22.05.2020 - 18:09 Uhr
Oberpfalz

Bei staatlichen Hilfen für die Lufthansa zählt Pragmatismus, nicht Ideologie

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Neun Milliarden Euro soll der Steuerzahler locker machen, damit Lufthansa nicht abstürzt. Es wäre besser die deutsche Fluglinie gleich zu übernehmen, meint Alexander Pausch.

Stillgelegte Passagiermaschine der Lufthansa stehen auf dem Flughafen Frankfurt. Die Lufthansa verhandelt mit deutschen Staat über ein Rettungspaket von 9 Milliarden Euro.
von Alexander Pausch Kontakt Profil
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Ohne Zweifel gehört für ein Land, das wie Deutschland so abhängig vom Export ist, die nationale Fluglinie zur kritischen Infrastruktur. Diese ist so wie Eisenbahn, Straßen oder der flächendeckende Ausbau von superschnellen Datenleitungen eine Bedingung für den wirtschaftlichen Erfolg. Vor diesem Hintergrund spricht alles für eine staatliche Rettung der Lufthansa.

Zumal auch dort wegen der Folgen der Corona-Pandemie Tausende Arbeitsplätze bedroht sind. Aber das hat der Luftfahrtkonzern mit vielen anderen großen und kleinen Unternehmen sowie Gewerbetreibenden gemein. In vielen Branchen gibt es dramatische Schicksale, die der Solidarität aller bedürfen. Denn in der Corona-Pandemie gilt: Es ist nicht individuelle Fehlkalkulation, die Betriebe in Schieflage bringt, sondern höhere Gewalt.

Aber weil so viele Unterstützung der Gesellschaft und des Staates brauchen, gilt es genau hinzuschauen - im Kleinen und im Großen. Denn am Ende müssen alle die Rechnung begleichen. Eine Lehre aus der Finanzkrise ist, dass die Bilanz sehr gemischt ausfällt. So wurde zwar das eine oder andere Institut gerettet, aber der Staat hätte das Ergebnis auch kostengünstiger erzielen können. Das bahnt sich nun auch bei der Lufthansa an. Angesichts der riesigen, weltweiten Überkapazitäten wird die Fluglinie einen langen Atmen brauchen, bis sie wieder ohne Turbulenzen fliegen kann. Immer vorausgesetzt, das weltweite Passagier-Aufkommen erreicht in absehbarer Zeit wieder das Vor-Corona-Aufkommen.

Viel spricht dafür, dass es unter dem Strich für den Steuerzahler besser wäre, der Staat würde Lufthansa komplett übernehmen, um die Fluglinie dann in ein paar Jahren gewinnbringend wieder an die Börse zu bringen. Aber solchen Pragmatismus gibt es nur in den USA, nicht aber in Deutschland. Das hatte sich schon in der Finanzkrise 2008 gezeigt.

Zudem könnte sich ein Eigentümer Bundesrepublik gleich noch die internationale Steuergestaltung der Lufthansa ansehen. Schließlich ist die Airline mit ihren Tochtergesellschaften in vielen einschlägigen Steueroasen vertreten. Sicher nicht zulasten des Unternehmens, aber wohl zulasten der Staatskasse - von der sich die Lufthansa nun Rettung vor dem Absturz erhofft.

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