18.09.2020 - 10:29 Uhr
StörnsteinOberpfalz

Widerstand gegen Südostlink: "Wir müssen wirklich hellhörig sein"

Der Widerstand gegen den Südostlink ist jetzt in Stein gemeißelt. Die Bürgerinitiative (BI) für eine dezentrale Energiewende setzt bei Störnstein mit einem Findling und einer Eiche ein Mahnmal im Kampf gegen die „Monstertrasse“.

Eine Eiche und ein Findling stehen für den Widerstand gegen den Südostlink: Unter den Unterstützern der Bürgerinitiative sind Bürgermeister Markus Ludwig und der Landwirt Hubert Meiler (Erster und Zweiter von links). Die Inschrift auf dem Stein hat der BI der Steinmetzmeister Rüdiger Goedecke geschenkt (Siebter von links).
von Gabi EichlProfil

Stein und Eiche stehen auf einer Wiese des Landwirts und FW-Sprechers im Gemeinderat, Hubert Meiler. Einer Wiese, die den Trassenverlauf bei Störnstein markiert. Für die junge Eiche, die nach einem Frostschaden wieder neu antreibt, will die Bürgerinitiative mit allen Mitteln kämpfen, heißt es. Vorerst fährt täglich jemand zu dem Bäumchen und gießt es.

"Todesstreifen für Bodenleben"

Meiler bezeichnet Eiche und Stein vor einem guten Dutzend Unterstützer der BI als Symbole des Widerstands. Unter den Teilnehmern sind Bürgermeister Markus Ludwig, der Sprecher der BI, Josef Langgärtner, FW-Kreisrat Karl Meier und der Mann, der der BI die Inschrift auf dem Findling „Gegen SüdOstLink 2020“ geschenkt hat, der Püchersreuther Steinmetzmeister Rüdiger Goedecke.

Meiler beschwört die Gruppe, nicht nachzulassen im gemeinsamen Widerstand: „Wenn´s oben nimma geht, einfach von unten wieder nei afanga, dann schaff´ ma´s.“ Er selbst hat Widerspruch eingelegt gegen die Probebohrungen auf seinem Grund. Inzwischen hat er eine Duldungsanordnung erhalten.

Auf einer Tafel zwischen Baum und Stein steht: „Liebe Leute, nehmt euch ein paar Minuten und genießt die Aussicht auf unsere schöne Störnsteiner Flur, bevor hier die Monstertrasse Südostlink gebaut wird (ein Todesstreifen für jegliches Bodenleben)!“

Bürgermeister Markus Ludwig erinnert an die jüngst ausgesprochene Veränderungssperre für die Flur, über die die Trasse verlaufen soll. Der Gemeinderat habe über Widerspruch diskutiert, habe sich aber von Fachleuten sagen lassen müssen, dass hier nur eine kaum erfolgreiche Klage möglich sei. Man habe die Argumente gleichwohl noch einmal vorgebracht und auch die zuständigen Abgeordneten angeschrieben.

Das Beispiel Niederaichbach

Der BI-Sprecher Langgärtner bringt den Fall Niederaichbach zur Sprache, um deutlich zu machen, wie wenig man sich auf Aussagen zu Grenzwerten des Netzbetreibers Tennet verlassen könne. In dem Ort im Kreis Landshut waren Spaziergänger immer wieder von leichten Stromschlägen unter einer Hochspannungsleitung getroffen worden. Als die Gemeinde eine TÜV-Studie in Auftrag gab, zeigte sich, dass die zulässigen Grenzwerte um mehr als das Doppelte überschritten werden. Aktuell wäre ausgerechnet dieses Niederaichbach die Endstation des Südostlinks.

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"Wir dürfen nichts glauben"

„Da sieht man, wie man sich darauf verlassen kann, wenn Tennet sagt, wir halten uns an die Grenzwerte“, sagt Langgärtner. Und er folgert: „Wir müssen wirklich hellhörig sein und dürfen nichts glauben.“ Der Elektroingenieur Langgärtner fragt weiter, warum man nichts höre in Bezug auf die magnetische Feldstärke des Kabeltyps, den Tennet verbauen wolle. Denn dieser Kabeltyp sei inzwischen bekannt, die Feldstärke entsprechend leicht zu berechnen. „Weil´s Angst haben, dass´ übern Wert kommen.“ Die Bundesnetzagentur glaube alles, was Tennet sage, „aber wir dürfen uns darauf nicht verlassen“.

Die Veränderungssperre umfasst übrigens nicht die Flurnummer, auf der Eiche und Stein stehen, „die ham´s vergessen“, sagt Meiler.

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