23.04.2020 - 14:47 Uhr
Spielhof bei PleysteinOberpfalz

Spielhof vor 75 Jahren in Schutt und Asche

Mit Schrecken erinnern sich heute noch Spielhofer an den 24. April 1945, als ihr Dorf, das damals zu Lohma gehörte, von den amerikanischen Streitkräften in Schutt und Asche gelegt wurde. Kein Ort in der Region wurde so total zerstört.

Völlig zerstört und dann wieder aufgebaut: Die Postkarte ist eine Aufnahme von Spielhof aus den 1950er Jahren nach den Wiederaufbauarbeiten.
von Autor TUProfil

Die Bewohner standen vor dem Nichts. Die Männer waren im Krieg, die alten Leute, Frauen und Kinder blickten verzweifelt auf die Trümmerhaufen, aus denen noch etliche Tage nach der Katastrophe Rauchschwaden aufstiegen.

Der im Juni 2010 verstorbene Ehrenvorsitzende der Spielhofer Feuerwehr, Josef Lang, hatte diese unvergesslichen Tage noch genau im Gedächtnis und für die Nachwelt festhalten lassen. Der „Meißner-Sepp“ war damals zwölf Jahre alt. Bereits am 23. April 1945 donnerten amerikanische Tiefflieger in dem von ihnen uneingeschränkt beherrschten Luftraum über die Ortschaften. Am gleichen Tag marschierten die Amerikaner im benachbarten Pleystein ein, das widerstandslos eingenommen wurde. Die deutschen Militäreinheiten zogen sich daraufhin teilweise nach Spielhof zurück. Da die Brücke über den Zottbach an der Hauptstraße bei Lohma von der SS gesprengt worden war, mussten die Truppen den Weg über Miesbrunn und Spielhof nehmen, um die Hauptstraße wieder zu erreichen.

Josef Lang berichtete auch von zwei deutschen Soldaten, die an diesem 24. April gegen 8.30 Uhr auf den elterlichen Bauernhof gekommen seien und von seiner Mutter verköstigt wurden. Bei dieser Gelegenheit sagten die beiden Landser, dass sie jetzt lieber in Gefangenschaft gehen würden, als weiter vor den Amerikanern davonzulaufen. Sie suchten mit einigen Spielhofern Zuflucht im „Kleber-Keller“, 300 Meter vom Dorf entfernt in einem Hohlweg gelegen.

Am Vormittag dieses 24. April begannen die Kampfhandlungen. Das Dorf wurde vom Hohlweg zwischen der Fuchsmühle und Miesbrunn sowie von Pleystein aus von amerikanischer Artillerie beschossen, da man Widerstand befürchtete. Das verheerende Geschützfeuer dauerte von 9.30 bis gegen 13 Uhr. Um 13.30 Uhr brannte fast das ganze Dorf. Total vernichtet wurden die Höfe der Bauern Piehler, Lang, Völkl, Hartung (Wirt) und der Hennrichten-Hof. Von folgenden Höfen verbrannten die Wirtschaftsgebäude und erlitten die Wohnhäuser Beschädigungen: Kleber, Bergler, Gollwitzer, Hartung (Müller). Nur die Höfe von Josef Kleber (Neubau) und Zimmermann blieben unbeschädigt. Die in 1801 erbaute Kapelle St. Walburga wurde durch einschlagende Panzengranaten schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Nach dem Einrücken der amerikanischen Militärs gegen 14.30 Uhr wurden von diesen die Nebengebäude des Hennrichen-Hofes, die noch nicht gebrannt hatten, mit Fackeln in Brand gesteckt.

Einige Spielhofer waren in ihren Häusern geblieben. 25 Einwohner hatten den „Kleber-Keller“ als Unterschlupf gewählt, neben dem zehn Meter weiter eine Granate explodierte. Aus den Reihen der Einheimischen wurde kein Todesopfer beklagt. Nicht ihrem Schicksal entrinnen konnten jedoch die zwei deutschen Soldaten, die von den Amerikanern im Keller aufgestöbert wurden. Sie wurden auf den Dorfplatz bei der Kapelle geführt und dort erschossen. Ihre Leichen lagen drei Tage auf der Stelle, wo sie hingerichtet worden waren. Alte Spielhofer beerdigten dann die sterblichen Überreste der Soldaten in der Nähe des Dorfes. Im Herbst 1946 fanden sie auf dem Pleysteiner Friedhof ihre letzte Ruhestätte.

Auslösender Moment für die Zerstörungswut der Amis dürfte gewesen sein, dass bei ihrem Anmarsch von Miesbrunn her am Ortseingang von Spielhof drei ihrer Panzer von der deutschen Wehrmacht abgeschossen wurden und sie etliche Tote zu verzeichnen hatten. Die Spielhofer standen dem Flammenmeer nahezu hilflos gegenüber, waren doch die Männer im besten Alter eingerückt und die zurück gebliebenen Senioren, Frauen und Kinder alleine nicht in der Lage, die Feuersbrunst einzudämmen. Als auch das Haus von Hermann Kleber zu brennen anfing, löschten ein paar Buben mit Eimer voll Wasser die aufkommenden Flammen.

Josef Lang erzählte weiter, dass einige der Amerikaner, die den Keller gestürmt hatten, perfekt deutsch gesprochen hätten. Drei Tage und drei Nächte zogen die amerikanischen Truppen in Richtung Grenze. Jene Spielhofer, die obdachlos geworden waren, fanden bei Verwandten oder Nachbarn einstweilen eine Bleibe. Nach der ersten Resignation wurden die Aufräumarbeiten in Angriff genommen. Unter schwierigsten Umständen wurde von den Spielhofern der Wiederaufbau gestartet.

Baumaterial war Mangelware, Geld auch, doch wurde beispiellose Nachbarschaftshilfe geleistet. Im Hause von Josef Kleber hatte sich ein Gefangenenlager befunden, in dem Franzosen untergebracht waren. Auch in Zengerhof waren zwei Anwesen Opfer der amerikanischen Vernichtungsaktion. Der Hof der Familie Gallitzendörfer brannte vollständig aus. Die Familie Bauer musste auf die rauchenden Trümmer der Wirtschaftsgebäude blicken.

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