07.07.2021 - 18:04 Uhr
Steinberg am SeeOberpfalz

Experte erklärt nach Badeunfall am Steinberger See: "Ein Kind ertrinkt leise"

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Nach der Rettung eines Achtjährigen aus dem Steinberger See Ende Juni wird immer klarer, dass auch die Aufmerksamkeit eines Zeugen eine große Rolle gespielt hat. Der Junge habe einen Schutzengel gehabt, sagt die Wasserwacht.

In der Nähe der Erlebnis-Holzkogel am Steinberger See fällt der Grund unter Wasser steil ab. Die Wasserwacht spricht von einer trügerischen Stelle.
von Julian Seiferth Kontakt Profil

Als an einem Sonntag Ende Juni ein Achtjähriger beinahe im Steinberger See ertrank, gab es einen wichtigen Zeugen: Franz Heigl. Der 13-Jährige, so erzählt er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, spielte wenige Meter von den beiden Geschwistern im Wasser, als der Junge begann, immer wieder unterzugehen. Bis Franz Heigl verstand, was da neben ihm passiert, vergingen allerdings mehrere Sekunden.

„Er hat vorher recht wild durchs Wasser getobt, irgendwann nur noch hin und wieder die Hände über Wasser geworfen. Geschrien hat er nicht.“ Als ihm klar geworden sei, dass der Junge ertrinkt, habe er geschrien, „eine Frau“ (Steffi Günther) sei losgerannt und habe den Achtjährigen aus dem See gezogen.

Aufmerksamkeit rettet Kind das Leben

Das, aber auch die Aufmerksamkeit Franz Heigls habe dem Achtjährigen das Leben gerettet, sagt Wolfgang Dantl von der Wasserwacht im Landkreis Schwandorf. „Beim Retten gibt es einen Dreiklang: Mindestens einer ruft, einer springt - wo es sicher ist - hinterher und einer wählt den Notruf“, erklärt Dantl.

Er selbst habe noch niemanden ertrinken gesehen. „Aber das Lehrbuch sagt uns, dass Kinder leise untergehen. Die haben oft den Mund voll Wasser und strampeln, wo Erwachsene vielleicht noch schreien können.“ Der Achtjährige am Steinberger See habe großes Glück gehabt. „So etwas muss man zufällig sehen. Da hat der Schutzengel ganze Arbeit geleistet.“

Jeder kann seinen Teil beitragen

Wer einen Ertrinkenden als solchen erkennt – wie Franz Heigl am Steinberger See – müsse vor allem Aufmerksamkeit erregen, so Dantl. „Je mehr Menschen hinschauen, desto wahrscheinlicher ist, dass einer davon hineinrennt.“ Erst im vergangenen Jahr habe die Wasserwacht in Teublitz mehrere Mitglieder einer Großfamilie aus dem Badeweiher gezogen. „Da waren auf einmal vier Menschen weg. Weil die Zeugen gerufen haben, konnten wir sofort helfen – darauf sind wir angewiesen.“ Das gelte besonders für die vollen Badeseen an heißen Wochenenden. „Jeder kann so seinen Teil beitragen.“

Bewusstsein für die Gefahren der Gewässer

Unterschiedliche Gewässer bergen verschiedene Gefahren. „ Am Steinberger See geht es oft recht flach rein, da kann man mit Kindern ins Wasser“, erklärt Wolfgang Dantl. „Am Südufer und bei der Kugel an der Westseite wird’s recht steil. Wenn man da überrascht wird, wird es schnell gefährlich.“ Erfahrene Schwimmer verunglückten selten, es sei denn, es kommt zu einem medizinischen Notfall wie einer Verletzung oder Kreislaufproblemen. Gefährdet seien dagegen Nichtschwimmer, besonders junge Männer. „Die gehen mit einer Gruppe weg, es wird etwas getrunken und dann traut sich keiner zuzugeben, dass er nicht Schwimmen kann.“ Vielen fehle das Bewusstsein für die Gefahren der Gewässer. „Schwimmen ist immer gefährlich. Deshalb geben wir im Moment Schwimmkurse wie die Wahnsinnigen.“ Er habe die Hoffnung, dass so weniger Menschen dasselbe erleben wie Franz Heigl Ende Juni am Steinberger See.

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"Er hat hin und wieder die Hände über Wasser geworfen. Geschrien hat er nicht."

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