27.12.2020 - 11:35 Uhr
Spielberg bei WaldthurnOberpfalz

Bundessieger mit dem Bandoneon

Es klingt schon etwas gewöhnungsbedürftig, dass zu den Eigenschaften eines Landwirts auch musikalisches Gehör nötig sein soll. Den Gegenbeweis liefert Stefan Fuhrich aus Wampenhof.

Bundessieger Handzuginstrumentenmacher Stefan Fuhrich mit seinem Gesellenstück, einen argentinischen Bandoneon.
von Franz VölklProfil

Der 24-jährige Stefan Fuhrich vom Stahlbauernhof ist ausgebildeter Landwirt. Seit Juli hat er auch die Lehre als Handzuginstrumentenmacher in der Tasche hat. Mit durchschlagendem Erfolg schloss er die Ausbildung dieses ausgefallenen Handwerks als Bundessieger ab. Seit August 2017 absolvierte der junge Mann die Ausbildung zum Handzuginstrumentenmacher im Akkordeonbau in der Berufsfachschule Vogtland Musikteil Klingenthal im sächsischen Vogtlandkreis.

Fuhrich erlernte dort, wie man Musikinstrumente wie eine Concertina, Bandoneon, Steirische, Akkordeon, Wiener Harmonika oder auch die russische Bajan handwerklich fachmännisch, handwerklich herstellt. „In das Ausbildungsfeld des Handzuginstrumentenmachers gehören Instrumente mit einem Blasebalg, ausgeschlossen sind Orgel und Harmonium“, erklärte Fuhrich kurz und bündig. Seine Gesellen-Prüfungsfächer umfassten den praktischen Teil mit Herstellung, Einpassen und Zusammenbau von Handzuginstrumentenbauteilen. Schriftlich musste Fuhrich sein Können in den Fächern Technologie, Technische Mathematik, Technisches Zeichnen sowie Wirtschafts- und Sozialkunde vor der Handwerkskammer im sächsischen Chemnitz unter Beweis stellen.

Genauigkeit, Geduld und Fleiß

Beim größten europäischen Berufswettbewerb, beim 69. Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks, hatten bundesweit knapp 20 Handzuginstrumentenmacher – viele aus Klingenthal – mitgemacht. Wegen der Coronapandemie wurde das Gesellenprüfungsergebnis samt Gesellenstück für diesen Wettbewerb übernommen und separat bewertet. Fuhrich schnitt dabei mit einem Gesamtschnitt von 1,9 als Bester ab und wurde in diesem doch sehr auf Genauigkeit, Geduld und Fleiß abgestellten Berufszweig Bundessieger.

„Leider wurde ich wegen der derzeitigen Coronalage nicht nach Berlin eingeladen, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat mir aber bei der Siegerehrung am 5. Dezember eine Videobotschaft gesandt“, erklärte Fuhrich stolz. 104 Bundessieger aus Deutschland aus dem Handwerksbereich erhielten per Livestream aus der Zentrale des deutschen Handwerks diese besondere Ehrung. Besonders freut sich der 24-jährige Wampenhofer, dass damit auch ein hochkarätiges dreijähriges Stipendium verbunden ist, in dessen Rahmen er dann seine Meisterprüfung absolvieren kann. Täglich wartet der neue Bundessieger, dass die entsprechende Urkunde per Post im kleinen Dorf eintrifft. Als Gesellenstück präsentiert Fuhrich ein von ihm hergestelltes argentinisches Bandoneon aus Ahorn und Erle mit Balg, Mechanik, Gehäuse mit Perlmutt- und Neusilbereinlagen.

Rund 350 Arbeitsstunden

Bass-Mechanik-Knöpfe gehören wie das Herzstück, die Stimmplatten mit 142 Zügen, zum Gerät. Fuhrich hat insgesamt acht Wochen mit rund 350 Arbeitsstunden an seinem Gesellenstück dem „Dudei -Bandoneon“ gesägt, gefeilt sowie geschmirgelt. „Sie ist sehr kompliziert zu spielen“, schmunzelt er und entlockt dem Instrument wenigstens eine Tonleiter. Seit seiner Kindheit wird er von seiner Familie und auch Freunden „Dudei“ gerufen, so wird vielleicht in Zukunft auf so manchem Akkordeon die „Marke Dudei – Made in Wampenhof“ zu finden sein. Musikinstrumentenbauer ist ein Beruf für Perfektionisten, auf einen hundertstel Millimeter genau müssen die Instrumente ausgerichtet werden, sonst gibt es Ärger.

Virtuelles Krippenspiel in Waldthurn

Waldthurn

Derzeit baut er eine echte „Dudei-Steirische“. Spontan greift er zur einzig gekauften Steirischen und spielt passend zur Weihnachtszeit: „Still, still, still, weil's Kindlein schlafen will“. Bei der Steirischen spielt man mit Druck und Gegendruck - Druck und Zug sind verschiedene Töne. „Für mich war es schon immer klar, dass ich unsere Landwirtschaft hier in Wampenhof weiterbetreiben möchte“, erklärte Fuhrich entschlossen. Ihm ist allerdings bewusst, dass er den Hof wegen der Größe seines Anwesens mit 20 Hektar Fläche nur im Nebenerwerb betreiben kann. „Mir gefällt die Arbeit als Landwirt“. Nach der dreijährigen Meisterschule, die er abwechselnd im wöchentlichen Rhythmus als Meisterschüler in Sachsen und ausgebildeter Landwirt in der Oberpfalz absolviert, wird er voraussichtlich 2024 als Handzuginstrumentenmachermeister und zugleich Landwirt am Stahlbauernhof tätig sein.

Bundessieger Handzuginstrumentenmacher Stefan Fuhrich zeigt das Innenleben seines Gesellenstücks, einen argentinischen Bandoneon
Das Gesellenstück, ein argentinischen Bandoneon
Bundessieger Handzuginstrumentenmacher Stefan Fuhrich mit seinem Gesellenstück, einem argentinischen Bandoneon
Bundessieger Handzuginstrumentenmacher Stefan Fuhrich arbeitet derzeit am Bau einer Steirischen
Stefan Fuhrich im Sommer 2019 auf seinem Traktor am Stahlbauernhof mit einer Concertina - Marke Eigenbau, die er im ersten Lehrjahr gefertigt hat.

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