06.10.2020 - 12:03 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Bruce Springsteen und die Liebe am Almsee

Das Österreichische kommt immer gut an auf Sulzbach-Rosenberger Bühnen. Doch Stefan Leonhardsberger und Martin Schmid bieten nicht nur bestes Musikkabarett. Ihnen geht es auch um die Sprache und das Lebensgefühl im Nachbarland.

Musikalität, schwarzer Humor und Bühnen-Präsenz: Martin Schmid (links) und Stefan Leonhardsberger beim Liederabend auf der Bühne im Capitol.
von Helga KammProfil

„Da Billi Jean“ war vor sechs Jahren schon einmal in der Stadt. Seitdem ist aus Stefan Leonhardsberger, dem Geheimtipp aus dem österreichischen Mühlviertel, ein Stern der Kabarettlandschaft mit diversen Auszeichnungen geworden. Zusammen mit dem Augsburger Profi-Gitarristen Martin Schmid gelingt auf Einladung der Kulturwerkstatt im Capitol ein Liederabend, der komisch, nachdenklich und mitreißend das Publikum begeistert.

Was es mit dem Titel der Show auf sich hat, wird recht bald klar. „Da Billi Jean is ned mei Bua“ basiert auf Michael Jacksons „Billie Jean“, erfährt eine ganz andere Interpretation und ist nun die Geschichte einer folgenreichen Vaterschaftsklage. Ähnliches geschieht mit anderen weltbekannten Melodien. Titel von Bruce Springsteen, Tina Turner, Eros Ramazotti, Johnny Cash und anderen werden von Leonhardsberger und Schmid „veredelt“ zu tragikomischen Geschichten; gesungen natürlich im angenehmen österreichischen Sprachduktus, der auch manch deftige Ausdrücke enthält. In einem Experiment machen sie aus Louis Armstrong und Wolfgang Ambros ein Stück für Louis Ambros, preisen den Wiener Würstlstand und wünschen sich frei nach Prince ein Mädchenlachen im „Purpurregn“.

Der Kabarettist und Schauspieler Leonhardsberger moderiert den Abend mit viel Charme und Spontanität, tanzt, springt und wirbelt über die Bühne, besticht mit seiner sexy Stimme. Immer wieder greift auch er zur Gitarre, bringt Trauer ebenso zum Ausdruck wie schwarzen Humor. Perfekt unterstützt ihn dabei Martin Schmid, der ihn mit der Gitarre einfühlsam begleitet und mit sparsamer Mimik und treffenden Sätzen ein ruhender Gegenpol zu Leonhardsbergers quirliger Performance ist. Neben der großen Showgeste haben aber auch leise Momente ihren Platz. So schon ganz am Anfang, wenn die beiden Künstler die Besucher nach Leonard Cohens „Halleluhja“ bitten: „Leihds uns gnädig eier Ohr“ oder wenn sie nach der Musik von Bruce Springsteen die Liebe am Almsee beschreiben, die erste und die vergangene. Eine CD haben Leonhardsberger und Schmid nicht anzubieten, dafür aber ein schwarzes „Stoffsackerl“ mit dem Gesicht von Billi Jean, „ein Merchandising-Produkt nachhaltig und umweltfreundlich“.

„Ihr seids eierm Ruf gerecht geworden“, versichert Stefan Leonhardsberger nach neunzig Minuten dem Publikum im Capitol. Der große Beifall lässt ihn ankündigen: „Mir hom no a Liadl dabei, des schmalz ma etz raus“.

Schauspieler und Bassist erzählen "Transatlantische Geschichten"

Sulzbach-Rosenberg

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