12.03.2020 - 15:46 Uhr
StörnsteinOberpfalz

Kein Winter, wie er früher einmal war

Der Winter war so gut wie ein Totalausfall. Die dicke Packung Schnee gab es auch in der Region erst zwei Tage vor seinem Ende. David Frahnow, der Hamburger Wetterfrosch mit Wurzeln in Störnstein, untermauert das mit Zahlen.

Der Winter 2019/2020 brachte auch beim Schneefall einen Minusrekord für dieses Jahrtausend.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Nach den Worten von David Frahnow, der im Garten seiner Eltern eine Wetterstation betreibt, war es mit einer Durchschnittstemperatur von 2,0 Grad Celsius der drittwärmste Winter in Störnstein seit 2001 und damit 2,8 Kelvin über dem Mittelwert in diesem Jahrtausend. Noch wärmer war es 2015/2016 mit 2,3 Grad und 2006/2007 mit 2,1 Grad. Deutlich dann der Temperaturabfall auf Platz vier: 2013/2014 sank das Thermometer im Durchschnitt auf 1,6 Grad. Den bisher kältesten Winter seit 2001 registrierte der Hamburger 2005/2006 mit Minus 3,3 Grad Celsius.

Die Anzahl von 6 Eistagen war extrem niedrig. "Im Schnitt der Jahre 2002 bis 2019 sind es 27 Tage, an denen die Temperatur im negativen Bereich bleibt", errechnete Frahnow. Auch die übrigen Werte sprechen gegen einen Winter, der seinen Namen verdient hat: Es gab 50 Frosttage, gegenüber 65 im Mittel und nur 10 mit einer Schneedecke, gegenüber 55 im Durchschnitt.

Die höchste Temperatur registrierte Frahnow am 1. Februar mit Plus12,6 Grad. Der kälteste Wert in Störnstein wurde am 2. Januar mit Minus 8,7 Grad erreicht. Bayern war mit 2,7 Grad zwar das kühlste Bundesland. Die Abweichung zum langjährigen Mittel liegt aber bei plus 3,7 Kelvin.

Der Niederschlag betrug gut 220 Litern pro Quadratmeter. "Das entspricht 110 Prozent vom Soll entspricht." In Störnstein fielen an 48 Tagen insgesamt 196 Literl, was sogar 113 Prozent entspricht.

An 10 Tagen wurde eine geschlossene Schneedecke beobachtet. Die höchste Schneehöhe gab es am 28. Februar mit 10 Zentimeter. "So wenig von der weißen Pracht gab es seit dem Messbeginn in Störnstein noch nie", weiß der Hamburger Wetterstatistiker. Im Winter 2006/2007 waren es 14 Tage, im Winter 2005 auf 2006 gab es 80 Schneedeckentage mit einer maximalen Schneehöhe von 44 Zentimetern.

Nach Frahnows Worten ist es ganz normal, dass es immer wieder milde Winter in der Oberpfalz gibt. Die Luftströmung spielt eine große Rolle. Entscheidend ist ob milde oder kalte Luft die Region erreicht. "Dennoch war dieser Winter außergewöhnlich, da uns Ende Januar eine lange Reihe kräftiger Tiefdruckgebiete wie an einer Perlenkette immer wieder erreichte mit milder, zum Teil feuchter Luft mit viel Wind und Rekord-Temperaturen. Die Anzahl der Tage mit einer Windstärke 8 und mehr lag in diesem Winter bei 8. Die Spitzenböe wurde am 23. Februar mit 92 Stundenkilometern beim Sturmtief "Yulia" gemessen. Beim Orkan "Sabine" erreichte die heftigste Böe 91 km/h, in Weiden sogar 108 Stundenkilometer.

Ungewöhnlich viel Niederschlag gab es im Februar. So nass war dieser Monat in Störnstein noch nie, seit 2001: 129,6 Liter gaben die Messgeräte an 23 Tagen aus.

„Auch in fast ganz Europa fiel der Winter extrem mild aus. Verantwortlich dafür war der Kältepol der Nordhemisphäre, der sich im Raum Nordkanada-Grönland ständig regenerierte", zitiert Frahnow den Deutschen Wetterdienst. "Das zugehörige Starkwindband schickte immer wieder Tiefdruckgebiete über Island nach Nordrussland. Dadurch befand sich ein Großteil Europas dauerhaft in einer kräftigen, extrem milden Südwestströmung. Sie sorgte in Deutschland vielerorts für einen ‚Totalausfall‘ des Winters. Auch Niederschlag und Sonnenscheindauer lagen hierzulande deutlich über dem vieljährigen Mittel.“ Diese Aussagen untermauert Frahnow mit seinen Beobachtungen in Störnstein.

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