30.10.2020 - 15:54 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bernhard Setzwein und seine "Freude, ein Anstifter zu sein"

Tagebuch schreiben ist wieder angesagt. In seinem "Gelben Tagwerk" dokumentiert Schriftsteller Bernhard Setzwein allerdings weder Corona-Kontakte noch allzu Privates. Stattdessen setzt er auf das literarische Notat mit Mehrwert.

In der letzten Lesung vor dem neuen Kultur-Lockdown stellte Bernhard Setzwein "Das gelbe Tagwerk" vor.
von Anke SchäferProfil

Voyeuristische Begehrlichkeiten bediente der von Patricia Preuß moderierte Abend also nicht. Vielmehr exerzierte Bernhard Setzwein mit zahlreichen Kostproben aus seinem im Frühjahr erschienenen Buch vor, welche Bandbreite das chronologische Bündeln von Erlebtem bietet.

Mal sind es Aphorismen aus dem Alltag, mal literarisch verpackte politische Statements, mal Gedanken zu Tod und Sterben - "das bringt das Leben halt so mit sich" - und mal ganze Geschichten, auch aus der eigenen Familienhistorie. Generell seien es vor allem Orte, die ihn zum Schreiben inspirieren, bekennt Setzwein. Besonders angetan hat es ihm die "Sehnsuchtslandschaft" Böhmen, in deren unmittelbarer Grenz-Nachbarschaft der Schriftsteller seit der Wende lebt.

Eingehender zu Form und Vorgehen befragt, wirft Bernhard Setzwein allerdings die Frage auf, ob das sich über zehn Jahre erstreckende "Gelbe Tagwerk" überhaupt ein Tagebuch sei. Da die spätere Veröffentlichung von Anfang an im Vordergrund stand, tendiert er mehr zum Begriff Notat. Dafür spricht auch das Fehlen einer konkreten Datierung: "Ein Tagebuch muss lückenlos sein. Für mich war es eine Befreiung, als ich das Datum weggelassen habe", so der Schriftsteller. Außerdem belässt er es nicht bei spontan hingeworfenen Gedanken und Eindrücken: "Ich überarbeite meine Einträge ganz stark."

Feinziselierte Formulierungen, Wortwitz in Form von "Verlesern" oder zum Kulminationspunkt hin aufgebaute Geschichten dienen dem erklärten Ziel, dem Leser einen Mehrwert zu bieten. Dass viele Reaktionen bewusst oder unbewusst seinen Erzählton aufgreifen, erfüllt Setzwein mit der "Freude, ein Anstifter zu sein".

Mit der grünen Fortsetzung des "gelben Tagwerks" und seines blauen Vorgängers will er übrigens nicht mehr so lange warten: Die Zehnjahresspanne, die beide Tagwerke jeweils umspannen, seien kein Dogma. Und auch das neue Romanprojekt mit dem Arbeitstitel "Das Buch, das niemand lesen kann" wartet schon in der Schublade, die bei Bernhard Setzwein allerdings ganz zeitgemäß ein Computer ist.

Zum 60. Geburtstag von Bernhard Setzwein

Waldmünchen im Landkreis Cham

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