmmuseum hat jeweils an den beiden Patroziniumstagen der Kirche sowie von April bis Juli jeweils am ersten Sonntag im Monat nachmittags geöffnet. Weitere Termine für Führungen sind mit dem Ehepaar Luise und Franz Schieder unter Tel. 09435/9826 zu vereinbaren.
  • Der Eintritt ist frei.
  • In der Schlossstraße in Schwarzenfeld stehen Parkplätze zur Verfügung.
  • Der Zugang zum Museum erfolgt über die Kirche. Der Museumsbesuch ist für alle Altersschichten und auch für Familien mit Kindern geeignet.
  • Schwarzenfeld besticht durch seine idyllische Lage an den beiden Flüssen Naab und Schwarzach. Auch neben dem Museum lässt sich einiges erleben.
  • Wer kulturell interessiert ist, besucht die Museen und Kirchen vor Ort oder macht einen Tagesausflug ins nahegelegene Freilandmuseum Oberpfalz in Neusath-Perschen.
  • Der Markt Schwarzenfeld ist eingebettet in eine idyllische, teilweise unberührte Naturlandschaft und liegt nicht weit entfernt vom Charlottenhofer Weihergebiet, wo sich fernab von den beliebten Freizeitseen herrliche Ruhe genießen lässt.
  • Zahlreiche Kiesweiher bieten beste Bedingungen für Angler. Ein Spaziergang entlang der Flüsse verspricht Erholung vom hektischen Alltag.
  • Ein Aufstieg zum Miesberg lohnt sich, bietet sich doch von oben ein hervorragender Blick auf das Naabtal und die wald-, wiesen- und wasserreiche Umgebung.

 

 

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