Sulzbach-Rosenberg
08.08.2022 - 15:55 Uhr
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Birg aaf, Birg o: Acht Kapellen bringen Sulzbacher Altstadt zum Beben

Blasmusik wohin man schaut und hört: Beim 6. Bayerischen Volksmusikspektakel in Sulzbach-Rosenberg verwandelten acht Kapellen in sieben Kneipen die Altstadt in eine Hochburg Oberpfälzer Blasmusik. Die Gäste hielt es nicht auf den Stühlen.

von mfh

Die Sulzbacher Altstadt verwandelte sich am Samstag in eine Hochburg der Volksmusik. Beim 6. Bayerische Volksmusikspektakel „Birg aaf, Birg o“ spielten am Samstag acht Kapellen bei sieben Kneipen – und immer unter freiem Himmel. Die Abendluft war erfüllt von zünftiger Blasmusik und die Töne weit zu hören. Vor dem Rathaus hatten die Birgländer mit der Eigenkomposition „Übers Birg“ und dem Stück „Musikanten-Schottisch“ die Traditionsveranstaltung eröffnet. Die Tanngrindler Musikanten im Schlosshof antworteten mit dem Marsch „Frisch auf“ und einem Hemauer Zwiefachen. Da konnten sich manche Liebhaber Oberpfälzer Volksmusik nicht ruhig halten, schon nach kurzer Zeit tanzten die ersten Paare in den Abend.

Bürgermeister Michael Göth freute sich bei der Eröffnung am Rathaus, dass nach der Corona-Pause das Kneipenclubbing jetzt im Sommer einen Platz gefunden hat und wünschte allen Beteiligten viel Spaß. Und während die Tanngrindler zum Schlosshof hinauf marschierten und die Birgländer sich vorbereiteten, von einem Wirtshaus zum anderen zu ziehen (als einzige Kapelle ohne festen Kneipen-Standort), sorgten bereits die Roum Boum in der Weinstube Centro zwischen den Tischen für ausgelassene Stimmung.

Schlosshof als Freiluft-Tanzsaal

Im Schlosshof stand noch die große Sommerbühne der Knorr-von-Rosenroth-Festspiele. Sie war für die Tanngrindler Musikanten die perfekte Location. Das Oktett aus Hemau kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Der Ortsheimatpfleger und Apotheker German Roßkopf gründete die Formation 1970. Ihr Repertoire ist vielfältig, bunt und bodenständig. Bestens geeignet für Wirtshaus und Tanzboden, wie der Untertitel ihrer CD „Frisch ozapft“ belegt. Von der zünftigen Musik angelockt, fanden sich auch sehr bald die ersten Tanzpaare in diesem wunderschönen Freiluft-Tanzsaal Schlosshof ein.

Das Bläserensemble S´Vils Blech kommt genau aus dem Ort, den der Name schon vermuten lässt, aus Vilseck. Sie umspannten mit schmissigen und eingängigen Melodien das Gasthaus Sperber und das ganze Umfeld in einer musikalische Gute-Laune-Sphäre. Und viele Kehlen wiederholten den Refrain: „Aus Böhmen kommt die Musik, sie ist der Schlüssel zum Glück.“ Dem Frankenlied hatten die Musikanten einen neuen Text verliehen: „Dou wird a Soucherl gschlacht und grouße Würscht draus gmacht, so is die Oberpfalz.“ Ein Rausschmeißer, ein Lied, das immer schneller wird, war wie eine Einladung, den Ort zu wechseln.

Musiker spielen durcheinander

Vorbei bei den Roum Boum im Centro, und schon hörte man Blech Akkord im Stadtgespräch. Oder waren es D´Wadlbeißer oder gar die Kirchenreinbacher Spitzboum beim Fuchsbeck? Der Luitpoldplatz war zuerst erfüllt von einem kaum trennbaren Volksmusik-Potpourri. Dann einigten sich die drei Formationen dahingehend, dass immer nur eine Gruppe spielt. Das ließ den anderen beiden auch Zeit, lokale Speisen und Getränke zu genießen.

D‘ Wadlbeißer sind in Regensburg zu Hause und sagen von sich selbst. „Wir sind eine bayerische Wirtshaus- und Tanzbodenkapelle aus Regensburg, die traditionelle, bodenständige und von Generation zu Generation überlieferte bayerische Volksmusik, speziell aus der Oberpfalz, spielt und singt.“

Schnaps für die Musiker

Sozusagen nebenan, beim Fuchsbeck, spielten die Kirchenreinbacher Spitzboum. Kaum zu glauben, aber ihr 30-Jähriges haben sie schon hinter sich. Dass sie in dieser Zeit auch jede Menge frecher Trinksprüche inhaliert haben, ist eigentlich selbstverständlich. Eine kleine Auswahl gaben sie im Brauerei-Biergarten zum Besten. Klar, dass gerne eine Runde Schnaps an die Musikanten ging, um nicht nur Lieder, sondern auch noch eine weitere Ode an den Hochprozentigen zu hören.

Zum Erholen und Luftholen blieben den Kneipen-Springern, die von Lokal zu Lokal wechselten, nur die 82 Meter zu Fuß hinunter zur Landkutsche. Für manchen auch 182 Meter, wenn er einen indirekten Weg nahm. Sieben junge Musiker aus Oberviechtach haben sich vor über zehn Jahren zur Vöichtacher Rucksack-Musi zusammengefunden. Sie haben ein beachtliches Repertoire an Wirtshausliedern, Zwiefachen, Schottischen, Polkas und Walzern. Und sie haben wunderschöne Stimmen. Die Bühnendeko passe in einen Rucksack, erklärte Akkordeon-Spieler Michael Fleischer und stellte eine zeitschriftengroße Holztafel auf die Bühne, in die der Name der Formation eingelasert war.

Was ist Kuchl-Böhmisch?

Und dann überraschte zu später Stunde die Rucksack-Musi mit einem Stückl, das in bestem Kuchl-Böhmisch gesungen wurde. Über die fast vergessene Sprache wusste Sepp Lösch Bescheid. Es war ein deutsch-tschechisches Sprachgemisch, das von den Hausangestellten in den herrschaftlichen Küchen wahrscheinlich noch vor und zu Zeiten der K.u.K-Monarchie entstand. Während das Sprachrätsel die Runde machte, kamen die Birgländer auf das Landkutschengelände. Zuerst gab es eine urige „Volksmusik-Jam-Session“, dann spielte man gemeinsam noch einige Stücke, sozusagen Birg aaf, Birg o.

Hintergrund:

6. Volksmusikspektakel: Diese Bands spielten

  • "s'Vils Blech": Gasthof Sperber
  • "Roum Boum": Weinstube Centro
  • "Tanngrindler Musikanten": Schlosshof
  • "Blech Akkord": Café-Bar Stadtgespräch
  • "d' Wadlbeißer": Gasthof Bayerischer Hof
  • "Kirchenreinbacher Spitzboum": Fuchsbeck-Biergarten
  • "Vöichtacher Rucksack-Musi": Gasthaus Landkutsche
  • "Birgländer Musikanten": Von Lokal zu Lokal gezogen
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