Kreuzen, Drehen, Kreuzen, und nochmal Kreuzen, Drehen, Kreuzen. Und wieder und wieder: Immer schneller wechseln die Klöppel unter den Händen von Sabine Heibl aus Weiherhammer ihre Lage, während sich die komplizierten Verknüpfungen auf dem Klöppelbrett wie von selbst organisieren. Die 53-Jährige ist eine Meisterin dieser nur scheinbar altmodischen Wirkkunst, die sich heute zu einem i-Tüpfelchen des modernen und extravaganten Modedesigns gewandelt hat. Im Museumsquartier (MQ) Tirschenreuth ist noch bis zum 15. Juli eine Sonderausstellung mit Klöppelarbeiten von ihr und anderen zu sehen.
Beim Klöppeln bildet sich ein „textiles Fadensystem mit offener, durchbrochenen Musterstruktur“, so steht es im Lehrbuch. Und damit ist auch schon klar, dass das nie eine Technik war, mit der man derbe Gebrauchsstoffe herstellte. Es sind einfach zu viele Löcher drin. Dafür lassen sich unglaublich filigrane und transparente Stücke fertigen. Kein Wunder, dass die Klöpplerei früher auf zierende Randbereiche der Kleidung von Reichen und Adeligen beschränkt war. Gefertigt wurde das noble Flechtwerk freilich von den ganz Armen draußen im Land: Heerscharen von Heimarbeiterinnen, vornehmlich im Erzgebirge, in Westfalen, in Franken, aber auch in einzelnen Hochburgen wie Schönsee im Landkreis Schwandorf, waren damit beschäftigt.
So wertvoll waren die „Spitzen“ genannten Produkte, dass man eine Art Gebrauchsmusterschutz pflegte. Jede Klöpplerin durfte nur ein Teilstück einer Spitze klöppeln. So war sie nicht in der Lage, ihr Produkt selbst zu vermarkten. Schon die bayerischen Könige haben diese Kunst als Wirtschaftszweig gefördert. Deshalb haben sie um 1900 in Stadlern, Schönsee und Tiefenbach drei „Königlich-Bayerische Klöppelschulen“ als Arbeitsförderungs-Maßnahme eröffnet. Bis heute wird dieses Handwerk dort hobbymäßig gepflegt. Das Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald ist ins Bundesverzeichnis und das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden.
Die Klöpplerinnen lernen ständig dazu und tauschen bei Workshops ihr Wissen untereinander aus. Auch Sabine Heibl (www.klöppeln-sabine-heibl.de) gestaltet inzwischen sogar dreidimensionale Kunstwerke und „verklöppelt“, wie das offiziell heißt, auch andere Materialien. „Man kann fast alle Materialien verklöppeln.“ In der Ausstellung werden auch 24 Wettbewerbsarbeiten des Deutschen Klöppelverbandes gezeigt, bei denen sogar alte Obstnetze aus dem Supermarkt „verklöppelt“ wurden.
Besonders interessant sind auch Leihgaben des Klöppelmuseums Abenberg (Mittelfranken), bei denen sogar Goldfäden verklöppelt wurden (www.museen-abenberg.de). Hintergrund ist die Verarbeitung von Blattgold im Raum Schwabach und die Drahtherstellung der Leonischen Drahtwerke in Roth (www.fabrikmuseum-roth.de).
Geöffnet hat das Museumsquartier in Tirschenreuth dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr (www.museumsquartier-tirschenreuth.de). Klöppelkurse werden am 7. Juli von 9 bis 17 Uhr und am 8. Juli von 9 bis 12 Uhr angeboten. Anmeldung unter Telefon 09631/6122. (moh)
Klöppeln
Das Prinzip beim Klöppeln ist, dass viele verschiedene Fäden, die auf Holzspindeln, den Klöppeln, aufgerollt sind, durch trickreiches Übereinanderlegen der Klöppel verflochten werden. Die bei jedem dieser „Schläge“ entstehenden Knoten wandern bis zu auf dem „Klöppelbrett“ entsprechend dem daruntergelegten Klöppelbrief aufgesteckten Nadeln. Dabei bildet sich ganz von selber das gewünschte Gewebe.
Erst wenn die Spitze fertig ist, werden die Nadeln herausgezogen. So einfach das Prinzip, so kompliziert die Durchführung. Bei einer aufwendigen Klöppelarbeit sind Hunderte von Klöppeln gleichzeitig im Einsatz. Nur wenige Klöpplerinnen in Deutschland beherrschen die hohe Kunst in höchster Vollendung. (moh)
















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