23.11.2020 - 17:38 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bahnstromtrasse: Gegner setzen auf drei Alternativen ohne Freileitung

Pläne zur Bahnstromtrasse erhitzen die Gemüter. Einerseits macht sich die Bahn für ihre Varianten stark, andererseits werden Schäden in der Natur befürchtet. Alternative technische Planungen könnten jetzt die Lösung des Konflikts bedeuten.

Vorstellung der Alternativen zur Bahnstromversorgung im Saal des Neukirchener Hofes mit (von rechts) Gerhard Pirner, MdL Harald Schwartz und den Bürgermeistern Peter Achatzi und Dieter Dehling.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Der Gesprächsfaden ist nicht abgerissen, es herrscht weiterhin Dialogbereitschaft, um eine möglichst sinnvolle Lösung zur Elektrifizierung der Bahnstrecken in Nordostbayern zu erreichen. Auf Vermittlung von Landtagsabgeordnetem Harald Schwartz (CSU) hatte es Anfang Oktober Gespräche im bayerischen Innenministerium mit Vertretern der Unter-Ressorts Verkehr und Bau gegeben, um auf Alternativen zur geplanten Freileitungsstromtrasse der Bahn hinzuweisen.

Der Etzelwanger Elektrotechnikingenieur Gerhard Pirner hat nun auf Anregung von MdL Schwartz, der IG "Bahnstrom - so nicht" und verschiedener betroffener Kommunen eine eigene umfassenden Planung entworfen, die verschiedene Alternativen zur beabsichtigen Hochspannungsleitung der Deutschen Bahn aufzeigt.

Wissenschaftlich fundiert

Wie der Parlamentarier am Montag bei der Vorstellung und Pressekonferenz unter Corona-Regeln im Saal des Neukirchener Hofes sagte, erläuterte der Planungsentwurf auf 35 Seiten wissenschaftlich fundiert zunächst die technischen Grundlagen und Besonderheiten der Bahnstromversorgung mit der Sonderfrequenz von 16,7 Hertz in Deutschland. "Der überwiegende Teil der Bahnstrecke wird aus dem zentralen 110kV-Netz der DB mit einer Gesamtlänge von 7800 km versorgt, es gibt aber auch Gebiete, die dezentral über Umrichterstationen aus dem öffentlichen Netz gespeist werden", erläuterte Gerhard Pirner. In seinem Entwurf ging er auch auf die Besonderheit des gelöschten Netzes ein, welches eine automatische Löschung von Erdschlüssen ermögliche. Die Gesamtkapazität des gelöschten Netzes hab nach Expertenmeinung und auch nach Aussagen der DB einen Grenze erreicht, die sowohl einen Erdverkabelung unmöglich mache, aber auch keine Erweiterung des Freileitungsnetzes erlaube.

Zunächst Schockwirkung

Die Protestbewegung sei geschockt gewesen, welche Ausmaße an Naturzerstörung die ursprünglichen Planungen der Bahn mit sich gebracht hätten. Dies bestätigten bei der Pressekonferenz erneut die Bürgermeister aus Neukirchen, Illschwang, Sulzbach-Rosenberg, Etzelwang, Weigendorf, Ammerthal, Pommelsbrunn, Kümmersbruck, Amberg und Vertreter des Landkreises. Sie alle setzen nun größte Hoffnung in den vielfach gelobten Planungsentwurf von Gerhard Pirner.

Auch alle Eingriffe in die Natur müssen bei der Kostenaufstellung bewertet werden.

Gerhard Pirner

Gerhard Pirner

"Wir setzen weiter auf einen konstruktiven Dialog und machbare Ergebnisse des Gutachtens, das keine Verschiebung der Trassen beinhalten soll, sondern echte technische Alternativen. Denn wir sind überzeugt, dass die Bahnstromversorgung in Nordostbayern auch ohne Freileitungen funktioniert, was Beispiele aus Europa und Deutschland auch so belegen", merkte Bürgermeister Dieter Dehling an.Folgende Varianten stellte Gerhard Pirner vor:

Variante A

Dezentrale Einspeisung über Umrichterstationen in Hohenstadt, Schnabelwaid, Irrenlohe und Wiesau: Die Versorgung der Umrichter wird durch 110 kV-Leitungen des öffentlichen Netzes sichergestellt, die sich jeweils in unmittelbarer Nähe der Umrichter befinden. Die Variante wird nach wie vor von der DB als nicht funktionsfähig bezeichnet. Man könne nur einzelne Umrichter so wie im Allgäu, aber keinesfalls vier zusammenhängende betreiben. Es liege jedoch ein Gutachten der renommierten "Bahnstromuniversität" Dresden vor, welches bestätigt, dass sogar der Betrieb des gesamten Bahnstromnetzes in der BRD dezentral mit bis zu 180 Umrichtern technisch möglich wäre.

Variante B

Zentrale Einspeisung in die Bahnstromleitung Regensburg-Wiesau, dezentraler Umrichter in Schnabelwaid: Bei dieser Lösung würde zwar eine neue Bahnstromleitung von Regensburg bis Wiesau, eventuell unter Mitführung auf bestehenden Leitungen, gebaut aber eine Leitung über die Alb und durch den Veldensteiner Forst wäre überflüssig. Diese Lösung kann die DB nicht als nicht machbar bezeichnen, da der einzelne Umrichter in Schnabelwaid genau der Lösung im Allgäu entspricht.

Variante C

Galvanische Trennung des Bahnstromnetzes, Erdverkabelung durch sensitive Gebiete: Diese Variante sieht vor, das neue Bahnstromnetz wie von der DB gewünscht zu realisieren, aber durch Netzkupplungen (Trenntrafos) in Ottensoos und Burgweinting galvanisch zu trennen. Damit steht eine eigene Gesamtkapazität des neuen Netzes von 8000 km zur Verfügung und es wird eine Erdverkabelung durch sensitive Gebiete möglich. Diese Lösung wurde von der DB als funktionsfähig bezeichnet.

Wie Pirner anführt, kämen alle alternativen Vorschläge weitgehend ohne Freileitung aus. Ursprünglich hätte das Raumordnungsverfahren bereits bis November anlaufen sollen, aber jetzt werde es sicher nicht vor Juni 2021 starten. "Wir hoffen nun auf eine positive Bewertung der Entwürfe in einem neuen Gutachten. Kosten sind dazu noch nicht berücksichtigt, aber man muss dabei schon auch bedenken, was uns unsere Natur wert ist. Auch alle Eingriffe in die Natur müssen bei der Kostenaufstellung bewertet werden", ist Gerhard Pirner überzeugt.

Konsens im Mittelpunkt

Die technischen Alternativen im Planungsentwurf, die alle machbar seien, sollten nun die Basis für ein neues Gutachten sein. Beauftragt könnte es nach Ansicht von MdL Schwartz von einem Bundesministerium werden. Pia Huber und Hermann Gradl von der IG "Bahnstrom - so nicht", stellten den Konsens der Kommunen untereinander heraus. "Wir wollen keine Trassenverschiebung, sondern setzen auf machbare technische Varianten ohne Zerstörung der Landschaft", so Huber und Gradl.

Pirners Entwurf sei durch Harald Schwartz dem Bayerischen Wirtschaftsministerium, Abteilung Raumordnung, zur Begutachtung vorgelegt worden und am Mittwoch, 25. November, finde eine weitere Besprechung im Maximilianeum statt. "Zudem soll ein externes wissenschaftliches Gutachten zu den alternativen Vorschlägen in Auftrag gegeben werden. Die DB hält jedoch bis dato an ihrer Trassenplanung fest", resümiert Pirner.

Mehr zu den Plänen für Bahnstromtrassen

Oberpfalz
Pia Huber, Sprecherin der IG „Bahnstrom-so nicht!“ setzt weiter auf Dialog
Hermann Gradl, Sprecher der IG „Bahnstrom-so nicht!“, sieht in den alternativen Vorschlägen einen weiteren Mosaikstein für einen tragbare Lösung.

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