05.02.2021 - 15:46 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bahnstrom im Landkreis Amberg-Sulzbach: Gutachter nimmt Arbeit auf – Alternativen prüfen bis Mai

Die IG „Bahnstrom – so nicht!“ kann einen Etappensieg vermelden: Ihr Wunsch-Gutachter Professor Arnd Stephan prüft in einem neuen Gutachten Alternativen zur Elektrifizierung der Bahnstrecken in Nordostbayern. Wie geht es weiter?

Überirdische Stromleitungen der Bahn würden viel Natur zerstören. Dagegen richtet sich im westlichen Landkreis Amberg-Sulzbach Protest – wie hier zum Ausdruck gebracht durch ein Plakat bei Höfling im Birgland.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Der Protest der IG „Bahnstrom – so nicht!“ hat gefruchtet. Zwar begrüßt die Gemeinschaft aus neun Kommunen und dem Landkreis die Elektrifizierung des Zugverkehrs, kritisiert aber die in ihren Augen höchst umweltschädliche Trassenführung in der vorläufigen Entwurfsplanung der Bahn. Das von dem Etzelwanger Elektrotechnikingenieur Gerhard Pirner erarbeitete Konzept mit drei technischen Alternativvorschlägen zur Planung der Bahn ist nun Grundlage eines neuen Gutachtens, das alle Optionen ergebnisoffen bewerten soll.

Wie die Bahn in einer Pressemitteilung bekannt gibt, hat Arnd Stefan die Arbeit an seinem Gutachten begonnen und das weitere Vorgehen bei einem Auftakttermin am 3. Februar in Nürnberg vorgestellt. Der Dr.-Ingenieur ist renommierter Professor für Elektrische Bahnen an der TU Dresden und war der Wunschkandidat der IG „Bahnstrom – so nicht!“. Dass mögliche Alternativen zur aktuellen Planung der Bahnstromleitung nun wissenschaftlich neu bewertet werden, können die Kritiker deshalb als ihren Erfolg verbuchen.

Varianten werden verglichen

Wie die Bahn in ihrer Mitteilung schreibt, stehen Prof. Stephan und seinem Uni-Team nun arbeitsreiche Monate bevor. „Die möglichen Varianten der Elektrifizierung sollen systematisch identifiziert und in einem Differenzialvergleich gegenübergestellt werden.“ Als Optionen würden dabei laut Bahn sowohl „klassische Freileitungen über eine dezentrale Bahnstromversorgung mit Umrichterwerken bis hin zu einem starr geerdeten Inselnetz mit teilweiser Erdverkabelung“ untersucht. Wichtig für den Landkreis: Auch die Vorschläge von Ingenieur Gerhard Pirner aus Etzelwang fließen mit ein.

Professor Stephan wurde bereits im November als Gutachter bestellt. An der Auswahl waren sowohl Lokalpolitiker aus dem Kreis als auch die Bahn beteiligt, weshalb Stephan von beiden Seiten akzeptiert wird. Seine Bezahlung übernimmt der Bund. Erste Ergebnisse werden bis Mai wartet.

Bei seiner Arbeit an dem Gutachten wird dem Professor ein sogenanntes Begleitgremium auf die Finger schauen – „im Sinne der Transparenz“, wie die Bahn bekanntgibt. Dieses Gremium besteht laut der Mitteilung des Konzerns aus den Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier (CSU) und Stefan Schmidt (Grüne) sowie dem Hersbrucker Bürgermeister Robert Igl.

Dehling und Pirner als „Aufpasser“

Aus dem Kreis Amberg-Sulzbach ist Illschwangs Bürgermeister Dieter Dehling als einer der Wortführer der IG „Bahnstrom – so nicht!“ und Elektrotechnikingenieur Gerhard Pirner Teil der Begleitgremiums. Die Runde wird sich laut Bahn einmal monatlich treffen und gemeinsam mit dem Konzern und dem Dresdner Team von Prof. Stephan besprechen. So werde sichergestellt, dass auch die Interessen des Landkreises berücksichtigt werden.

Die Bahn zitiert Dehling mit den Worten: „Ich freue mich, dass wir das Gutachten gemeinsam auf den Weg gebracht haben.“ Die so hergestellte Transparenz sei wichtig für die Akzeptanz der Elektrifizierungsmaßnahmen in der Bevölkerung und solle die „verträglichste Lösung für die Region“ bringen.

Welche Trassen-Alternativen die Kritiker vorschlagen, erfahren Sie hier.

Sulzbach-Rosenberg

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.