31.05.2019 - 16:56 Uhr
Steinling bei EdelsfeldOberpfalz

Felskeil bedroht Wohnhaus

Lion ist genervt. Der Dreijährige möchte endlich wieder in seinem Kinderzimmer spielen - aber er darf nicht. Denn hinter dem Haus seiner Familie ist eine Felswand eingestürzt, das Gebäude ist von weiteren Brocken bedroht und für den Zutritt gesperrt. Jetzt lebt Lion im Wohnwagen. Wie das alles weitergeht, ist noch nicht abzusehen.

Die halbe Felswand ist zusammengekracht und in die Spalte hinter dem Haus gestürzt. Jetzt droht weiteres Ungemach.
von Joachim Gebhardt Kontakt Profil

Am 16. März gegen 19 Uhr scheuchte ein mächtiges Rumpeln die Familie auf: Hinter dem Haus von Nicole und Tobias Röttcher hatten sich mächtige Sandsteine gelöst und waren in den drei Meter breiten Spalt zwischen Hausmauer und Steinwand gedonnert - weit über hundert Tonnen. Getroffen wurde zwar nur ein Balkon, der Hausschaden ist relativ gering - aber da steht noch ein riesiger Keil in der Wand, der ebenfalls noch umfallen könnte. Er würde das Haus wohl zerstören.

Viele Feuerwehrleute und auch einige Geologen sahen sich inzwischen den Schaden an. Resultat: Das Haus ist inzwischen amtlich gesperrt, da bei einer Benutzung die Menschen Schaden nehmen könnten, wenn der Felskeil umfällt. Die Gutachten kosteten auch schon eine Menge Geld.

Tobias und Nicole Röttcher sitzen mit den beiden Kindern in ihrem neuen „Wohnzimmer“: Seit März leben sie in einem Wohnwagen vor dem Haus, das sie nicht mehr betreten dürfen.
Ein Felskeil in der Wand, der nicht mehr sicher steht, bildet eine Bedrohung für das Haus.

Tierpension läuft weiter

Für die Röttchers mit ihren beiden Söhnen Lion (3) und Ben (zehn Monate) hieß das: Umziehen in einen eilends angeschafften Wohnwagen. Eine von der Gemeinde organisierte Wohnung an anderer Stelle kam nicht infrage, denn in einem (ungefährdeten) Nebengebäude des Hauses ist die Kleintierpension von Nicole Röttcher untergebracht; die Tiere dort brauchen ständig Fürsorge, also die Anwesenheit der Betreuer.

2003 hatte die Röttchers die Resthofstelle gekauft und saniert, viel Geld ins Haus und die Tierpension investiert. Und jetzt dieses Unglück. "Vermutlich sind die Baumwurzeln über Jahre in den Sandstein hineingewachsen und haben ihn letztlich gesprengt", erklärt Nicole Röttcher die Ursache. Der Sturm im Frühjahr habe an den Bäumen gerüttelt, das übertrug sich dann wohl auf die Wurzeln und lockerte die Felsen. Die Wand und das darüberliegende obere Grundstück gehören übrigens auch zum Haus.

Was ist jetzt zu tun? Nach vielen Expertenbesuchen und Überlegungen fand sich schließlich ein Unternehmer aus der Region, der den Auftrag übernehmen wird: Nach diesem Modell wird die Felswand zunächst mit massiven Strohballen zum Haus hin abgesichert. Dann sollen Bagger-Arbeiten beginnen, die Wand wird von oben terrassenförmig abgegraben und das Gestein auf sicherem Grund zwischengelagert. Vielleicht kann der Sandstein auch weiterverwertet werden. Das Ganze wird natürlich einige Wochen dauern.

"Wir sprechen hier von rund 10 000 Tonnen", meint Nicole Röttcher, die den Gesamtaufwand für Sanierung und Sicherung auf 100 000 Euro schätzt. Gibt es da keine Versicherung? Das ist ein weiterer Knackpunkt: Beim Abschluss habe seinerzeit der Versicherungsvertreter ihnen die sogenannte Elementarversicherung mehr oder weniger ausgeredet, die sei hier unnötig. Und doch hätte sie gegriffen, sind die Eheleute sicher. Nicole Röttcher hat die Versicherung deshalb bereits verklagt; was herauskommt, ist allerdings fraglich.

Spendenaktion beginnt

Deswegen soll jetzt eine Spendenaktion anlaufen (siehe Info-Kasten), um die Sicherung des Hauses zu ermöglichen. Sollte die Versicherung doch noch einspringen, wird das Spendengeld der Deutschen Knochenmarkspender-Datei gestiftet.

Bürgermeister Hans-Jürgen Strehl hat die Hilfe der Gemeinde Edelsfeld schon zugesagt, auch die Nachbarn aus der Dorfgemeinschaft kümmern sich um die Familie und helfen, wo es geht. Landrat Richard Reisinger ist ebenfalls informiert und aktiv geworden. Und die Röttchers? Leben jetzt seit einem Vierteljahr im Wohnwagen vor dem Haus und arbeiten fieberhaft an einer Lösung, damit sie wieder in ihr geliebtes Haus können. Und das alles im Angesicht eines drohenden Nachsturzes.

Info:

Spendenkonto

Spenden für die vom Felssturz betroffene Familie in Steinling können gegeben werden auf die Konto-Nummer mit der IBAN

DE 40 7525 0000 0021 4524 87 bei der Sparkasse Amberg-Sulzbach unter dem Stichwort „Felssturz“.

In Steinling ist die Gefahr beseitigt

Steinling bei Edelsfeld
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