14.01.2022 - 17:01 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bienenzuchtverein Sulzbach-Rosenberg nennt Situation der Imkereibetriebe beunruhigend

Witterungsextreme machen nicht nur Menschen Probleme, sie verkürzen auch die Flugzeiten der Bienen. Über die Konsequenzen berichtet der Bienenzuchtverein Sulzbach-Rosenberg.

Die Waben in den Bienenstöcken enthielten 2021 zwischen 10 und 15 Prozent weniger Honig als im Jahr davor, bilanziert der Bienenzuchtverein Sulzbach-Rosenberg.
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"2021 war ein dramatisches Jahr für die Honigerzeugung", schreibt der Bienenzuchtverein Sulzbach-Rosenberg in einer Pressemitteilung. Darin beziffert er die Ernteverluste auf 10 bis 15 Prozent im Vergleich zu 2020 - und das sei bereits ein schlechtes Erntejahr gewesen. In der Oberpfalz gebe es derzeit 3.335 Imker mit 21.677 Bienenvölker.

"Extreme Witterungsbedingungen haben die Blütezeit und die Flugzeit der Bienen spürbar verkürzt und somit die Produktion erheblich beeinträchtigt", fasst die Vertretung der Imker das vergangene Jahr zusammen. Währenddessen füllten Importe die Regale in den Supermärkten. Wenn die Verbraucher dies nicht bemerkten, liege das daran, dass bezüglich der Angabe des Ursprungslandes nach wie vor strukturelle Defizite bestünden.

Der Bienenzuchtverein Sulzbach-Rosenberg bezeichnet die Situation der Imkereibetriebe als beunruhigend. Von einer "schlechten Saison" will er gar nicht sprechen in einer Zeit, in der solche Ergebnisse zum Standard würden. So hätten die meisten Bundesländer extreme Witterungsbedingungen erlebt: "Fast überall in Deutschland war das Frühjahr kalt und zu nass. Es gab Überschwemmungen und Waldbrände. Alle diese Extreme wirkten sich erheblich auf die Blütezeit aus und verkürzten die Flugzeiten der Bienen. Um dies zu kompensieren mussten Imker Notfallanträge für die Fütterung der Bienen stellen. Hinzu kommen dann noch hohe Völkerverluste durch Bienenkrankheiten."

Die Pressemitteilung zitiert den Präsidenten des Deutschen Imkerbundes, Torsten Ellmann: "Wenn wir selbst weniger Honig ernten, dann wird die Fehlmenge importiert, weil der Markt nachfragt. Deshalb ist es wichtig, dass der importierte Honig stets unseren strengen Qualitäts- und Echtheitsanforderungen auf Basis der deutschen Honigverordnung entspricht und kein minderwertiges Nahrungsmittel eingeführt wird. Dazu gehört für uns: keine Pasteurisierung und Erwärmung über 40 Grad, keine maschinelle Trocknung des Honigs. Eine Förderung des Direktabsatzes und der regionalen Vermarktung müssen für unsere Imkereien stets im Vordergrund stehen."

Bienen verschlafen den Winter nicht

Erbendorf
Hintergrund:

Honigimporte in die Europäische Union

Der Bienenzuchtverein Sulzbach-Rosenberg führt in seiner Pressemitteilung diese Zahlen an:

  • Gesamtmenge 2020: 174.885 Tonnen, ein neuer Höchstwert und ein Plus von 4,7 Prozent im Vergleich zu 2019
  • Preisentwicklung in den wichtigsten Lieferländern von Honig: Ukraine (54.802 Tonnen im Jahr 2020) von 1,83 Euro pro Kilogramm 2018 auf 1,53 Euro pro Kilogramm 2020; China von 1,51 Euro pro Kilogramm 2018 auf 1,38 Euro pro Kilogramm 2020
  • Herstellungskosten in der EU: rund 3,50 bis 4,00 Euro pro Kilogramm

 

 

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