09.07.2021 - 13:54 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Besucher im Krankenhaus zu sorglos

Immer weniger Besucher wollen die notwendigen Hygieneregeln im Krankenhaus St. Anna in Sulzbach-Rosenberg einhalten. Liegt es an der bei Fußballspielen zur Schau gestellten Fahrlässigkeit? Der Pandemiebeauftragte schreibt einen Brandbrief.

Eine Pflegekraft mit Atemschutzhelm – diese Helme wurden im vergangenen Jahr im St.-Anna-Krankenhaus getestet. Mit Sorge wird mittlerweile die Nachlässigkeit der Besucher bei der Einhaltung der Hygieneregeln beobachtet.
von Externer BeitragProfil

Die Europameisterschaft neigt sich dem Ende zu. Damit werden auch erste Meldungen aus veranstaltenden Ländern über Corona-Infektionsfälle im Zusammenhang mit Fußballspielen aus der zweiten Juni-Hälfte veröffentlicht. "Im Krankenhaus bemerken wir – eventuell durch die im Fernsehen zur Schau gestellte Fahrlässigkeit von Veranstaltern und Besuchern getriggert – einen vermehrten Unwillen zur Einhaltung von nach wie vor notwendigen Hygieneregeln", schreibt Thomas Rauner, Pandemiebeauftragter am Krankenhaus St. Anna in Sulzbach-Rosenberg, in einer Pressemitteilung.

Die Zeichen seien jedoch eindeutig: Während wochenlang sinkende 7-Tages-Inzidenzen die Regel waren, würden die Zahlen langsam stagnieren oder steigen. Nicht überall, aber doch eindeutig. Eine ähnliche Situation hätten die Menschen bereits im Februar 2021 erlebt. Was danach gekommen sei, nenne sich heute „dritte Welle“. "Wenn wir Pech haben, erleben wir nach der EM nicht nur ein Superspreading-Event wie 2020 in Ischgl, sondern ein Vielfaches", so Rauner. Wie immer würden sich Hygieneverantwortliche wünschen, dass ihre Prognosen nicht eintreten mögen, "gleichwohl werden sie meistens enttäuscht".

Kranke haben geschwächtes Immunsystem

In der Pressemitteilung heißt es weiter: "Im Krankenhaus befinden sich Kranke. Das ist eine Binsenweisheit, die allerdings immer wieder wiederholt werden muss. Kranke haben in der Regel ein geschwächtes Immunsystem, sind in der Regel älter, haben mehr Vorerkrankungen als Gesunde außerhalb des Krankenhauses. Und Kranke haben auch meistens ebenfalls kranke Zimmernachbarn. Wenn ein Ehepartner den erkrankten Ehepartner im Krankenhaus besucht, ist das deshalb nicht dasselbe, wie wenn die Ehepartner zu Hause zusammenleben. Zu Hause teilen Eheleute ihre Keimflora im besten Fall nur untereinander. Im Krankenhaus teilen sie die Flora mit der Zimmernachbarin, der Reinigungskraft, der Schwester, dem Arzt, der Röntgenassistentin und so weiter."

Natürlich werde versucht, durch Hygiene- und Barrieremaßnahmen, Keimverbreitungen so gut wie möglich zu vermeiden. Während dies bei Kontaktinfektionen wie beispielsweise dem berühmten MRSA, aber auch bei MRGN und anderen sogenannten Krankenhauskeimen recht gut gelinge, sei dies bei luftgetragenen Erregern wie zum Beispiel Influenza oder in diesem Fall SARS-CoV-2 nur begrenzt möglich, da alle die gleiche Luft atmen müssten.

"Aus diesem Grund können wir gar nicht anders, als weiterhin zum Schutz unserer Patienten und Mitarbeiter auf die vom Robert-Koch-Institut (RKI) vorgeschlagenen Hygieneempfehlungen zu setzen, die im Übrigen auch vom Bayerischen Gesundheitsministerium im für die Krankenhäuser gültigen Rahmenkonzept verlangt werden", heißt es in der Pressemitteilung.

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Wie immer wünschen sich Hygienebeauftragte, dass ihre Prognosen nicht eintreten, gleichwohl werden sie meistens enttäuscht.

Pandemiebeauftragter Thomas Rauner

Info:

Besucherregeln für das Krankenhaus

  • Besuchszeiten sind im St. Anna Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg täglich von 14 bis 19 Uhr; in der St. Johannes Klinik in Auerbach werktäglich von 15 bis 17 Uhr, an Wochenenden und feiertags von 13 bis 17 Uhr
  • Voraussetzung ist: Symptomfreiheit am Besuchstag und den letzten 14 Tagen; ein Nachweis über eine vollständige Immunisierung gegen Covid-19, bestehend aus einer (Johnson & Johnson) bzw. zwei Impfungen vor länger als 14 Tagen, oder aus einer Impfung nach PCR-bestätigter Erstinfektion mit SARS-CoV-2.
  • Alternativ ein Nachweis über eine PCR-bestätigte, überstandene Covid-Infektion vor mehr als 28 Tagen, aber nicht länger als 6 Monaten (Genesenenbescheinigung).
  • Alternativ eine Bestätigung über eine negative PCR- oder Antigen-Testung auf SARS-CoV-2, die nicht älter als einen Tag sein darf.
  • Besuche im Isolationsbereich sind generell nicht erlaubt.
  • Ausnahmen sind nach Risikobeurteilung durch den behandelnden Arzt jedoch – vor allem bei schweren Krankheitsverläufen – im Einzelfall möglich.
  • In jedem Patientenzimmer ist nur ein Besucher zulässig. Weitere Besucher beim Nachbar-Patienten sind zur gleichen Zeit nur dann möglich, wenn einer der beiden Besuche (bei gehfähigen Patienten) im Freien stattfindet.
  • Die Besuchsdauer ist auf eine Stunde pro Tag und Patient begrenzt.
  • Bei „Kurzliegern“ sollte auf Besuche grundsätzlich verzichtet werden.
  • Eine Besucherregistrierung mittels Kontaktformular, welches im Eingangsbereich ausliegt, oder auf der Klinik-Webseite heruntergeladen werden kann (www.kh-as.de), ist nach wie vor erforderlich.
  • Die allgemeinen Hygieneregeln im Haus – Abstand, Händehygiene, FFP2-Gesichtsmasken, Lüftung – sind weiterhin strikt einzuhalten.
  • Regeln für den Entbindungsbereich: Symptomfreie, negativ getestete oder genesene oder geimpfte Väter dürfen ihre Partnerin vor und nach der Geburt begleiten.
  • Der Besuch durch ein Geschwisterkind ist erlaubt; bei Kindern über 6 Jahren ist eine Bescheinigung über einen negativen PCR- oder Antigentest erforderlich.
  • Sofern es die Belegung zulässt, ist die Begleitung im Familienzimmer möglich.

 

 

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